So erstatten Sie professionell Anzeige! (Teil I)

Veröffentlicht am 11. November 2011 in der Kategorie Recht & Gesetze von

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Strafanzeige MusterAus meiner langjährigen Zeit als Kriminalbeamter weiß ich, dass viele Unternehmen unprofessionell bei der Anzeigenerstattung vorgehen. Ich habe vielfach die Erfahrung gemacht, dass dies oft auch Unternehmen mit eigener Rechtsabteilung einschließt. Hierfür gibt es zahlreiche Gründe. Unter anderem spielt zum Beispiel eine Rolle, dass naturgemäß Außenstehende die internen Verfahrensabläufe bei Ermittlungsbehörden nicht kennen.

Daher möchte ich hier mal die wichtigsten Punkte darstellen, die ein Unternehmen für eine professionelle Anzeigenerstattung beachten sollte.

Anzeigenerstattung bei Polizei oder Staatsanwaltschaft?

Zunächst mal stellt sich die Frage, ob die Anzeige bei der Polizei oder bei der Staatsanwaltschaft erfolgen soll. Es gibt bei beiden Varianten Vor- und Nachteile.

Um den Rahmen des Artikels nicht zu sprengen, beschränke ich mich nachfolgend auf die wesentlichsten Informationen. Die zeitliche Differenz zwischen Postausgang und Posteingang zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft oder umgekehrt beträgt erfahrungsgemäß 1 bis 2 Wochen. Hinzu kommt natürlich noch die jeweilige Bearbeitungsdauer, die beträchtlich sein kann. Zu weiteren Verzögerungen kann es kommen, wenn zum Beispiel auf einen der beiden Seiten der Sachbearbeiter erkrankt oder wechselt.

Daher sollte der Anzeigenerstatter zunächst einmal seine Prioritäten festlegen. Möchte er simultan zur Strafanzeige gegen die angezeigte Person zivilrechtlich vorgehen, so kann es vorteilhaft sein, wenn er im Zivilverfahren ein laufendes Strafverfahren gegen den Angezeigten nachweisen kann. Hierfür benötigt er das Geschäftszeichen der Staatsanwaltschaft, nicht das Aktenzeichen der Polizei.

Staatsanwalt: Anfangsverdacht notwendig

Der Grund hierfür ist, dass die Staatsanwaltschaft nur dann ein echtes Ermittlungsverfahren einleitet, wenn sie zumindest von einem Anfangsverdacht ausgeht. Die Polizei vergibt immer ein Aktenzeichen, da sie verpflichtet ist, jede Anzeige, unabhängig von der Erfolgsaussicht oder den verwirklichten Tatbeständen, aufzunehmen. Bei der Staatsanwaltschaft gibt es dagegen ein spezifisches Geschäftszeichen.

Das Geschäftszeichen der Staatsanwaltschaft besteht aus einer Buchstaben und Nummernkombination. Die Buchstaben geben an, wie die Staatsanwaltschaft den Fall aktuell einordnet. Js steht für ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen einen bekannten Täter, UJs steht für ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen einen unbekannten Täter und AR steht für das allgemeine Register. Unter das allgemeine Register fallen zum Beispiel all die Fälle, bei denen die Staatsanwaltschaft zwar schon Ermittlungen eingeleitet hat, aber noch keinen Anfangsverdacht gegen den Angezeigten respektive gegen eine bestimmte Person sieht.

Übrigens wird umgangssprachlich immer vom Aktenzeichen bei der Staatsanwaltschaft gesprochen, aber tatsächlich gibt es dieses nur bei der Polizei. Das Pendant zum polizeilichen Aktenzeichen ist daher das Geschäftszeichen bei der Staatsanwaltschaft.

Wenn das Unternehmen also zusätzlich zur Strafanzeige schnellstmöglich zivilrechtliche Maßnahmen gegen den Angezeigten einleiten möchte oder dies aufgrund bestimmter Gegebenheiten, wie zum Beispiel Einhaltung von Fristen, zwingend erforderlich ist, so ist es, wie bereits besprochen, in vielen Fällen hilfreich ein staatsanwaltliches Js-Geschäftszeichen vorweisen zu können.

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