Kapitalbeschaffung durch Factoring: Neuer Trend oder altbekannte Finanzierungsmethode?

Veröffentlicht am 23. März 2009 in der Kategorie Finanzen & Steuern von

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Factoring ist nichts anderes als der Verkauf der bestehenden Forderungen an ein drittes Unternehmen. Das Prinzip dahinter ist nichts, was in den letzten 1000 Jahren erfunden worden wäre. Nehmen wir das Beispiel eines antiken Warenhändlers: Zunächst benötigt dieser Kaufmann finanzielle Mittel um Waren an einem Ort zu kaufen. Von seinem späteren Abnehmer erhält der Kaufmann jedoch nur eine Anzahlung und er muss das gesamte Geschäft vorfinanzieren.

Genau in diese Lücke treten Factoring-Dienstleister, welche dem Händler auf der Stelle die Forderung gegen einen gewissen Risikoabschlag abkaufen.

USA in der Vorreiterrolle

In Deutschland wird Factoring als Instrument der Zwischenfinanzierung seit Ende der 50er Jahre Jahren genutzt. In den USA wurden nach dem 2. Weltkrieg die ersten Factoring-Firmen gegründet, deren Kunden oft europäische Textilhändler waren.

Aufgrund fehlender Kommunikationsmöglichkeiten bzgl. Bonitätsauskünften war es besonders für diese Händler wichtig, das Risiko des Forderungsausfalls ihrer amerikanischen Kunden zu minimieren.

Die Anfänge des Factoring-Geschäfts datieren auf den Zeitraum Ende der 50er bis Anfang der 70er Jahre.

Jedoch haftete Factoring in Deutschland lange Zeit ein negatives Image an, da Kunden den Forderungsverkauf bzw. die Forderungsabtretung als Zeichen für eine schlechte Bonität des faktorierten Unternehmens ansahen.

Im Juli 1974 kam es dann zur Gründung einer deutschlandweiten Interessensvereinigung von Factoring-Firmen, die den Deutschen Factoring Verband ins Leben riefen. Ende der 70er Jahre fällte der Bundesgerichtshof zwei Grundsatzurteile, die bis dato mit Factoring verbundene Rechtsunsicherheit aufhoben, und ebneten so Factoring den Weg hin zu einer allgemeinen Akzeptanz in der Wirtschaftsbranche.

Rasante Entwicklung der Branche seit dem neuen Jahrtausend

Seit dem Jahr 2000 verzeichnet die Factoring-Branche einen signifikanten Anstieg der Nachfrage. So erhöhte sich der kumulierte Umsatz von faktorierten Firmen von 23,5 Milliarden Euro (2000) auf 72 Milliarden Euro (2006). Die anhaltende Finanzkrise und die damit verbundenen zunehmenden Liquiditätsengpässe lassen die Factoring-Branche eine Boomphase erleben.

Allerdings ist der prozentuale Anteil der faktorierten Firmen am Bruttoinlandsprodukt in Deutschland weniger als halb so hoch wie in England. Außerdem weisen insbesondere mittelständische Unternehmen noch Nachholbedarf auf, da hier Factoring erst eine geringe Marktdurchdringung besitzt. Insofern gehen Experten von weiterhin hohen Wachstumsraten in der Factoring-Branche aus.

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