6 steuerliche Fehlerquellen von Existenzgründern

Veröffentlicht am 3. November 2010 in der Kategorie Finanzen & Steuern von

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Existenzgründer begehen in der Anfangszeit häufig steuerliche Fehler, die sich im Nachhinein nur schwer korrigieren lassen. Hier finden sie sechs typische steuerliche Fehlerquellen von Gründern.

Der Steuerberater Uwe Riediger von der Steuerberatungsgesellschaft Steueragenten.de erläutert auf dem Gründer-Portal gruenderszene.de die häufigsten Steuerfehler von Gründern:

Fehlerquelle 1: Buchführung

Klären Sie vor der Buchführung alle wesentlichen Sachverhalte und unterscheiden Sie zunächst nach den jeweiligen Steuerarten: Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer, Einkommensteuer.

Überlassen Sie das Kontieren und Verbuchen von Belegen am besten einem Experten, falls Sie selbst nicht firm darin sind. Sonst drohen Steuernachzahlungen im Rahmen einer Betriebsprüfung – etwa wenn Sie die Umsatzsteuer zu spät, zu wenig oder gar nicht an das Finanzamt abführen.

Fehlerquelle 2: Gründungsaufwendungen

Als Gründer können Sie Kosten aus der Phase vor der eigentlichen Unternehmensgründung steuerlich berücksichtigten. So mindern Sie mit Betreibsausgaben den späteren Gewinn, etwa Kosten für Berater, Fach-Literatur, Geschäftsreisen oder Bewirtungskosten.

Achten Sie darum genau auf die Phasen bei der GmbH-Gründung: Vorgründungsgesellschaft (vor Abschluss des Gesellschaftsvertrags), Vorgesellschaft (mit dem Abschluss des Gesellschaftsvertrags) und GmbH (mit Eintragung in das Handelsregister).

Fehlerquelle 3: Wahl der Rechtsform

Die Wahl der Rechtsform ist steuerlich unter anderem maßgeblich für die Steuerarten. So müssen Kapitalgesellschaften in der Regel Gewerbe- und Körperschaftssteuer entrichten. Dagegen bezahlen Personengesellschaften (GbR, OHG, KG) und Einzelunternehmen Gewerbe- und Einkommensteuern.

Achten Sie auf die Details: Wichtiger als die Gesamtsteuerbelastung ist oft der Liquiditätseffekt von Steuerzahlungen, die dem Unternehmen abfließen. Wenn Sie etwa eine GmbH gründen, müssen Sie dem Geschäftsführer ein Geschäftsführergehalt bezahlen. Dafür muss die GmbH Lohnsteuer abführen – auch im Falle von Verlusten in den harten Anfangsjahren.

Fehlerquelle 4: Steuervorauszahlungen

Immer wieder leisten Gründer zu niedrige Steuervorauszahlungen – oft aus Angst vor mangelnder Liquidität. Aber Vorsicht: Hohe Steuernachzahlungen können insbesondere Personengesellschaften schnell in eine finanzielle Schieflage bringen.

Fehlerquelle 5: Verträge mit Verwandten

Oft erhalten Gründer in der Anfangsphase von Familienmitgliedern finanzielle Unterstützung. Diese kann steuerwirksam berücksichtigt werden, wenn dafür ein inhaltlich üblicher Vertrag aufgesetzt wird – und auch tatsächlich durchgeführt wird. Die steuerliche Berücksichtigung kommt zum Beispiel für Arbeitsleistungen, Darlehen oder Überlassung von Gegenständen in Frage.

Fehlerquelle 6: Umsatzsteuer

Achten Sie genau auf die Voraussetzungen, unter denen Sie die Vorsteuer aus Eingangsrechnungen in Anspruch nehmen können. Diese sind im Umsatzsteuergesetz  geregelt.

So müssen Sie beispielsweise für Rechnungsbeträge über 150 Euro zwingend die Namen des Leistungsempfängers und des Leistungserbringers auf der Rechnung vermerken. Ist die Umsatzsteuer auf einer Eingangsrechnung nicht ausgewiesen, kann sie auch nicht als Vorsteuer abgezogen werden.

Elektronische Rechnungen benötigen für den Vorsteuerabzug zwingend eine digitale Signatur. Bestehen Sie bei nicht signierten Rechnungen auf die Übersendung der Originalrechnung per Post.

Die Umsatzsteuer hat direkte Auswirkungen auf die Liquidität Ihres Unternehmens. Oft beantragen Firmen beispielsweise die so genannte Dauerfristverlängerung, um ihre Umsatzsteuervoranmeldung erst einen Monat später beim Finanzamt einzureichen. Dann werden aber auch die Vorsteuerbeträge aus Einkaufsrechnungen später erstattet, die gerade bei Investitionen in der Anfangsphase hoch sein können. (uqrl)

www.gruenderszene.de

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