Steuer-Ticker 01.11: Aktuelles für Unternehmer

Veröffentlicht am 18. Januar 2011 in der Kategorie Finanzen & Steuern von

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Die Steuerkanzlei REICHARDT Steuerberatung – Wirtschaftsmediation aus München veröffentlicht in jeder Ausgabe des Fachmagazins “Mittelstand Wissen” Steuernews für den Mittelstand.

Die Themen im Einzelnen: Dauerfristverlängerung 2011 bei der Umsatzsteuer +++ Vorsicht bei Gesellschafterdarlehen +++ Musterprozess zur Bemessung der Ein-Prozent-Regelung +++ Keine Versicherungspflicht bei der Berufsgenossenschaft für Unternehmer +++ Ermittlung der Umsatzsteuer bei der Ein-Prozent-Regelung

Dauerfristverlängerung 2011 bei der Umsatzsteuer

Unternehmer sollten bis 10.02.2011 prüfen, ob sie einen Antrag auf Dauerfristverlängerung bei der Umsatzsteuer stellen sollten. Auf Grund der Abschaffung der so genannten Abgabe-Schonfrist für Umsatzsteuer-Voranmeldungen sowie die Verpflichtung, die Anmeldung elektronisch (z.B. via ELSTER) einzureichen, bietet sich ein Antrag auf Dauerfristverlängerung ab 2011 an. Dies gilt vor allem auch
für Steuerzahler, die ihre Voranmeldungen bisher monatlich oder vierteljährlich abgegeben haben. Welcher Abgabezeitraum für sie gilt, richtet sich nach der im Jahr 2010 gezahlten Umsatzsteuer. Das Finanzamt fordert die Unternehmer zur jeweiligen Abgabe auf.

Vorsicht bei Gesellschafterdarlehen

Geben Unternehmer ihrer eigenen Gesellschaft ein Darlehen, müssen einige Punkte strikt beachtet werden. Gerade bei zinslosen Darlehen auf unbestimmte Zeit kann es gefährlich werden. Das Finanzgericht Münster hat vergangenes Jahr unter Bezugnahme der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs entschieden, dass ein unverzinsliches Darlehen mit unbestimmter Laufzeit mit dem 9,3-Fachen des Jahreswerts zu bewerten ist. Legt man einen Zinssatz von 5,5 Prozent zugrunde, entspricht dies einer Laufzeit von knapp 13 Jahren. Dies entspricht einem Vervielfältiger von 0,503. Die Folge daraus ist, dass z.B. ein Darlehen über 100.000 EUR nur mit 50.300 EUR in der Steuerbilanz passiviert wird. Tipp: Betroffene Unternehmer sollten entweder eine geringe Verzinsung oder zumindest konkrete Tilgungskonditionen vereinbaren.

Musterprozess zur Bemessung der Ein-Prozent-Regelung

Für die Bemessung der privaten Kfz-Nutzung über die Ein-Prozent-Regelung wird auf den ehemaligen Bruttolistenpreis des jeweiligen Fahrzeugs abgestellt. Der Bund der Steuerzahler führt nun einen Musterprozess mit dem Ziel, dass als Bemessungsgrundlage nicht der Bruttolistenpreis, sondern der handelsübliche - sprich Marktpreis - angesetzt wird.

Das Verfahren ist beim Finanzgericht Niedersachsen mit dem Aktenzeichen 9 K 394/10 anhängig. Laut
Angaben des Bundes der Steuerzahler bestehen gute Chancen auf Erfolg weil

  • der Bruttolistenpreis in der Regel 15 bis 25 Prozent über dem tatsächlichen Angebotspreis liegt und damit nicht mehr gerecht ist und
  • bei der Ermittlung des geldwerten Vorteils aus dem Verkauf eines sog. Werkswagens nach neuester Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs nicht der Bruttolistenpreis anzusetzen ist, sondern der Preis, zu dem das Fahrzeug Endabnehmern angeboten wurde.

Keine Versicherungspflicht bei der Berufsgenossenschaft für Unternehmer

Zum 01. Januar 2011 ist die Pflichtversicherung für Unternehmer in der Berufsgenossenschaft für Handel und Warendistribution (BGHW) entfallen. Betroffene Unternehmer können ihre Mitgliedschaft nun kündigen. Die Versicherungsverpflichtung für Arbeitnehmer ist davon jedoch nicht betroffen. Die Kündigung ist schriftlich bei der BGHW einzureichen und wird mit Ablauf des Monats wirksam, in dem sie bei der BGHW eingegangen ist.

Für Existenzgründer, die sich erst ab 2011 im Einzelhandel selbständig machen, wird die Unfallversicherung nicht mehr automatisch abgeschlossen. Auf Antrag kann man allerdings freiwillig versichert werden.

Ermittlung der Umsatzsteuer bei der Ein-Prozent-Regelung

Für die private Nutzung eines betrieblichen Fahrzeugs kann sich der Unternehmer zwischen der Fahrtenbuchmethode und der sog. Ein-Prozent-Regelung entscheiden. Von der Bemessungsgrundlage (ein Prozent des Bruttolistenpreises pro Monat) ist für die nicht mit Vorsteuer belasteten Kosten ein pauschaler Abschlag von 20% vorzunehmen. Dies gilt auch dann, wenn die tatsächlichen, mit Vorsteuer belasteten Kosten höher sind. Möchten betroffene Unternehmer von der Vereinfachungsregelung keinen Gebrauch machen, bleibt nur die Führung eines ordnungsgemäßen Fahrtenbuches oder die „sachgerechte Schätzung“ anhand seiner betrieblichen Verhältnisse.

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