Interview: „Muss es wirklich das repräsentative Büro in 1A-Lage sein?“

Veröffentlicht am 23. August 2011 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

Themen: , , ,

Designenlassen.de bietet Unternehmen, die z.B. ein neues Logo für ihr Produkt suchen, die Möglichkeit, dieses Projekt online auszuschreiben und aus den eingereichten Entwürfen den besten auswählen. Das Konzept von designenlassen.de geht auf, das Unternehmen hat u.a. dieses Jahr den Gründerpreis der IHK Nürnberg für Mittelfranken erhalten.

Unternehmer.de hat mit Michael Kubens, einem der beiden Geschäftsführer von designenlassen.de, gesprochen. Er ist zuständig für die konzeptionelle Weiterentwicklung der Plattform und die Themen Marketing, Vertrieb und Kooperationen.

Unternehmer.de: Wann und wie reifte in Ihnen der Entschluss, designenlassen.de zu gründen?

Michael Kubens: Die Idee zur Gründung von designenlassen.de hatten wir im Sommer 2008. Wir waren damals für ein anderes Unternehmen auf der Suche nach einem Logo-Design und haben versucht, dieses Projekt online auszuschreiben. Wir nutzten hierfür Xing-Gruppen, Designer-Communities und unser persönliches Netzwerk. Wir bekamen viele Anfragen von Grafikern und merkten schnell, dass sich Designprojekte gut für eine Online-Ausschreibung eignen. Allerdings war es sehr mühsam, den gesamten Prozess per E-Mail und Telefon zu koordinieren. Durch Zufall stolperten wir dann über das Thema Crowdsourcing und fassten den Entschluss, ein Design-Portal nach dem Crowdsourcing-Prinzip für den deutschsprachigen Markt zu gründen.

Unternehmer.de: Was genau ist das Prinzip von Designenlassen.de? Was unterscheidet Sie von anderen Unternehmen aus Ihrer Branche? Wie positionieren Sie sich gegenüber diesen Unternehmen?

Michael Kubens ist Geschäftsführer von designenlassen.de

Michael Kubens: Unsere Website ist ein Marktplatz, auf dem Auftraggeber und Designer zusammentreffen. Benötigt man als Unternehmen beispielsweise ein Logo -oder Webdesign, kann man auf unserer Plattform einen Auftrag ausschreiben. Die Höhe des Preisgeldes gibt der Auftraggeber vor, um Preisdumping zu vermeiden, haben wir aber Mindestpreise festgelegt. Unsere Designer haben dann die Möglichkeit, Entwürfe zu erstellen und diese auf designenlassen.de hochzuladen. Am Ende kürt der Auftraggeber einen Gewinner und erhält die Feindaten, sowie alle Nutzungsrechte an dem Design. Der Vorteil liegt dabei auf der Hand. Der Auftraggeber wählt nur das Design aus, das ihn zu 100% überzeugt hat. Dazu kommt, dass wir im Vergleich zu herkömmlichen ‘Offline’-Agenturen eine viel größere Auswahl an unterschiedlichen Designs bieten können und unser Geschäft komplett online abgewickelt wird.

Unternehmer.de: Gab es einen besonders speziellen bzw. originellen Designwettbewerb, an den Sie sich noch immer erinnern?

Michael Kubens: Unter den mittlerweile fast 4000 abgewickelten Designprojekten waren natürlich zahlreiche spannende Themen. Exemplarisch für viele andere möchte ich hier den Designwettbewerb der Firma KnausTabbert, einem großen Hersteller von Wohnwägen und Caravans nennen. Das Unternehmen legt dieses Jahr eine Jubiläumsedition des Wohnwagen-Klassikers Schwalbennest auf und hat die Gestaltung der Wohnwägen über designenlassen.de ausgeschrieben Wir haben dazu auch in unserem Blog berichtet. Es wurden fast 400 Designvorschläge eingereicht und die Leser von Autobild haben dann per Online-Abstimmung aus 20 Favoriten drei Gewinner gewählt. Diese werden jetzt tatsächlich produziert und auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf vorgestellt.

Thema Finanzierung

Unternehmer.de: Welche Quellen standen Ihnen bei der Gründung zur Verfügung? Und wie finanzieren Sie Ihr Unternehmen heute?

Michael Kubens: Wir haben das Unternehmen komplett aus eigenen Mitteln mit 5.000 € Startkapital als UG gegründet und zunächst mit minimalem Aufwand eine Beta-Version ins Netz gestellt. Dabei ging es uns einzig und allein darum, die Marktakzeptanz zu testen. Da der Marktplatz von Anfang an gut lief, haben wir sehr schnell begonnen, Gebühren von unseren Kunden zu verlangen und sind seitdem profitabel unterwegs. Man könnte also sagen, dass unsere Kunden die Geldgeber und “Investoren” sind. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wir sind in diesem Punkt aber keine “Evangelisten” und es ist nicht ausgeschlossen, dass wir in Zukunft auch mit externen Investoren zusammenarbeiten.

Unternehmer.de: Gab es auch Momente nach der Gründung, in denen existenzielle Unsicherheiten in Ihnen aufkamen?

Michael Kubens: Glücklicherweise nicht. Wir haben immer darauf geachtet, keine unkalkulierbaren finanziellen Risiken einzugehen und sind sehr gut damit gefahren.

Rückblick & Tipps

Unternehmer.de: Und wenn Sie heute zurückblicken: Was waren die größten Fehler, die Sie vor oder während Ihrer Gründung begangen haben?

Michael Kubens: Gute Frage! Vielleicht waren wir am Anfang zu zögerlich und hätten doch etwas mehr investieren sollen. Dann wäre es für die zahlreichen Nachahmer noch schwieriger geworden, in den Markt einzutreten. Wir waren bei Investitionen in Marketing und Personal fast zu vorsichtig.

Unternehmer.de: Jetzt zum Positiven! Worauf sind Sie im Rückblick besonders stolz, was waren Ihre größten Erfolge?

Michael Kubens: Es gibt viele schöne Momente, an die wir gerne zurückdenken. Seit der Gründung haben wir insgesamt drei Gründerpreise (Gründerwettbewerb Multimedia des BMWi, Innovationspreis Web 2.0, Gründerpreis der IHK-Mittelfranken) gewonnen, auf die wir sehr stolz sind. Ein weiterer nicht selbstverständlicher Erfolg ist aus unserer Sicht, dass wir uns im Team immer noch so hervorragend verstehen und konstruktiv und zielgerichtet zusammenarbeiten.

Unternehmer.de: Welche Tipps würden Sie Menschen geben, die sich gerade im Moment mit dem Gedanken beschäftigen, ein Unternehmen zu gründen?

Michael Kubens: Ich würde jedem raten, so schnell wie möglich im Markt aktiv und damit “real” zu werden. Wir kennen viele Gründer, die zu lange im stillen Kämmerlein am perfekten Geschäftskonzept tüfteln, nur um dann festzustellen, dass man den Markt doch falsch eingeschätzt hat. Außerdem sollte man gerade am Anfang die Kosten minimieren. Muss es wirklich das repräsentative Büro in 1A-Lage sein? Braucht man eine Komplettausstattung neuer Büromöbel, die neueste Office-Software, einen Geschäftswagen usw.?

Charakter & Ziele

Unternehmer.de: Welche Charaktereigenschaften sind ein absolutes Muss, um sich als selbstständiger Unternehmer behaupten zu können?

Michael Kubens: Man muss die Kraft haben, an seine Idee zu glauben und darf sich nicht von Gegenwind abschrecken lassen. Außerdem sollte man immer ein offenes Ohr für den Markt haben und bereit sein, das eigene Konzept immer wieder den Marktgegebenheiten anzupassen. Naja, und Durchhaltevermögen wäre auch nicht schlecht, denn irgendwann kommt sicherlich auch mal eine Durststrecke!

Unternehmer.de: Sie sind Ihr eigener Chef: Käme ein Dasein als Angestellter überhaupt noch in Frage?

Michael Kubens: Momentan fühlen wir uns sehr wohl als selbständige Unternehmer und wir wollen das auch ganz bestimmt nicht ändern! Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Es gibt sicherlich auch spannende Angestellten-Jobs...

Unternehmer.de: Was sind Ihre Top-Ziele als Unternehmer in den kommenden Jahren?

Michael Kubens: Wir wollen den eingeschlagenen Weg weiter gehen und profitables Wachstum erzielen. Derzeit sind wir noch ein Nischenprodukt und decken nur einen Bruchteil des Marktes ab. Das soll sich bald ändern. Wir glauben, dass wir mit unserem Marktplatz einen überlegen Prozess für die Vergabe von Kreativdienstleistungen etablieren können und damit den Markt grundlegend verändern und demokratisieren können.

www.designenlassen.de

(Bild: © DAN – Fotolia.com)