So erstatten Sie professionell Anzeige! (Teil II)

Veröffentlicht am 16. November 2011 in der Kategorie Recht & Gesetze von

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Strafanzeige MusterIm ersten Teil des Artikels wurde bereits davon berichtet, wann man bei einer Anzeigenerstattung die Polizei und wann die Staatsanwaltschaft aufsuchen sollte und worin der Unterschied zwischen einem Akten- und einem Geschäftszeichen besteht. Erfahren Sie nun mehr darüber, wie Sie als Unternehmer professionell bei der Anzeigenerstattung vorgehen.

Das Js-Geschäftszeichen kann in einem Zivilverfahren als Beleg herangezogen werden, dass die Staatsanwaltschaft einen strafrechtlichen Anfangsverdacht gegen den Angezeigten bereits sieht. Sollte dieser Nachweis im jeweiligen Einzelfall eine Rolle spielen, so empfiehlt es sich, die Anzeige direkt an die Staatsanwaltschaft und nicht an die Polizei zu senden.

Anzeigenerstattung bei der Polizei in eiligen Fällen

Eine Anzeigenerstattung bei der Polizei ist hingegen in all jenen Fällen ratsam, in denen schnellstmöglich Sofortmaßnahmen eingeleitet werden müssen, beispielsweise weil Verdunkelungsgefahr besteht. In diesen Fällen ist es am besten, über die Telefonauskunft des zuständigen Polizeipräsidiums das zuständige Kriminalkommissariat zu erfragen und direkt dort anzurufen und den Fall zu schildern bzw. persönlich vorstellig zu werden. Eine Anzeigenerstattung bei einer Polizeiinspektion schafft einen unnötigen Zwischenweg der zusätzliche Zeit kostet.

Dies ist aber wie gesagt nur in extrem eiligen Fällen so anzuraten. Man macht sich ganz sicher nicht bei der Kriminalpolizei beliebt, wenn man wegen jedem Fall oder jeder Kleinigkeit dort anruft oder vorstellig wird, nicht umsonst gibt es an jeder Ecke eine Polizeiinspektion, die für den sogenannten Ersten Angriff zuständig ist.

Wenn man bei der Staatsanwaltschaft oder Polizei eine schriftliche Anzeige erstattet, so sollte in dem Schreiben die umgehende Mitteilung des Geschäftszeichens oder Aktenzeichens sowie die Benennung und Durchwahl des zuständigen Sachbearbeiters erbeten werden.

Bitte um Mitteilung über Ausgang des Verfahrens bei Strafanzeige: Muster

Außerdem sollte in beiden Fällen um die Mitteilung über den Ausgang des Verfahrens gebeten werden. Dies könnte beispielsweise wie folgt formuliert sein:

„Ich (wir) bitte(n) um umgehende Mitteilung des Geschäftszeichens, die telefonische und schriftliche Erreichbarkeit des zuständigen Sachbearbeiters und Mitteilung über den Ausgang des Verfahrens.“


Ein oft begangener Fehler ist der, dass im Schreiben an die Polizei oder Staatsanwaltschaft seitens des Anzeigenerstatters so formuliert wird, dass der Angezeigte diese oder jene Straftat begangen hätte. Sofern sich dies jedoch im Nachhinein als unwahr herausstellt, kann dies unter Umständen ein Ermittlungsverfahren gegen den Anzeigenerstatter nach sich ziehen.

Selbst Rechtsanwälte sind da vorsichtig und schildern im Regelfall lediglich möglichst sachlich den Sachverhalt und bitten bloß um Prüfung auf strafrechtliche Relevanz. Zudem wird gerne so formuliert, dass Anzeigenerstattung wegen aller in Frage kommenden Tatbestände erfolgt. Diese Vorgehensweise ist professionell und empfehlenswert.

Es gäbe noch einiges mehr zu der Thematik zu sagen, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Professionelle Anzeigenerstattung kann maßgeblich zum Erfolg der Sache beitragen und oft gravierende Nachteile für den Anzeigenerstatter verhindern. Daher sind Schulungen und Seminare zum Thema empfehlenswert.

Ermittlungsbehörden zur Strafverfolgung verpflichtet

Abschließend sei noch erwähnt, dass staatliche Ermittlungsbehörden generell zur Strafverfolgung verpflichtet sind. Das heißt, dass es eine Art Beratung bei Ermittlungsbehörden in diesem Sinne nicht geben kann, denn unabhängig vom Willen des Berichtenden werden sowohl Polizei als auch Staatsanwaltschaft grundsätzlich ein Ermittlungsverfahren einleiten, wenn Ihnen Tatsachen bekannt werden, die einen strafrechtlichen Anfangsverdacht beinhalten.

Einzige Ausnahme bilden hier die sogenannten „reinen Antragsdelikte“, wie beispielsweise Hausfriedensbruch oder Beleidigung. Diese sind ohne Vorliegen eines Strafantrages von den Ermittlungsbehörden nicht verfolgbar.

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