Die Banken und der Mittelstand: Aufschwung oder Kreditklemme?

Veröffentlicht am 27. Mai 2010 in der Kategorie Finanzen & Steuern von

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Kreditklemme: Ja oder nein?!

Angesichts meines beruflichen Hintergrundes werde ich zurzeit sehr oft gefragt, ob wir denn nun eine Kreditklemme haben oder nicht. Ja oder nein ist da nicht so einfach. Zunächst ist zu betrachten, dass nahezu alle Banken in den letzten Jahren durch die Finanzkrise massiv gelitten und Eigenkapital eingebüßt haben. Eigenkapital aber ist die zentrale Bemessungsgröße für die Vergabe von Krediten. Zwar behaupten immer wieder die Sparkassen und auch die Volksbanken, sie seien unbeschadet durch die Krise gekommen. Dies ist bei genauerer Betrachtung jedoch allenfalls in Einzelfällen richtig.

Die Situation der Sparkassen, Landesbanken und Volksbanken

Die Sparkassen haben im Wesentlichen sowohl in ihren eigenen Geldanlagen vor allem aber bei ihren Landesbankbeteiligungen Verluste hinnehmen müssen. Diese haben in vielen Fällen das Eigenkapital reduziert. Von den bayrischen Sparkassen etwa war vor kurzem zu lesen, dass diese 1 Mrd. € auf die BayernLB abschreiben mussten. Ähnlich dürfte es den Sparkassen in NRW, in Baden-Württemberg und in Schleswig Holstein ergangen sein. Selbst wenn einige Sparkassen dadurch nicht in die Verlustzone geraten sind, so fehlt doch die durch die Abschreibung ausgefallene Gewinnzuführung im Eigenkapitalpolster.

Die Landesbanken dürften auch in naher Zukunft ein Kernproblem der Sparkassenorganisation darstellen, kommt doch ihre notwendige Neuordnung aufgrund vielfältiger Gründe nur sehr langsam voran. Als Finanzierungspartner sind sie jedenfalls für den großvolumigen Mittelstand momentan kaum noch wahrnehmbar, so dass hier jedenfalls eine klare Finanzierungslücke entstanden ist.

Auch die Volksbanken sind keineswegs gänzlich unbeschadet durch die Finanzkrise gekommen, wurden aber wohl am wenigstens belastet. Allerdings mussten auch die Genossen sich an Kapitalaufstockungen ihres Spitzeninstitutes beteiligen und haben in den Eigenanlagen die gleichen Abwertungen zu verkraften gehabt. Die meisten Volksbanken durften aber schlicht zu klein gewesen sein, um größere Volumina in den Büchern gehabt zu haben, die in der Finanzkrise extrem abgewertet wurden. Für die Bereitstellung der notwendigen Kredite für einen nachhaltigen Aufschwung reichen jedoch die Möglichkeiten der Volksbanken keinesfalls aus.

Die massiven Auswirkungen der Finanzkrise auf die Geschäftsbanken wurden in der Öffentlichkeit hinreichend thematisiert und haben in diversen Fällen zur (Teil-) Verstaatlichung der Institute geführt. Mit den direkten Auswirkungen der Finanzkrise wird jedoch nur ein Teil der Auswirkungen auf die Banken abgedeckt.

Weitere Belastungen der Banken

Angesichts der entstandenen Wirtschaftskrise stehen den Banken erhebliche weitere Belastungen in Form von Kreditausfällen und Wertberichtigungen im Kreditgeschäft bevor, die heute nach gar nicht beziffert werden können.

Steigende Insolvenzzahlen, wie sie in Rezessionen normal sind, treffen die Banken immer mit einiger Verzögerung, so dass die größten Auswirkungen auf die Banken in den Bilanzen der Geschäftsjahre 2010-12 zu erwarten sind. Alle Banken haben zwangsläufig damit in diesen Jahren den Fokus auf Risikoreduzierung im vorhandenen Kreditbestand und gehen besonders vorsichtig an die Beurteilung neuer zusätzlicher Risiken heran. Auch die Gewinnplanung der Institute zwingt dazu höhere Wertberichtigungen einzuplanen, so dass nur weniger Eigenkapitalzuführung möglich sein wird, was zusätzliche Kreditvergabespielräume einschränkt.

Der DSGV hat vorsichtshalber auch schon mal öffentlich angekündigt, dass die Sparkassen in 2010 höhere Kreditabschreibungen erwarten (Handelsblatt 21.01.2010).

Zwischenfazit:

Alle Kreditinstitute sind tendenziell geschwächt aus der Finanzkrise hervorgegangen. Zudem stehen sie vor deutlich höheren Wertberichtigungen und Kreditausfällen als Folge der Wirtschaftskrise. Beides deutet eindeutig auf ein eher restriktives Kreditvergabeverhalten der Banken hin, was aktuell auch am Markt zu beobachten ist. „Das Neukreditgeschäft der Banken schrumpft im Rekordtempo“ lautet denn auch eine Überschrift im Handelsblatt vom 12.05.2010. Dort wird für das erste Quartal ein Rekordminus von 30% angegeben.

Doch keine Kreditklemme?

Pauschal kann man wohl trotz allem nicht von einer Kreditklemme sprechen, da gerade im kleinvolumigen Bereich ausreichendes Angebot vorhanden ist. Im Bereich der großvolumigen Millionenfinanzierungen, in dem insbesondere die Landesbanken fast vollständig als Kreditgeber ausfallen, liegt m.E. definitiv eine Kreditklemme vor. Viele Projekte und Investitionen von Mittelständlern, mit zweistelligen Millionenbeträgen sind am Markt nicht zu finanzieren. Das Problem der Kreditklemme ist zweifelsohne ein differenziertes, gelöst ist es allerdings keinesfalls.

Die Situation der Banken ist übrigens nicht die einzige Schwierigkeit, die es aktuell bei der Kreditgewährung zu überwinden gilt. Das Ratingsystem der Banken an sich stellt aktuell ein großes Problem dar. Schlechtere Ratings vs. steigender Finanzierungsbedarf, das passt eigentlich nicht zusammen. Die Zusammenhänge hierzu und was Sie tun können, erläutere ich im zweiten Teil dieser Reihe.

Und was halten Sie davon?

Denken Sie es gibt momentan eine Kreditklemme für den Mittelstand? Wie empfinden Sie diese?

(Bild: ©  Falko Matte – fotolia.com)