Steuer-Ticker 03.11: Aktuelles für Unternehmer

Veröffentlicht am 16. März 2011 in der Kategorie Finanzen & Steuern von

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Die Steuerkanzlei REICHARDT Steuerberatung – Wirtschaftsmediation aus München veröffentlicht in jeder Ausgabe des Fachmagazins “Mittelstand WISSEN” Steuernews für den Mittelstand.

Die Themen im Einzelnen:

Firmenwagen: Tatsächliche Nutzung ist entscheidend +++ ELSTER-Eingabefehler ermöglichen Korrektur von Steuerbescheiden +++ Änderung bei Tank- und Geschenkgutscheinen +++ Lohnsteuerbescheinigungen 2010 teilweise falsch

Firmenwagen: Tatsächliche Nutzung ist entscheidend

Arbeitnehmer, die einen Dienstwagen auch für Privatfahrten nutzen können und dafür kein Entgelt bezahlen, müs­sen monatlich den Privatanteil mit der sog. 1-Prozent-Methode versteuern. Für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ist zudem ein Zuschlag von 0,03% des Bruttolistenpreises an­zusetzen. Das Finanzamt war bisher der Meinung, dass die vollen 0,03% auch dann zu versteuern sind, wenn der Arbeitnehmer tatsächlich nicht den ganzen Monat in den Betrieb fährt. Allerdings war der Bundesfinanzhof bereits im Jahr 2008 der Ansicht, dass die tatsächlich durchgeführten Fahrten für die Berechnung relevant sind. Das Gericht berechnete in diesen Fällen 0,002% des Bruttolistenpreises je Ent­fernungskilometer. Mit einer aktuellen Entscheidung haben die obersten Bun­desrichter aus München ihre bisherige Rechtsprechung bestätigt.

Tipp: Abzuwarten bleibt, wie das Bun­desfinanzministerium auf die neue Entscheidung reagiert. Sprechen Sie im Zweifel mit Ihrem Steuerberater.

ELSTER-Eingabefehler ermöglichen Korrektur von Steuerbescheiden

Steuererklärungen werden vermehrt elektronisch über das vom Bundes­finanzministerium zur Verfügung gestellte ELSTER-Programm erstellt. Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hat im Dezember vergangenen Jahres entschieden, dass ein versäumter Steuervorteil wegen einer Falscheingabe im Programm auch nach Ablauf der Einspruchsfrist geltend gemacht wer­den kann. Voraussetzung ist allerdings, dass der Steuerpflichtige nachweist, dass ihn kein grobes Verschulden an der Falscheingabe trifft.

Tipp: Für eine Geltendmachung muss die Beweisführung relativ eindeutig sein. Im entschiedenen Fall war der Fehler aufgrund einer umständlichen Eingabestelle nicht grob schuldhaft. Die Konsultation eines Steuerberaters kann manchmal günstiger sein, da im Zweifel ein Haftungsanspruch besteht.

Änderung bei Tank- und Ge­schenkgutscheinen

Arbeitgeber können ihren Arbeitneh­mern auf vielfältige Art und Weise un­terstützen. Eine Möglichkeit dazu ist der sog. Sachbezug der bei der Lohnbesteuerung und demnach auch bei der Sozialversicherung außer Betracht bleibt. Voraussetzung ist, dass der Sachbezug 44 EUR im Kalendermonat nicht übersteigt.

Die Finanzverwaltung war bisher sehr restriktiv in ihren Auf­fassungen. Ein Gutschein beispielswei­se über 40 EUR wurde nicht als Sach­bezug sondern als sog. Barlohn aner­kannt, da es sich um einen Eurobetrag handelt. Auch der Bundesfinanzhof sah dies bisher so. Durch drei aktuelle Entscheidungen des Bundesfinanzhofs ist wieder Bewegung in die Angelegen­heit gekommen. Unter anderem hatten Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern das Recht eingeräumt, auf ihre Kosten ge­gen Vorlage einer Tankkarte bis zu dem Höchstbetrag von 44 EUR im Monat bei einer bestimmten Tankstelle zu tan­ken.

In den anderen Fällen ging es um Geschenkgutscheine zum Geburtstag, die ebenfalls bei einer Tankstelle oder bei einer Einzelhandelskette einzulö­sen waren bzw. um Fälle in denen der Arbeitgeber die Kosten erstattete. Ent­scheidend ist die Art des vertraglich zugesagten Anspruchs und nicht die Art und Weise der Erfüllung des An­spruchs, urteilten die Richter.

Tipp: Über die Möglichkeit des Sachbe­zugs können Arbeitnehmern bis zu 528 EUR (44 EUR x 12 Monate) zugewen­det werden. Dabei sparen beide Seiten Geld. Abzuwarten bleibt allerdings, wie auch in diesem Fall die Reaktion des Bundesfinanzministeriums ausfallen wird. Angesichts der drei Entscheidun­gen des Gerichts kann die Verwaltung wohl nur sehr schwer den Richterwil­len ignorieren.

Lohnsteuerbescheinigungen 2010 teilweise falsch

Im Dezember haben Millionen Arbeit­nehmer ihre Lohnsteuerbescheinigung 2010 erhalten. Bei freiwillig in der Krankenkasse versicherten Arbeitneh­mern kann es zu Fehlern in der Lohn­steuerbescheinigung kommen, da bis Januar 2011 nicht klar war, wie sich die ausgewiesenen Beiträge zur Kranken­versicherung berechnen. Mittlerweile hat auch das Bundesfinanzministerium reagiert. Eine Berichtigung der Lohn­steuerbescheinigung ist aus Arbeits- und Kostengründen nicht (mehr) erforderlich. Das Finanzamt bemerkt den Fehler automatisch und berichtigt die Beiträge entsprechend.

Tipp: Betroffene Steuerpflichtige soll­ten dennoch den Einkommensteuer­bescheid genau prüfen ob wirklich die richtigen Beiträge zur Krankenversi­cherung berücksichtigt wurden. Im Zweifel kann die professionelle Hilfe ei­nes Steuerberaters bares Geld retten.

Haftungsausschluss:
Der Inhalt des Beitrags ist nach bestem Wissen und Kenntnisstand erstellt worden. Die Komplexität und der ständige Wandel der Rechtsmaterie machen es notwendig, Haftung und Gewähr auszuschließen. Der Beitrag ersetzt nicht die individuelle persönli­che Beratung.

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