2011: Frohes teures Jahr!

Veröffentlicht am 30. Dezember 2010 in der Kategorie Finanzen & Steuern von

Themen: , ,

Egal, ob es um Krankenversicherung, Urlaub, Energie, Bauen oder Rauchen geht - 2011 wird in Deutschland für viele Bürger ein teures Jahr. Jedoch gibt es auch einige erfreuliche Neuerungen. Auf FOCUS Online wurden die wichtigsten vorgestellt.

Nicht viele Gesetze haben es 2010 bis zur Umsetzung geschafft. Der Bundesrat lehnte eine Erhöhung um fünf Euro bei Hartz IV sowie das Bildungspaket für Kinder ab, stimmte jedoch Streichungen beim Arbeitslosengeld II zu. Auch bei der gesetzlichen Krankenversicherung ist ähnliches zu beobachten gewesen. Welche Änderungen 2011 in Kraft treten, sehen Sie hier im Überblick.

Höhere Krankenversicherungsbeiträge und Sozialabgaben

Ein Blick auf den ersten Gehaltszettel 2011 dürfte so manchem die Stimmung vermiesen: Das Gehalt wird durch höhere Beiträge für Kranken- und Sozialversicherung gemindert. Der Krankenkassenbeitrag für gesetzlich Versicherte steigt von 14,9 auf 15,5 Prozent. Außerdem können von den Krankenkassen ab nächstem Jahr Zusatzbeiträge erhoben werden, die keiner Begrenzung mehr unterliegen. Nur wenn der Zusatzbeitrag über zwei Prozent des Bruttoeinkommens ausmacht, können Versicherte auf Entlastung durch den Sozialausgleich hoffen. Aber auch privat Versicherte müssen sich auf Beitragserhöhungen vorbereiten: Hier liegen die Steigerungen teilweise im zweistelligen Prozentbereich. Arbeitnehmer müssen außerdem eine Erhöhung ihres Beitrags zur Arbeitslosenversicherung von 2,8 auf 3,0 Prozent hinnehmen.

Weniger Netto und Unterhalt für Familien, neues Register für Testamente

Deutsche Familien trifft nicht nur die Erhöhung der Sozialabgaben, sondern auch Kürzungen der Zahlungen bei Hartz IV, dem Wohngeld und Elterngeld. Scheidungskindern steht außerdem ab sofort weniger Unterhalt zu, da unterhaltspflichtigen Vätern und Müttern ein höheres Existenzminimum zugesprochen wird. Das wird in der ab Januar geltenden Düsseldorfer Tabelle geregelt. Im nächsten Jahr sollen auch Besuchsregeln für Eltern, die getrennt leben, und ihre Kinder angepasst werden, da das Bundesverfassungsgericht und der Europäische Gerichtshof für Menschenrecht diese für rechtswidrig erklärt hatte. Die Reform wird im ersten Halbjahr 2011 erwartet.

Außerdem startet 2011 ein neues elektronische Register für Testamente, womit sich ab Anfang 2012 Erben leichter ermitteln lassen sollen. Dazu werden zukünftig Daten, die beim Notar in Testamenten oder Erbverträgen beurkundet oder beim Amtsgericht hinterlegt wurden, bei der Bundesnotarkammer zentral abgespeichert.

Flüge werden teurer, der Verbraucherschutz besser

Bei Langstreckenflügen, wie z.B. in die USA oder nach Australien, müssen ab 2011 bis zu 45 Euro mehr bezahlt werden. Flüge im Inland werden um acht Euro teurer. Diese Steigerungen kommen durch die neue Luftverkehrsabgabe zustande, die von den Fluggesellschaften an die Kunden weitergegeben werden dürfen. Hingegen verbessert sich der Verbraucherschutz beim Time-Sharing: Wer sich in eine Ferienanlage dauerhaft einkaufen will, kann alle Verträge binnen zwei Wochen ab Abschluss widerrufen. Auch beim mobilen Telefonieren und Surfen im Ausland soll der Verbraucherschutz verbessert und die Preise gesenkt werden. Bereits seit Anfang Juli dieses Jahres dürfen abgehende Gespräche in der EU maximal 46 Cent kosten, ankommende Gespräche nicht über 18 Cent und SMS höchstens 13 Cent. Bis Ende Juni 2011 wird von der EU-Kommission überprüft, ob dadurch wirklich das Kostenrisiko für Verbraucher reduziert wird - ansonsten werden die Preise möglicherweise erneut gesenkt.

Weniger Zuschuss und teure Strafzettel für Autofahrer

Autofahrern stehen 2011 zahlreiche Änderungen bevor: Teenager haben die Möglichkeit, ihren Führerschein bereits mit 17 zu erwerben und Strafzettel aus dem Ausland sollten ab sofort ernst genommen werden. Im Winter sind Sommerreifen bei Schnee und Glatteis verboten und Neuwagen werden serienmäßig mit Tagesfahrlicht ausgestattet. Außerdem wird es an Tankstellen zukünftig neuen Kraftstoff geben und Diesel-Umrüster müssen ab sofort auf den Zuschuss verzichten.

Steuervorteile kehren zurück, Raucher zahlen drauf

Aufgrund der angespannten Haushaltslage besteht keine Möglichkeit für große Steuerentlastungen. Trotzdem treten ab Januar 2011 einige frühere Steuervorteile wieder in Kraft. Beispielsweise können die Kosten für ein Arbeitszimmer im Wohnraum wieder steuermindernd angesetzt werden, oftmals sogar rückwirkend ab 2007. Mitte 2010 war das generelle Abzugsverbot vom Bundesverfassungsgericht gekippt worden. Demnach können Miete und Nebenkosten für das häusliche Arbeitszimmer bis höchstens 1250 Euro als Werbungskosten abgesetzt werden, wenn kein alternativer Arbeitsplatz verfügbar ist. Von Lehrern können laut Bundesfinanzhof auch wieder mehr Bücher abgesetzt werden.

Für Raucher wird es ab Mai 2011 teurer. Die Tabaksteuer soll bis zum Jahr 2015 schrittweise auf insgesamt 40 Cent pro Schachtel erhöht werden. Im Mai wird dazu die 19-Stück-Schachtel in einem ersten Schritt um bis zu acht Cent teurer. Wer seine Zigaretten selber dreht, muss ebenfalls mit einer Erhöhung von zwölf bis 14 Cent pro Beutel rechnen. Außerdem verlieren Filtercigarillos ihren steuerlichen Vorteil, auch sie werden dann teurer.

Mehr Arbeitskräfte aus Osteuropa

Im Mai nächsten Jahres treten neue EU-Vorschriften in Kraft, durch die mehr ausländische Arbeitskräfte auf den deutschen Arbeitsmarkt drängen werden. Am 30. April läuft die Beschränkung für Arbeiter aus Estland, Polen, Lettland, Slowakei, Litauen, Ungarn und Tschechien aus. Danach hat jeder, der in Deutschland arbeitet, Anspruch auf den - sofern vorhandenen - üblichen Mindestlohn und Urlaub. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rechnet mit einem Anstieg der Arbeitskräfte um etwa 100 000 aus Osteuropa. Besonders die deutsche Bauindustrie fürchtet die Billig-Konkurrenz aus dem Ausland.

Der Chef der Bundesvereinigung Bauwirtschaft erklärt, dass ausländische Unternehmen zwar deutsche Mindestlöhne und tariflich geregelten Urlaub sicherstellen müssen, die Höhe der Sozialleistungen und die Steuerpflicht sich jedoch nach den Regelungen des Heimatlandes richtet, die dort meist deutlich geringer ausfällt. Vom Bundesrat wurde schon ein Gesetzesentwurf vorgebracht, nach dem wenigstens 8,50 Euro pro Stunde gezahlt werden müssten, ähnlich wie bei den Pflegekräften. Der Gesetzesvorschlag muss jedoch noch durch den Bundestag.

Neue Absicherung für den Euro-Raum

Spanien und Portugal werden als Anwärter für den Euro-Rettungsschirm gesehen. Die europäischen Regierungen sind sich sicher, dass ein neuer Rettungsschirm notwendig sein wird. Kurz vor Weihnachten wurde eine Einigung auf eine dauerhafte Etablierung erzielt, wenn der derzeitige Rettungsfonds 2013 ausläuft. Bei den nächsten Gesprächen wird auch Estland dabei sein, das zum 1. Januar den Euro einführt.

Mehr Sicherheit für Anleger

Falls es in Zukunft wieder zu Finanzkrisen kommen sollte, wurde die deutsche Einlagensicherung von 50 000 auf 100 000 Euro je Anleger erhöht. Mit einem staatlichen Rettungsfonds soll außerdem Banken geholfen werden, wieder auf die Beine zu kommen und durch ein spezielles Sanierungsverfahren sollen Szenarien um Pleitebanken wie der HRE vermieden werden.

Abschaffung der Wehrpflicht

Ab Sommer 2011 wird es nur noch Freiwillige in deutschen Kasernen geben. Die Zahl der Bundeswehrsoldaten sinkt um ein Viertel auf 185 000, davon 170 000 Berufs- und Zeitsoldaten und 15 000 Freiwillige. Das Bundeskabinett stimmte der größten Reform der Bundeswehr seit ihrem Bestehen zu und schafft damit die Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 ab.

Schon ab März müssen männliche Jugendliche keinen Antrag auf Verweigerung mehr stellen. Die allgemeine Wehrpflicht, die im Grundgesetz festgeschrieben ist, bleibt jedoch bestehen - im Verteidigungsfall tritt sie automatisch wieder in Kraft. Der Wehrdienst für Freiwillige beträgt zwischen 12 und 23 Monate. Eine weitere Neuerung: Beim freiwilligen Wehrdienst gibt es ebenfalls wie in der freien Wirtschaft eine sechsmonatige Probezeit.

Höhere Strompreise

2011 werden die Strompreise um bis zu 14,4 Prozent angehoben. Ursache ist die Ökostrom-Umlage für Energieunternehmen, die um über 70 Prozent auf 3,5 Cent pro Kilowattstunde zunimmt. Mehr als hundert Energieversorger erhöhen aufgrund dessen ihre Preise.

Höhere Steuern auf Grunderwerb

Kaufen liegt im Trend. Viele Bundesländer erhöhen daher ab 2011 den Steuersatz auf Grunderwerb. Auch der Besitz von Immobilien könnte dann teurer werden; es existieren bereits zwei Vorschläge zur Reform der Grundsteuer.

Wer seinen Strom umweltbewusst durch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach erzeugt, muss mit niedrigeren Vergütungssätzen rechnen. In Hamburg und Schleswig-Holstein werden ab nächstem Jahr Rauchmelder auch in privaten Wohnungen Pflicht. Außerdem soll 2011 eine Änderung des Mietrechts beschlossen werden, das Rechte und Pflichten bezüglich Sanierungen neu festlegen soll.

Neue Energie-Siegel und Warnhinweise für Verbraucher

Beim Kauf von neuen Haushaltsgeräten stoßen Verbraucher seit Dezember auf etwas geänderte Energie-Siegel an Waschmaschine, Kühlschrank und Geschirrspüler. Zwar bleibt die Aufteilung von A (sparsam) bis D (Energiefresser) erhalten, die Klasse A wird aber noch weiter aufgeteilt. Auch TV-Geräte können nun energie-belabelt werden. Die Labels müssen verpflichtend zwar erst 2012 angebracht werden, Hersteller dürfen sie jedoch auch schon vorher verwenden.

Zudem soll ein neues Warnzeichen bei Wasch- und Putzmitteln eingeführt werden: das rot-umrandete Ausrufungszeichen soll das Andreas-Kreuz auf orangefarbenem Grund bei der Kennzeichnung von reizenden Stoffen ersetzen. Die EU schreibt außerdem die Anbringung eines Hinweises vor, wie die Substanzen genau wirken. Eine weitere Neuerung im Verbraucherschutz ist die Kennzeichnung von Fischwaren und Meeresfrüchten hinsichtlich ihres Transports. Hier muss beim Verkauf angegeben werden, ob der Fisch gefroren transportiert wurde oder ob er wirklich frisch verkauft wird. Beim beliebtesten Kantinenfisch Deutschlands sollte an der Fischtheke dann der zusätzliche Hinweis "Pangasius (gefroren)" stehen.

(Quelle: focus.de)

(Bild: © guukaa - Fotolia.com)