Finanzen: Sparen heißt nicht Kosten kürzen (Teil I)

Veröffentlicht am 17. November 2008 in der Kategorie Finanzen & Steuern von

Themen: ,

© Baltazar #7346856Die Rezession ist da und überall weht ein kühler Wind der Angst durch die Unternehmensflure. Die Unternehmen verhängen Ausgabensperren, um Kosten zu kürzen. Denn wenn die Kosten höher sind als die Umsätze, dann schreibt das Unternehmen Verluste. Und das geht nur so lange gut, bis das Eigenkapital aufgebraucht ist.

Dieses Notprogramm kennen wir, seit es Unternehmen und Konjunkturabschwünge gibt. Vielen scheint dabei nur nicht immer klar zu sein, was sie tun. Denn so manches Unternehmen sparte sich so klein, dass sich die Kunden den Auftrag sparen.

Dabei können wir auch so sparen, dass es die Leistungsfähigkeit des Unternehmens nicht oder kaum einschränkt. Dabei kommt es lediglich auf den richtigen Ansatzpunkt an.

Der richtige Ansatzpunkt

Denn es gibt eine Unterscheidung in den Kosten, die wir in keinem betriebswirtschaftlichen Standardwerk finden, die uns das Sparen erleichtert:

  • 1. Kosten, die zu Mehrwerten führen.
  • 2. Kosten, die dem Unternehmen keinen Mehrwert bringen.

Viele Entscheider nicken erst einmal heftig und zustimmend mit dem Kopf und werden dann nachdenklich. Denn wie kann es sein, dass wir Kosten im Unternehmen haben, die keinen Mehrwert bringen?

Die Ursache

Es liegt in der Natur einer durchschnittlichen Entscheidung. Denn betrachten wir nachträglich die darüber ausgewählte Lösung für ein Problem, stellen wir oft fest: Etwa 60 Prozent der Lösung decken unseren tatsächlichen Bedarf ab und 40 Prozent der Lösung sind fremden Einflüssen zuzuschreiben. Sie leisten keinerlei Mehrwert für das Unternehmen.

Denn viele Entscheider kennen den eigenen Bedarf bestenfalls ungefähr und orientieren sich lieber an schnell verfügbaren Lösungen. Denken Sie einmal über den  Kauf Ihres Handys nach. Wie viele Funktionen haben Sie bezahlt, die Sie heute gar nicht nutzen? Oder wie war das bei Ihrem Autokauf? Kennen Sie wirklich alle Extras, die Sie bezahlt haben? Wovon hatten Sie nachträglich besehen einen Nutzen?

Damit haben wir potentiell in jeder Entscheidung 40 Prozent Verschwendung und da wir unseren Bedarf vermutlich auch nicht zu 100 Prozent gedeckt haben, werden wir in der Zukunft noch weitere Entscheidungen treffen müssen, die vermutlich ebenso ineffektiv sind, wie die erste.

Spüren Sie die Fehler der Vergangenheit auf

Die gute Nachricht ist, wir können den Bereich der fremden Einflüsse begrenzen und bedarfsgerechte Entscheidungen treffen. Die schlechte Nachricht: Wenn wir in einer Rezession schnelle Einsparungen realisieren wollen, dann müssen wir sämtliche Entscheidungen der Vergangenheit auf den Prüfstand stellen. Das macht niemand gerne.

Denn damit setzten wir uns möglicherweise auf die Liste des potentiell frei zu setzenden Personals. Schlimmer ist es allerdings, wenn ein Sparfuchs von außen kommen muss. Denn der spürt die Verschwendung für teures Geld auf und dann ist unser Kopf erst recht in Gefahr!

Sparen Sie mit bedarfsgerechten Entscheidungen

Richtig spannend wird es aber für unsere zukünftigen Entscheidungen. Denn auch wenn unser Budget jetzt gekürzt wurde, können wir sparen, ohne Opfer bringen zu müssen. Wir müssen lediglich konsequent fremde Einflüsse aus unseren Entscheidungen heraus halten und bedarfsgerecht entscheiden.

Die einzelne Lösung könnte dann potentiell bis zu 40 Prozent preiswerter ausfallen, ohne dass wir damit das Ergebnis beeinträchtigen! Natürlich entsprechen unsere Entscheidungen nicht immer dem Durchschnitt. Manche entscheiden bedarfsgerechter als andere.

Allerdings geht es nicht nur um die Entscheidungen von Spitzenentscheidern, sondern auch von jedem Mitarbeiter in der Verwaltung, der gewisse Entscheidungsspielräume zur Verfügung hat. Statistik greift immer dann, wenn es um große Zahlen geht. Der Einzelne weicht naturgemäß ab, aber die große Masse bestätigt die Statistik.

Ein Experiment

Machen Sie doch einmal selbst das Experiment. Nehmen Sie sich eine beliebige Entscheidung aus den Bereichen Personal, Marketing, Einkauf, Produktion, Vertrieb oder Service und überlegen Sie sich, wie bedarfsgerecht die jeweils gewählte Lösung war.

Sie haben beispielsweise einen Ingenieur eingestellt, der vielleicht umfangreiche Auslandserfahrung gesammelt hat. Aber Ihr Unternehmen ist gar nicht systematisch auf Auslandsmärkten vertreten. Kein Problem, möchte man denken, aber wir bezahlen für diese nicht genutzten Qualifikationen.

Denn eine andere Firma sucht genau so jemanden. Daher müssen wir ein Einkommen auf Wettbewerbsniveau zahlen. Natürlich könnte es sein, dass wir in der Zukunft diese Qualifikationen suchen.

Aber rechtfertigt das, über Jahre eine ungenutzte Leistung mitzubezahlen?
Seien Sie gespannt, was Ihr Experiment für Ergebnisse zutage fördert und schreiben Sie mir unter direkt@entscheidercoach.de.

Fortsetzung folgt

Wie wir unseren eigenen Bedarf auf einfache Weise selbst bestimmen können, erfahren Sie in Teil II dieses Artikels, den ich in KW 48 veröffentlichen werde.

© Der Entscheidercoach Kai-Jürgen Lietz

(Bild: © Baltazar - Fotolia.de)