Interview: Was muss man beim Thema Steuern beachten?

Veröffentlicht am 15. März 2011 in der Kategorie Recht & Gesetze von

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Viele haben vor dem Thema "Steuern" geradezu Angst. Hinter verwirrenden Paragraphen verstecken sich meist auch noch komplizierte Sonderfälle und so mancher ist schon an seiner Steuererklärung verzweifelt. Bei Unternehmen erweist sich die Steuererklärung zudem noch aufwändiger als bei Privatpersonen. Mittelstand WISSEN hat deshalb einmal nachgefragt, was sich alles im Jahr 2011 ändert, wie man sparen kann, was speziell Existenzgründer beachten sollten und wie man mit dem Steuerberater umgeht.

Mittelstand WISSEN: Eine wichtige Frage gleich zu Beginn: Was sind die wichtigsten Steueränderungen 2011 für kleine und mittelständische Unternehmen und Selbstständige?

Riehm: Wichtige Änderungen sind die Aufgabe des Aufteilungsverbots für gemischte Aufwendungen, die Absetzbarkeit des Arbeitszimmers und die Aufgabe der bisherigen Rechtsprechung im Bereich der Sachzuwendungen. Bisher war es verboten z.B. Reisen die sowohl betriebliche als auch private Bestandteile enthielten, aufzuteilen. Das heißt, sie waren in Gänze nicht absetzbar. Diese können nun grundsätzlich aufgeteilt werden in Betriebsausgaben und nicht abzugsfähige Aufwendungen der privaten Lebensführung. Im Sinne der Work-Life-Balance lässt sich so leichter Angenehmes mit Nützlichem verbinden.

Mittelstand WISSEN: Haben Sie für unsere Unternehmer konkrete Steuer-Spartipps für dieses Jahr?

Riehm: Der Bereich der Sachzuwendungen ist sehr interessant. Bietet er doch seit dem neuesten Urteil des Bundesfinanzhofes die Möglichkeit bis zu 528 € im Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei einem Arbeitnehmer zuzuwenden. Und das bei deutlcih reduzierteen Verwaltungsaufwand als bisher. Beim Tankgutschein geht der Bundesfinanzhof sogar soweit, dass der Arbeitnehmer einen (selbst entworfenen) Tankgutschein erhalten, dann bei einer selbst gewählten Tankstelle tanken und den Gutschein plus Tankquittung beim Arbeitgeber abrechnen kann. Auch dann liegt eine Sachzuwendung vor.

Mittelstand WISSEN: Was müssen speziell Existenzgründer dieses Jahr beachten?

Riehm: Gründer sollten sich auf ein leicht anziehendes Zinsniveau einrichten und Ihre Investitions- und Finanzierungsplanungen dahingehend ausrichten. Auch der Wegfall der degressiven Absetzung für Abnutzung (AfA) sollte berücksichtigt werden.

Mittelstand WISSEN: Lohnt es sich auch für Selbstständige einen Steuerberater zu Rate zu ziehen, oder macht dies erst ab einer gewissen Unternehmensgröße Sinn?

Riehm: Unternehmer ist Unternehmer, egal ob Einzelkämpfer oder Mittelständler mit 100 Angestellten. Grundsätzlich ist es sinnvoll, sich steuerlich begleiten zu lassen.

Mittelstand WISSEN: Warum raten Sie dazu?

Riehm: Die Regelungsdichte in der Steuergesetzgebung ist immens hoch. Sich professionell beraten zu lassen schafft Sicherheit und Zeitressourcen für die eigentliche unternehmerische Tätigkeit. Bei der Aufgabenfülle eines Unternehmers ist es heute mehr denn je wichtig, sich nicht zu verzetteln.

Mittelstand WISSEN: Und wenn man bereits einen Steuerberater hat ... haben Sie besondere Tipps für die Zusammenarbeit zwischen Unternehmer und Steuerberater?

Riehm: Offenheit und Transparenz von beiden Seiten. Die Verbindung zwischen Steuerberater und Mandant ist von Vertrauen geprägt. Daher gilt es immer den passenden Berater auszuwählen.

Mittelstand WISSEN: Welchen Fehler begehen Unternehmer immer wieder bei ihrer Steuererklärung und wie kann man diesen einfach vermeiden?

Riehm: Einen generellen Fehler gibt es so nicht, außer vielleicht, dass die Selbsterstellung der Erklärung ohne Beraterhilfe an sich einen Fehler darstellt.

Mittelstand WISSEN: Was passiert, wenn man vergisst die Steuerklärung einzureichen? Welche Folgen hat das für das Unternehmen?

Riehm: Nichtabgabe einer Steuererklärung führt zu Verspätungszuschlägen, Säumniszuschlägen, und schließlich zu einem geschätzten Steuerbescheid. Das Finanzamt nimmt sich die bekannten Daten zu Umsatz etc. und schätzt einfach sehr großzügig für den Zeitraum die Besteuerungsgrundlagen und ermittelt daraus die Steuerzahllast. Die wird dann mit allen Mitteln eingetrieben. Sie entbindet den Unternehmer aber nicht von der Pflicht eine zutreffende Erklärung abzugeben. Am Ende können auch immer noch Ermittlungen im Rahmen eines Steuerstrafverfahrens eingeleitet werden.

Mittelstand WISSEN: Vielen Dank für das Interview, Frau Riehm!

(Bild © LaCatrina - Fotolia.com)

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