Die Broken-Windows-Theorie: Wie du Bewerber NICHT für dich gewinnst

Veröffentlicht am 16. November 2016 in der Kategorie Management & People Skills von

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Achte auch auf Kleinigkeiten, denn auch diese präsentieren dein Unternehmen nach außen.

Die Broken-Windows-Theorie hat ihren Ursprung in der amerikanischen Kriminalitätsbekämpfung. Im öffentlichen Sektor hat sich dieser Ansatz erfolgreich bewährt. Doch auch Unternehmer können davon lernen: nämlich wie wichtig es ist, beim öffentlichen Erscheinungsbild auch auf Kleinigkeiten zu achten.

Worum geht es bei der Broken-Windows-Theorie?

Die Theorie der „zerbrochenen Fenster“ argumentiert, dass Vandalismus nicht die Folge von schwereren Vergehen ist, sondern deren Ursache. Demnach entsteht durch das Dulden von Bagatelldelikten wie Graffitis und zerbrochenen Fenstern in der Bevölkerung der Eindruck, dass solche Vorfälle normal sind. Tatsächlich sinkt die Kriminalitätsrate, wenn Vandalismus rigoros verfolgt und auch kleinere Schäden schnell beseitigt wurden.
Kurz gesagt bedeutet das:

Wer sich um kleinere Verfehlungen nicht kümmert signalisiert seinem Umfeld, dass ihm diese egal sind.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird dieses Verhalten also akzeptiert. Das wiederum sagt viel über Werte aus - im öffentlichen Leben genauso wie in der Geschäftswelt.

Warum ist die Theorie auch für Unternehmen relevant?

Manchmal drücken Unternehmen bei kleineren Verfehlungen ein Auge zu, z.B. beim Einsatz von Tankkarten oder beim Abzweigen von Büromaterial. Häufig geht es auch „nur“ um unpassendes Verhalten gegenüber Geschäftspartnern oder Kollegen, das nicht unterbunden wird. Allein dadurch kann der Eindruck entstehen, dass hier auch größere Vergehen toleriert werden.

Manche Mitarbeiter fühlen sich regelrecht motiviert, wie Kleinkinder die Grenzen des Machbaren auszutesten.

Irgendwann machen alle mit, weil es ja alle anderen auch so machen. Bei der Broken Windows-Theorie geht es um die Wirkung der Wahrnehmung. Es geht darum was Menschen bei einer anderen Person beobachten und welche Schlussfolgerungen sie daraus ziehen. Für Unternehmen ist diese Außenwahrnehmung enorm wichtig.

Erfolg oder Scheitern können in hohem Maße davon abhängen, wie Kunden oder potenzielle Geschäftspartner das Unternehmen wahrnehmen.

4 Beispiele für die Wirkung der Broken-Windows-Theorie aus dem Bereich Recruiting

Bei Stellenausschreibungen und Bewerbungsverfahren geht es heute mehr denn je darum, die besten Bewerber für das eigene Unternehmen zu gewinnen. In einigen Branchen und Berufen können sich Bewerber bereits ihren Wunscharbeitgeber aussuchen. Unbewusste Nachlässigkeiten können da schnell verehrende Folgen für das Unternehmen haben.

1. Keinerlei Rückmeldung auf die Bewerbung bekommen

Erhält man auf eine Bewerbung nicht einmal eine Absage wird es früher oder später aus der persönlichen Liste als akzeptabler Arbeitgeber gelöscht. Es zeigt: "Vielleicht kümmert sich dieses Unternehmen ja gut um die Bewerber, die zu einem Gespräch eingeladen werden. Die Zuständigen interessieren sich aber überhaupt nicht für diejenigen, die auf diese konkrete Stelle nicht passen."

Somit wird aber auch ignoriert, dass ein Bewerber vielleicht in einem Jahr die perfekte Besetzung für eine andere offene Stelle ist.

2. Der Vorgesetzte kommt unentschuldigt zu spät

Ein anderes Szenario: Du bist zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und dein künftiger Vorgesetzter kommt 20 Minuten zu spät. Laut der Empfangsdame ist ein dringendes Telefonat mit einem Geschäftspartner dazwischengekommen.

Deine Gedanken: "Hier ist das Geschäft wichtiger als die Menschen."

3. Der Raum für das Bewerbungsgespräch wurde nicht vorbereitet

Während der Wartezeit bist du alleine in einem leeren Besprechungszimmer. Am Tisch stehen benutzte Kaffeetassen vom letzten Meeting.

Das zeigte dir: "Diesem Unternehmen ist es wirklich egal, was Bewerber von ihnen halten." Die kümmern sich nicht einmal um eine saubere und ordentliche Arbeitsumgebung. Wer weiß, worum die sich noch alles nicht kümmern?

Ein Blick in den Raum zeigt ein Flipboard mit Notizen der letzten Besprechung mit einem Kunden. Das bedeutet: "Die kümmern sich hier nicht einmal um die Vertraulichkeit ihrer Kundeninformationen."

4. Fehlplanung? Oder wurde überhaupt nichts geplant?

Der Vorgesetze ist da und nun geht es darum eine Präsentation, die du bereits zu Hause vorbereiten solltest, vorzustellen. Geplant war, dass du diese vor deinen neuen direkten Arbeitskollegen hältst. Leider hatte wohl niemand dem Team etwas von diesem Termin an einem Freitagnachmittag gesagt. Eine gestresste Assistentin schafft es dann irgendwie, den Raum mit ein paar Leuten aus anderen Abteilungen zu füllen. Immerhin geben sie sich freundlich und interessiert. Dein potenzieller zukünftiger Vorgesetzter tippt allerdings die ganze Zeit unter dem Tisch auf seinem Blackberry.

Dieses Verhalten sagt dir: "Diesem Menschen sind die eigenen Mitarbeiter völlig egal."

Achte auch auf Kleinigkeiten, denn auch diese präsentieren dein Unternehmen nach außen.

Bei all diesen Vorfällen handelt es sich zwar um Kleinigkeiten. Ja, ein vielbeschäftigter Manager kann schon mal zu spät zu einem Gespräch kommen. Sowas passiert. Aber so lange es Unternehmen gibt, die ihre Einstellungsprozesse besser im Griff haben, so lange transportieren diese Kleinigkeiten nur eine Botschaft: "Es ist uns egal was Du über uns denkst."

Hast du die Wahl, wirst du dich sicherlich nicht für dieses, sondern für ein anderes Unternehmen entscheiden.

Was kannst Du als Unternehmer daraus lernen?

Es gibt immer wieder zahlreiche Beispiele für kleine negative Signale, die Unternehmen an ihre Kunden aussenden. Da hängen Anrufer ewig in Warteschleifen oder müssen sich bei der Telefonhotline durch endlose Menüs hangeln. Da erfolgen zugesagte Rückrufe nicht. Da werden Produkteigenschaften oder Leistungspakete ohne ausreichende Vorankündigung geändert, da vergraulen missmutige Verkäufer die letzten kaufwilligen Kunden im lokalen Einzelhandel…

Gleichzeitig gibt es erfolgreiche Unternehmen, die die Zufriedenheit ihrer Kunden zu ihrer obersten Priorität gemacht haben. Beispiele aus beiden Gruppen verbreiten sich durch die sozialen Medien heute rasend schnell.

Daher bist Du als Unternehmer gut beraten, Dich regelmäßig an die Broken Windows-Theorie zu erinnern:

Kümmere Dich auch um die kleinen Anzeichen einer schlechten Kultur, denn andere schließen daraus auf das ganze Unternehmen!

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