Joint Ventures in Indien: Neuregelungen erleichtern Ihnen die Gründung!

Veröffentlicht am 10. August 2011 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Bei Verkaufsgesprächen müssen Sie ermitteln, was den Kunden wichtig istVon vielen unbemerkt hat die indische Regierung mit Wirkung zum 1.4.2011 die gesetzlichen Bestimmungen für die Gründung von Joint Ventures gelockert. Durch diese Maßnahme will man ausländische Investoren ermutigen, sich in Indien zu engagieren. Die Erleichterungen betreffen im Wesentlichen folgende drei Punkte:

1. Mehrfache Beteiligungsverhältnisse

Wer bereits einen indischen Geschäftspartner hatte, konnte bisher eine weitere Partnerschaft in Indien nur eingehen, wenn der ursprüngliche Partner diesem neuerlichen Engagement zustimmte. Hierzu musste eine Unbedenklichkeitsbescheinigung (No Objection Certificate) ausgestellt werden, die die Voraussetzung für die Genehmigung des zweiten Joint Ventures darstellt. Diese Anforderung wurde ersatzlos fallen gelassen. Somit können nun auch mehrfache Beteiligungsverhältnisse in Indien ohne formale Beschränkungen und gegenseitige Abhängigkeiten eingegangen werden.

2. Unternehmensanteile ausländischer Investoren

Galt bisher die Regelung, dass die Unternehmensanteile des ausländischen Investors als Geldeinlage geleistet werden musste, so können diese seit April 2011 auch in Form von Investitionsgütern, neu oder gebraucht, in die Partnerschaft investiert werden. Somit kann zum Beispiel auch eine Produktionsanlage, etwa im Zuge einer Produktionsverlagerung oder verlängerten Werkbank, als Gesellschafteranteil in ein Joint Venture eingebracht werden. Bedingung ist lediglich eine realistische Bewertung, vorgenommen durch eine neutrale Bewertungsgesellschaft in Indien. Hier liegt sicherlich noch eine Fußangel angesichts des signifikanten Korruptionsniveaus. Es bleibt abzuwarten, wie rational dieses Bewertungsthema in der Praxis umgesetzt wird.

3. Vorlaufkosten als geldwerter Geschäftsanteil

Ab sofort können auch Vorlaufkosten als geldwerter Geschäftsanteil eingesetzt werden, vorausgesetzt, sie werden durch den ausländischen Investor direkt beglichen und nicht über lokale Makler geleistet.

Indien ist zunehmend auch für den Mittelstand ein interessanter Markt. Laut Angaben der deutsch-indischen Handelskammer flossen allein zwischen April 2009 und März 2010 rund 459 Mio. Euro von Deutschland nach Indien. Schon fast 1000 deutsche Unternehmen sind mit eigenen Gesellschaften in Indien vertreten, mehr als 2700 Joint Ventures zwischen deutschen und indischen Partnern wurden seit 1991 gegründet. Statistisch hält aber nur ein Drittel länger als zehn Jahre.

Kritisch wird von den deutschen Unternehmen die ausufernde Bürokratie sowie die sehr mangelhafte Infrastruktur gesehen, die eine terminlich und qualitativ zuverlässige Produktion mitunter schwierig gestalten. Auch das hohe Korruptionsniveau schreckt viele Unternehmer ab – auf dem Transparency International Index von 2010 lag Indien auf Platz 87 und damit neun Plätze schlechter als das laut Index korrupteste Land Westeuropas Griechenland, und als China.

Gleichwohl mehren sich die Stimmen derer, die die Teilnahme am indischen Markt, nach Überwinden der Anfangsprobleme, als uneingeschränkt positiv und wichtig ansehen. Schließlich wird Indien in wenigen Jahren das bevölkerungsreichste Land der Erde sein, und auch wenn momentan fast zwei Drittel der Bevölkerung noch mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen müssen, wächst der Anteil einer auch nach europäischen Maßstäben gut situierten Mittelschicht, die sich durch ausgeprägte Konsumfreudigkeit auszeichnet. Seit Jahren wächst die indische Wirtschaft mit jährlich zwischen 6 und 9 Prozent und es gibt keinerlei Anzeichen für eine Reduzierung des Wachstumstempos. Sorgen bereitet der Regierung jedoch das relativ hohe Inflationsniveau, das auf nahezu gleichem Niveau wie das Wirtschaftswachstum liegt.

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