Steuer-Ticker 10.11: Aktuelles für Unternehmer

Veröffentlicht am 24. Oktober 2011 in der Kategorie Finanzen & Steuern von

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Steuernews November 2011Die Steuerkanzlei REICHARDT Steuerberatung – Wirtschaftsmediation aus München veröffentlicht in jeder Ausgabe des Fachmagazins “Mittelstand Wissen” Steuernews für den Mittelstand.

Die Themen im Einzelnen: Berechnung der Freigrenze bei Betriebsveranstaltungen +++ Erstausbildung und Erststudium können voll abzugsfähige Werbungskosten sein +++ Praktikumsvergütung kann kindergeldschädlich sein +++ Besteuerung von Rentennachzahlungen

Berechnung der Freigrenze bei Betriebsveranstaltungen

Pünktlich zur bevorstehenden Weihnachtsfeierzeit hat das Finanzgericht Düsseldorf eine Entscheidung erlassen, wie die Freigrenze bei solchen Betriebsveranstaltungen berechnet wird. Grundsätzlich sind Betriebsveranstaltungen betrieblich veranlasste Veranstaltungen mit gesellschaftlichem Charakter, bei denen die Teilnahme allen Beschäftigten der Firma offen steht. Dabei gilt eine sog. Freigrenze von 110 Euro je Arbeitnehmer. Bis zu diesem Betrag unterliegen die Zuwendungen nicht dem Arbeitslohn und sind ebenfalls von der Lohnsteuer befreit. Das Finanzgericht entschied, dass es bei der Berechnung der Freigrenze nicht auf die tatsächlich teilnehmende Personenanzahl sondern den erwarteten Teilnehmerkreis ankommt.

Tipp: Sind bei Betriebsveranstaltungen Gäste und Familienangehörige anwesend, verringert sich die Freigrenze von 110 Euro pro Teilnehmer entsprechend, da deren Kostenanteil dem Arbeitnehmer zuzurechnen ist.

Erstausbildung und Erststudium können voll abzugsfähige Werbungskosten sein

Bisher waren Kosten einer Erstausbildung beziehungsweise eines Erststudiums nur im Rahmen des sogenannten Sonderausgabenabzugs bis zu 4.000 Euro berücksichtigungsfähig. In der Regel wirkten sich dabei die Aufwendungen nicht aus, weil Betroffene nur geringe oder gar keine Einkünfte hatten.

Der Bundesfinanzhof sieht dies nach einer aktuellen Entscheidung anders und lässt den Abzug der Aufwendungen als Werbungskosten zu, wenn die Aufwendungen von den Betroffenen selbst getragen werden und die Ausbildung bzw. das Studium einer späteren Erwerbstätigkeit dient. Hat ein Auszubildender oder Student keine Einkünfte, sollte er für jedes Jahr eine Einkommensteuererklärung abgeben und die Aufwendungen als Werbungskosten geltend machen. Das Finanzamt stellt dann für die jeweiligen Jahre einen Verlustvortrag fest. Diese Verluste werden mit den späteren Einkünften gegengerechnet.

Tipp: Steuerschädlich ist, wenn die Aufwendungen z. B. durch die Eltern getragen werden.

Praktikumsvergütung kann kindergeldschädlich sein

Eine Vergütung für ein Praktikum während des Studiums gehört zu den kindergeldschädlichen Einnahmen. Auch wenn die Wohnung vom Studienort an den Ort des Praktikums verlegt wird, kommt eine Kürzung der Einnahmen um die Kosten für Miete und Verpflegungsmehraufwand nicht in Betracht, wie der Bundesfinanzhof entschieden hat. Ein Abzug des ausbildungsbedingten Mehrbedarfs von den Einkünften und Bezügen des auswärtig untergebrachten Kindes ist grundsätzlich nicht möglich. Der Jahresgrenzbetrag berücksichtigt den erhöhten Lebensbedarf bereits, so das Gericht.

Besteuerung von Rentennachzahlungen

Rentennachzahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung können nicht mit dem Ertragsanteil besteuert werden, auch wenn sie für Jahre vor 2005 gezahlt werden. Die Besteuerung erfolgt mit dem sog. Besteuerungsanteil. Damit bestätigte das oberste Finanzgericht die Verfassungsmäßigkeit der Anwendung des Alterseinkünftegesetzes auf Nachzahlungen einer Rente, deren Beginn vor 2005 liegt. Auch wenn die Verzögerung bei der Auszahlung nicht dem Rentenempfänger sondern der auszahlenden Stelle anzulasten ist, ändert dies nichts an der Beurteilung.

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