Arbeitslosigkeit, Krankheit, Pleite: So vermeiden Sie eine Überschuldung!

Veröffentlicht am 15. Januar 2012 in der Kategorie Finanzen & Steuern von

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Bank- und InsolvenzrechtIn Deutschland sind zahllose Privathaushalte überschuldet. Die Gründe sind mannigfaltig. Vielen kann man sich kaum entziehen. Folglich gilt: Vermeiden, was sich vermeiden lässt und für alle möglichen Eventualitäten gewappnet sein.

Zur Anzahl der verschuldeten Privathaushalte der Bundesrepublik existieren keine genauen Zahlen. Dem statistischen Bundesamt liegen ausschließlich die anonymisierten Daten von 236 (von insgesamt circa 950) Schuldnerberatungsstellen vor. Diese haben die Angaben von 74.400 beratenen Personen mit deren Einwilligung weitergereicht. Bei den Betroffenen war Arbeitslosigkeit mit 28 Prozent der häufigste Auslöser für Überschuldung. Danach kamen Schicksalsschläge (Todessfall in der Familie, Ehescheidung, etc.) mit 14 Prozent, Krankheiten mit elf, unwirtschaftlicher Haushaltsführung mit zehn und gescheiterter Selbstständigkeit mit neun Prozent (siehe Grafik).
Im Folgenden sind den Ursachen der Überschuldung Vermeidungsstrategien zugeordnet.

Krankheit, Arbeitslosigkeit, Schicksalsschlag: Gründe für Schulden

Datenquelle: statistisches Bundesamt, Versuchsjahr 2009

Überschuldung durch Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit kann alle treffen. Einzelne können jedoch individuelle Maßnahmen ergreifen, wie sich nach anderen Stellen umsehen, wenn die Firma Rationalisierungen plant, Überforderungen vermeiden etc. Zudem empfehlen sich die Absicherungen des nächsten Absatzes. Die Arbeitslosenversicherung der Bundesagentur für Arbeit ist nämlich wenig hilfreich: Im Ernstfall sind die Versicherten ebenso der Behörde verpflichtet wie Arbeitslose ohne diese Versicherung und viel mehr Geld erhalten sie auch nicht.

Schicksalsschläge und Erkrankungen als Ursache für Überschuldung

Diese Faktoren lassen sich noch weniger abwenden, als Arbeitslosigkeit und können sie zur Folge haben. Insofern es das Budget erlaubt, ist ein umfassender Versicherungsschutz nicht verkehrt.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist für Selbstständige und Freiberufler geradezu unverzichtbar, da sie im Ernstfall leer ausgehen. Aber auch Angestellte sollten nicht darauf verzichten, da der Berufsschutz 2001 abgeschafft wurde. Falls sie ihren Qualifikationsberuf nicht mehr ausführen können, erhalten sie allenfalls eine geringfügige Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung (die volle Erwerbsminderung wird fast nie anerkannt). Überdies können sie auf jede beliebige Tätigkeit verwiesen werden. Die zugewiesenen Beschäftigungen liegen meist unterhalb der Qualifikation und sind demnach geringer honoriert (= negativ für die Altersrente).

Es existiert zudem eine private Erwerbsunfähigkeitsversicherung, deren Rentenhöhe die Versicherungsnehmer zum Teil mitbestimmen können. Ebenso wie die gesetzliche Rentenkasse zahlt diese Versicherung, sobald die Versicherten durch keinerlei Tätigkeit ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Desgleichen vermag sie auf alle erdenklichen Jobs zu verweisen.

Geld sparen statt verschenken

Nach einer Studie von Udo Keßler, bei der sich der Finanzexperte auf Daten der Frankfurter FMH-Finanzberatung und der Deutschen Bundesbank bezieht, verschenken Menschen in Deutschland bis zu 4,3 Milliarden Euro. Circa jeder sechste Bundesbürger überzieht sein Girokonto, ungeachtet der immensen Dispozinsen. Dabei gibt es schon recht günstige Konsumentenkredite. Außerdem schlummern knapp 199,7 Milliarden Euro auf dürftig bis gar nicht verzinsten Girokonten, während das Geld sich beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto vermehren könnte.

Nichts überstürzen bei der Selbstständigkeit

Existenzgründung ist eine tolle Sache, insofern die Gründer über das erforderliche Know-how verfügen. Wenn sie die Selbstständigkeit Schritt für Schritt aufzubauen, kommt ihre Zahlungsfähigkeit nicht abhanden. Außerdem gilt (wie bei jeder größeren Investition): Der Fremdgeld- soll niemals den Eigenkapitalanteil überschreiten. Dadurch sind die Kreditkonditionen günstiger und die Gefahr der Überschuldung ist begrenzt.

Dazu bietet sich eine Restschuldversicherung an. Im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit und Tod der Versicherungsnehmer übernimmt sie die verbleibende Kreditschuld. Unnötig sind hingegen Berufsunfähigkeits- und Lebenspolicen im Kontext mit der Kapitalaufnahme. Sie decken zumeist nur das Risiko im Zusammenhang mit der aufgenommen Summe, nicht das generelle Berufsunfähigkeits- oder Todesfallrisiko. Effizienter sind unabhängige Policen, die den Schuldenausgleich enthalten.

Überschuldung vermeiden bleibt individuell

Überschuldung vermeiden ist nicht einfach, aber Möglichkeiten (hier können nicht alle aufgezeigt werden) sind vorhanden. Diese sollen nicht ungenutzt bleiben. Folglich gilt, für die eigene Lebenssituation die jeweils passenden Strategien zu wählen.

(Bild: © Markus Bormann - Fotolia.com)