Mitarbeiterbelastung: Dafür sind Sie als Führungskraft zuständig!

Veröffentlicht am 7. April 2016 in der Kategorie Management & People Skills von

Themen: , , ,

Mitarbeiterbelastung: Dafür sind Sie als Führungskraft zuständig!

Bin ich als Führungskraft jetzt auch noch für die Psyche meiner Mitarbeitenden zuständig? Der Gesetzgeber beantwortet diese Frage mit einem klaren JA.

Bereits im Jahr 2013 wurde die betriebliche Gefährdungsbeurteilung im Arbeitsschutzgesetz um die Berücksichtigung psychischer Belastungen ergänzt. Was bedeutet das für Führungskräfte?

Die Aufgabe kann sicher nicht in der psychologischen Diagnostik oder Therapie liegen; Sie können und sollen keine Vermutungen über die psychische Gesundheit Ihrer Mitarbeitenden anstellen oder im Ernstfall einen Therapeuten ersetzen. Sie sind allerdings dafür verantwortlich, ihr Arbeitsumfeld aktiv so zu gestalten, dass ihr Wohlbefinden am Arbeitsplatz gewährleistet ist.

Nach einem strategischen Belastungsmanagement sucht man trotzdem heute, 2016, bei den meisten Führungskräften noch vergebens. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand: Es sichert die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitenden und reduziert den Krankenstand. Langfristig führt es so zur Entlastung der Führungskraft durch die Zusammenarbeit mit einem leistungsstarken Team.

Belastung ist nicht gleich Beanspruchung

Unter Belastungen werden alle Einflüsse verstanden, die von außen auf den Menschen einwirken. Der Begriff der psychischen Belastung ist demnach wertneutral definiert und nicht per se negativ zu verstehen.

Mitarbeiterbelastung: Dafür sind Sie als Führungskraft zuständig!
Im Arbeitskontext lassen sich Belastungsfaktoren in folgende Bereiche einordnen:

  • Arbeitsaufgabe (z.B. Termindruck, Entscheidungsspielraum)
  • Arbeitsorganisation (z.B. Arbeitszeitgestaltung, Qualifikationsangebote)
  • Arbeitsumgebung (z.B. Geräusche, Temperatur)
  • Psychosoziale Rahmenbedingungen (z.B. Gruppen- und Vorgesetztenverhalten)

Die Auswirkung einer bestimmten psychischen Belastung auf den Menschen wird als Beanspruchung bezeichnet. Die individuell erlebte Beanspruchung ist abhängig von der Resilienz (der psychischen Widerstandsfähigkeit) des Einzelnen.

Menschen unterscheiden sich darin, welche Situationen und Umstände sie noch als positive Herausforderung empfinden, und wann das individuelle Gefühl von Stress einsetzt. So treibt beispielsweise die anstehende Präsentation (Belastung) die eine Kollegin zu Höchstleistungen an (positive Beanspruchung) während der andere Kollege nachts vor Aufregung kaum ein Auge zu bekommt (negative Beanspruchung).

Als Führungskraft bewusst negativen Beanspruchungen vorbeugen

Belastungen führen also nicht automatisch zu Stress. Neben der individuellen Resilienz trägt vor allem die Art der Führung dazu bei, ob ein Team insgesamt negativ beansprucht ist oder nicht.

Als Führungskraft können Sie auf drei Ebenen aktiv werden: organisatorisch, sozial und persönlich.

1. Organisatorische Ebene

Negative Beanspruchung bei den Mitarbeitenden kann vermieden werden, indem Arbeitsprozesse richtig koordiniert werden. Dazu gehört beispielsweise die Verteilung von Aufgaben unter Berücksichtigung der einzelnen Fähigkeiten– sprich, eine passgenaue Delegation. Diese kann sichergestellt werden, indem Sie die sechs W-Regeln für den Delegationsauftrag berücksichtigen:

  • WAS ist genau zu tun?
  • WER ist für die Aufgabe am besten geeignet?
  • WELCHEM Zweck dient die Aufgabe?
  • WIE soll bei der Ausführung vorgegangen werden?
  • WOMIT müssen die Mitarbeitenden ausgerüstet sein?
  • WANN soll die Aufgabe beginnen und abgeschlossen sein?

Verantwortungsvolle, komplexe Aufgaben können nur von motivierten und kompetenten Kolleginnen und Kollegen erfolgreich erledigt werden. Fördern Sie also Ihre Mitarbeitenden, indem Sie sie gezielt qualifizieren und ihnen damit Perspektiven bieten.

2. Soziale Ebene

Indem Sie einen guten Umgang im Team bewusst fördern, können Sie die Resilienz seiner Mitglieder stärken. Initiieren Sie vertrauensbildende Maßnahmen. Diese sollten so gestaltet sein, dass sie Offenheit, Vertrauen, Feedback und gegenseitige Wertschätzung im Team stärken.

Mitarbeiterbelastung: Dafür sind Sie als Führungskraft zuständig!

Erzeugen Sie ein Wir-Gefühl! Möglichkeiten können zum Beispiel ein selbst organisiertes Teamevent, Teamentwicklungsmaßnahmen und gemeinsame Aktivitäten in der Freizeit sein.

In diesem Rahmen sollte außerdem eine Plattform für regelmäßige Kommunikation und Informationsaustausch etabliert werden, beispielsweise in Form wöchentlicher Teammeetings. So können Probleme, Hindernisse, Zielabweichungen, aber auch mögliche Missverständnisse frühzeitig erkannt und Fehlbelastungen durch deren Beseitigung gemindert werden.

3. Persönliche Ebene

Zeigen Sie Ihren Mitarbeitenden Anerkennung für ihren Einsatz, insbesondere in anstrengenden Phasen. Beschäftigte, die sich wertgeschätzt fühlen, empfinden weniger Stress. Ein einfaches Instrument, um Wertschätzung auszudrücken, ist Lob. Sagen Sie, wenn Sie mit Leistungen zufrieden sind.

Dies kann in einem persönlichen Gespräch oder immer wieder zwischendurch in wenigen Sätzen erfolgen. Natürlich sollen Sie nicht loben, wenn es nichts zu loben gibt, aber auch Kritik sollten Sie wertschätzend kommunizieren. Dies gelingt, wenn Sie bei Ihrem Feedback folgende Ratschläge beherzigen:

Kritisieren Sie…

Mitarbeiterbelastung: Dafür sind Sie als Führungskraft zuständig!

  • nicht die Person, sondern nur bestimmte Leistungen oder Verhaltensweisen,
  • niemanden vor anderen Mitarbeitenden oder Vorgesetzten,
  • möglichst bald, nachdem sich ein Anlass gezeigt hat – aber nicht im Affekt,
  • konkret und glaubhaft,
  • angemessen und sachlich.

In Seminaren können Führungskräfte lernen, wie ungesunde Beanspruchung rechtzeitig erkannt und angemessen beantwortet werden kann. Den Umgang mit den Mitarbeitenden, aber auch die eigene Vorbildfunktion im Rahmen des Belastungsmanagements zu reflektieren lohnt sich: Eine gesunde Führung reduziert die empfundene Beanspruchung und erhöht sowohl die Zufriedenheit im Team als auch die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft jedes einzelnen.

(Einzelbildnachweise: belastung, team, verhaltensweise © shutterstock.com)

Buchtipp: Erfolgreiche Führung durch DelegierenUnser Buchtipp für Sie!

"Erfolgreiche Führung durch Delegation"

Autoren: Michael Lorenz, Nora Haager

Verlag: CreateSpace

Taschenbuch: 50 Seiten

ISBN: 978-1518717291

Preis: 3,59€

Hier bestellen!