Das Startup-Interview mit Anastasios Paliakoudis von der-zuckerbäcker.de

Veröffentlicht am 23. September 2011 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Der Name ist Programm: Das Startup Der Zuckerbäcker aus Heilbronn vertreibt Süßigkeiten über das Internet. Gleichzeitig legen die Gründer großen Wert auf den Kontakt zu ihren Kunden – deshalb ist das junge Unternehmen mit einer eigenen Fanseite auf Facebook aktiv und bloggt regelmäßig zum Thema Süßigkeiten. Im Gespräch mit Unternehmer.de berichtet der Mitgründer Anastasios Paliakoudis von seinem Weg in die Selbständigkeit.

Unternehmer.de: Wie kamen Sie auf die Idee, Süßigkeiten über das Internet zu vertreiben?

Anastasios Paliakoudis: Die Idee entstand im Sommer 2010. Mein Mitgründer Christopher Pfahl und ich wollten uns nach unserer Beratertätigkeit mit einem eigenen Projekt verwirklichen. Bei diesem Projekt sollte der Spaß im Mittelpunkt stehen. Unsere gemeinsame Freundin Corinna Lenz hatte dann die ausschlaggebende Idee.
Wenn wir selbst Spaß an unserer Arbeit haben wollen, ist es auch wichtig den Kunden eine Freude zu bereiten. Und was ist dazu besser geeignet als Süßigkeiten?
Aus dieser Idee heraus ist dann „Der Zuckerbäcker“ entstanden und ein ausgereifter Unternehmensplan wurde entwickelt. So setzen wir jetzt schon seit Oktober 2010 unser Motto „Für mehr Freude!“ in die Wirklichkeit um. Wir wollen, dass sich unsere Kunden in ihre Kindheit zurückversetzen können und damit ein kleines bisschen Sorglosigkeit in den Alltag bringen. Die Freude an den kleinen schönen Dingen soll man auch im Internet wiederfinden. Der Zuckerbäcker ist also sozusagen die „Tante-Emma 2.0.“

Unternehmer.de: Lebensmittel übers Internet zu bestellen ist in Deutschland noch nicht besonders weit verbreitet. Hatten Sie zu Beginn mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen?

Anastasios Paliakoudis: Das Lebensmittelsegment ist im E-Commerce in der Tat der wohl jüngste Markt. Aber Akzeptanzprobleme direkt haben wir nicht gespürt. Ich denke, das wäre bei Waren wie Obst, Gemüse oder Fleisch anders.
Bei uns ist eher das Gegenteil der Fall. Unser Ansatz des Süßigkeitenkiosks im Internet stößt auf großes Interesse. Sowohl Partner als auch Endverbraucher, die zum ersten Mal von unserer Idee hören, sind sehr neugierig darauf und stöbern auf unserer Seite. Die Verbindung von Altbekanntem mit den Möglichkeiten des Web 2.0 schafft ein Vertrauen, das uns zugute kommt.
Insgesamt sind wir von der Entwicklung des Zuckerbäckers wirklich positiv überrascht. Wir erhalten sehr tolle positive Resonanz von unseren Kunden, denen das Geschäftskonzept gefällt. Teilweise sind Leute dabei, die zum ersten Mal im Internet einkaufen. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

"Für uns sind soziale Netzwerke sehr wichtig"

Unternehmer.de: Sie setzen beim Marketing auch auf soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter. Zahlt sich das Engagement für Ihr Unternehmen aus?

Anastasios Paliakoudis: Für uns sind die sozialen Netzwerke sehr wichtig, da wir viel vom direkten Kontakt zum Kunden halten. So erhält man ein ehrliches Feedback und weiß, worauf man aufbauen kann. Da wir sehr stark auf "Word-of-Mouth-Marketing" setzen, nehmen die sozialen Netzwerke bei uns einen sehr hohen Stellenwert ein. Bisher waren wir damit auch sehr erfolgreich.
Wir kümmern uns intensiv um unsere Fanseite auf Facebook und unseren Blog und versuchen regelmäßig über neue Produkte, Spannendes aus der Welt der Süßigkeiten oder einfach über unseren Arbeitsalltag zu berichten. Es macht uns Spaß, mit unseren Kunden in Kontakt zu stehen. Das war früher im Kiosk um die Ecke auch so und genau das fehlt bei vielen Geschäftsmodellen heutzutage.

Unternehmer.de: Sie haben vorher als Berater gearbeitet – wieso dann der Schritt in die Selbständigkeit?

 

Anastasios Paliakoudis: Für uns stand schon beim gemeinsamen BWL-Studium fest, dass wir später gründen wollen. Wie vorher schon erwähnt soll beim "Zuckerbäcker“ der Spaß im Mittelpunkt stehen. Das war bei unseren Beraterprojekten leider nicht immer so.
Zunächst waren wir als Interims Manager tätig und haben mittelständische Unternehmen bei der Umsetzung ihres Internetauftritts begleitet. Das war zwar spannend, aber es war auch schwer für uns, einem alteingesessenen Unternehmen zu erklären,  worauf es beim Online-Geschäft ankommt. Außerdem hat die Arbeitsweise nicht mit unseren Vorstellungen übereingestimmt. Alles was gezählt hat war das Geschäft. Spaß bei der Arbeit war tabu.

Unternehmer.de: Gehen Sie damit nicht ein hohes persönliches Risiko ein?

Anastasios Paliakoudis: Mit der Selbständigkeit geht natürlich auch ein gewisses Risiko einher. Insbesondere wenn man lukrative Berater-Projekte aufgibst, um gemeinsam mit einem Freund einen neuen, unsicheren Weg zu gehen. Wir waren uns aber von Anfang an sicher, dass wir dieses Herzens-Projekt verwirklichen wollen und haben immer an den Erfolg vom „Zuckerbäcker“ geglaubt.

Unternehmer.de: Wer hat Sie bei Ihrer Unternehmensgründung unterstützt?

Anastasios Paliakoudis: Sehr wichtig war uns der gegenseitige Zusammenhalt. Christopher Pfahl und ich kennen uns seit der fünften Klasse und wir waren schon immer ein gutes Team. Bei der Gründung einen sehr guten Partner an der Seite zu haben ist unersetzlich.
Außerdem haben uns Familie und enge Freunde unterstützt. Auch wenn ganz am Anfang etwas Unverständnis im Bekanntenkreis da war. Aber als unsere Idee klarer wurde, sind auch die letzten Zweifel verstummt. Unsere Familie hat uns immer den nötigen Rückhalt gegeben.

"Das ist doch das spannende am Gründen: Man begegnet ständig neuen Situationen, probiert was aus und lernt daraus"

Unternehmer.de: Was war Ihr größter Fehler, den Sie vor oder während der Existenzgründung begangen haben?

Anastasios Paliakoudis: Wir kennen uns schon lange und sind ein eingespieltes Team. Außerdem konnten wir auf die Erfahrung bei der Umsetzung von Online-Konzepten zurückgreifen. So konnten wir große Fehler in der Gründungsphase vermeiden.
Selbstverständlich gibt es rückblickend einige Sachen, die wir anders gemacht hätten. Aber das ist doch das Spannende am Gründen: Man begegnet ständig neuen Situationen, probiert etwas aus und lernt daraus. Fehler zu machen ist dabei nicht schlimm. Sachen gar nicht zu machen ist der größere Fehler.

Unternehmer.de: Welche Charaktereigenschaften sind Ihrer Ansicht nach ein absolutes Muss, um sich als selbstständiger Unternehmer behaupten zu können?

Anastasios Paliakoudis: Genauso wie es sehr viele unterschiedliche Businessmodelle gibt, werden auch sehr unterschiedliche Charaktereigenschaften benötigt. Wir haben viele Gründer kennengelernt und wissen: „Den einen“ Gründertyp gibt es nicht.
Auf jeden Fall muss der Gründer zu seinem Unternehmen passen. Uns persönlich ist der Spaß am täglichen Schaffen sehr wichtig. Wir verbringen zurzeit den größten Teil des Tages im Büro. Da muss das, was man macht, Freude machen und du musst Dich im Team wohl fühlen.
Gerade in der Startphase kommen sehr viele unterschiedliche Aufgaben auf einen zu. Du darfst Dir für nichts zu schade sein und einfach anpacken, wo es nur geht. Den Zeit- und Energieaufwand, der hinter einer Gründung steckt, bekommt man von außen nicht wirklich mit. Darauf muss man aber eingestellt sein. Eine Gründung ist wie ein eigenes Baby. Es benötigt in der ersten Zeit sehr viel Aufmerksamkeit und Pflege. Das heißt natürlich auch weniger Schlaf für die Gründer. Aber was tut man nicht alles für das eigene „Kind“?

Unternehmer.de: Sie sind jetzt Ihr eigener Chef: Käme ein Dasein als Angestellter für Sie überhaupt noch in Frage?

Anastasios Paliakoudis: Wenn Du die Vorteile der Selbständigkeit erfahren hast, kannst Du Dir ein Leben als Angestellter nur schwer vorstellen. Bei unserem Projekt können wir unsere Ideen und Träume voll entfalten.

Unternehmer.de: Vielen Dank für das Interview!

(Bild: © pdesign – fotolia.de)