Beteiligungsfinanzierer investieren trotz Krise – Bayern attraktiver als Norddeutschland

Veröffentlicht am 12. Mai 2009 in der Kategorie Finanzen & Steuern von

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Mehr als 90 Prozent der Mittelständler bewerten das Finanzierungsverhalten der Banken als restriktiver als vor der Finanzkrise. Dagegen haben deutsche Beteiligungsunternehmen nach wie vor die Mittel, um den Eigenkapitalbedarf der mittelständischen Wirtschaft zu bedienen.

Das ist ein Ergebnis einer Studie des Beratungshauses Rödl & Partner unter 300 Beteiligungsgesellschaften in Deutschland, die vorrangig im Mittelstand investieren. Demnach planen fast 60 Prozent der Finanzierer drei bis fünf neue Engagements in diesem Jahr.

Investiert werde vor allem in den Branchen Umwelt, Medizin und Pharma bzw. Biotechnologie. Attraktiv seien aber auch der Maschinen- und Anlagenbau, der Bereich Telekommunikation bzw. IT und die Elektrotechnik. Bau und Handwerk, Textil, Nahrungs- und Genussmittel, der Handel sowie der Fahrzeugbau seien dagegen aus dem Interessenfokus der Investoren gerückt.

Investitionsstandorte: Starkes Süd-Nord-Gefälle

Bei den fünf stärksten Investitionsstandorten ergebe sich ein starkes Süd-Nord-Gefälle:  Bayern gelte als attraktivster Standort (34 Prozent), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (27 Prozent) und Baden-Württemberg (22 Prozent). In Ostdeutschland punkte lediglich der Wirtschaftsraum Berlin (7 Prozent). Die norddeutschen Bundesländer rangierten ausnahmslos am Ende des Rankings.

Als wichtigsten Grund für die Inanspruchnahme von Beteiligungskapital nannten 56 Prozent der Unternehmen laut Studie, unabhängiger von Banken zu sein. 30 Prozent lösten die Nachfolge über die Aufnahme eines Finanzinvestors. Fast ein Drittel der Gesellschaften strebe heute eine Beteiligungsdauer von drei bis sechs Jahren an. Im Vorjahr seien es nur 19 Prozent gewesen.

Björn Stübiger, Leiter Corporate Finance bei Rödl & Partner: ´Die restriktive Kreditvergabe der Banken treibt die mittelständische Wirtschaft in die Arme der Finanzinvestoren. Wenn es diesen gelingt, ihre Reputation weiter zu verbessern, werden Private-Equity-Investitionen bald zum Normalfall.´

Im Zuge der Finanzkrise seien nach Meinung von 88 Prozent der Befragten die Unternehmenswerte gesunken. Dadurch könnten sogar zusätzliche Engagements möglich werden, weil unverändert hohe Mittel für Investitionen in die mittelständische Wirtschaft zur Verfügung stehen.

Die Finanzkrise zeige jedoch auch negative Auswirkungen auf die Beteiligungshäuser: Fast 70 Prozent der Investoren fänden es momentan grundsätzlich problematisch, Kapital einzuwerben. (uqrl)

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