Turnaround statt Pleite: Das Unternehmen stabilisieren (Schritt IV)

Veröffentlicht am 8. September 2015 in der Kategorie Management & People Skills von

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turnaround-statt-pleite-das-unternehmen-stabilisierenIn den ersten beiden Phasen des Turnarounds haben Sie die wesentlichen Probleme identifiziert und die erforderlichen Verbesserungen angeschoben. Sie haben die kritische Phase überstanden; nun gilt es, das Unternehmen so zu stabilisieren, dass es anschließend konsolidiert wachsen kann.

Maßnahmen im Bereich Finanzen

Die Außendienst-Mitarbeiter stehen vor einer großen Herausforderung: Sie müssen die Bruttomarge steigern, ohne die genauen Vollkosten zu kennen. Dieses Vorgehen hat durchaus Sinn: Eine exakte Kenntnis der Vollkosten würde die Preisgestaltung stark unter Druck setzen, außerdem sollten die Daten nicht eines Tages bei der Konkurrenz landen. Legen Sie deshalb für jede Produktgruppe bzw. Dienstleistung einen volumenabhängigen Transferpreis fest oder formulieren Sie eine Discountstaffel. Über Sonderkonditionen für Großaufträge sollte direkt der Vertriebsleiter entscheiden.

Außerdem ist nun ein guter Zeitpunkt, um eine einfache und für den Großteil der Mitarbeiter verständliche Standardkostenrechnung einzuführen. Gruppieren Sie die Aktivitäten und legen Sie Stundensätze fest;

Tipp: Vergleichen Sie die neue Kalkulation mit der alten, und stellen Sie fest, an welchen Stellen größere Abweichungen auftreten

Maßnahmen im Bereich Vertrieb

Achten Sie als Kostenführer darauf, Überkapazitäten zu vermeiden; andernfalls werden Sie bald krampfhaft nach weiteren Produkten und Märkten suchen, es entstehen unnötig komplexere Strukturen im Unternehmen. Eventuell bereits vorhandene Überkapazitäten lassen sich jedoch auch produktiv nutzen, etwa indem Sie einen indirekten Vertrieb finden, der die Kapazitäten zu niedrigen Kosten auslastet.

Als Qualitätsführer können Sie nun beginnen, Ihre Vorzüge offensiv zu vermarkten. Mund-zu-Mund-Propaganda eignet sich hier besonders, da sie glaubwürdig und zugleich kostengünstig ist. Schaffen Sie deshalb Gelegenheiten für einen Austausch potenzieller Kunden, beispielsweise in Form von Informationsveranstaltungen. Können Sie mit besonders schneller Lieferung punkten, berechnen Sie künftig Expresszuschläge. Bieten Sie einen einmaligen Service an – der inzwischen nur noch aus profitablen Aktivitäten besteht – können Sie diesen nach und nach weiter ausbauen.

Bei bestehenden Kunden können Sie nun durch zusätzliche Produkte oder Dienstleistungen den Umsatz steigern; finden Sie heraus, ob Sie einen Kunden beim Outsourcing unterstützen und einen Teil seiner Leistungen übernehmen können.
Außerdem ist es jetzt an der Zeit, die Auftragsabläufe zu optimieren:

  • Suchen Sie nach Problemen im Ablauf sowie nach Engpässen,
  • bestimmen Sie die Durchlaufzeiten und
  • finden Sie heraus, wo und weshalb Angebote und Aufträge steckenbleiben.

Tipp: Lassen Sie dann Ihre Mitarbeiter nach Lösungen suchen, um die Durchlaufzeiten zu vierteln

Maßnahmen im Bereich Operations

In der Phase der Stabilisierung sollten Sie zudem den gesamten Betrieb optimieren; binden Sie dabei Ihre Lieferanten sowie die gesamte Logistik bis hin zum Endkunden mit ein. Auch die Lieferleistung sollte inzwischen durchgehend hoch sein; analysieren Sie deshalb jedes Lieferproblem, und lassen Sie Ihr Team eine dauerhafte Lösung finden.

Um die Fertigung effizienter zu gestalten, können die Mitarbeiter nun ihrer Phantasie freien Lauf lassen. Stellen Sie kleine Budgets zur Verfügung, etwa um:

  • das Handling der Werkstücke zu verbessern,
  • die Bearbeitung zu vereinfachen bzw. zu automatisieren oder
  • Vorrichtungen so umzubauen, dass sich parallel weitere Arbeitsschritte durchführen lassen.

Tipp: Greifen Sie selbst nur ein, um zu koordinieren und zu motivieren

Vereinfachen Sie dann Ihre Produkte: Häufig können Sie die Zahl der Teile bzw. der Bearbeitungsschritte reduzieren, preiswertere Rohstoffe einsetzen oder ein Baukastensystem einführen; hier ist wieder die Phantasie der erfahrenen Mitarbeiter gefragt, die „ihre“ Produkte gut kennen.

Maßnahmen im Bereich Personal

Immer wieder ist zu beobachten, dass ein Teil der Mitarbeiter Zeit totschlägt und auf neue Aufgaben bzw. Aufträge wartet, während ein anderer Teil zahllose Überstunden anhäuft. Dies kostet das Unternehmen viel Geld; sorgen Sie deshalb dafür, dass Sie Ihre Mitarbeiter flexibel für verschiedene Aufgaben einsetzen können, indem Sie flächendeckendes Crosstraining einführen.

Tipp: Haben Sie freie Positionen zu besetzen, suchen Sie in Ihrer Belegschaft nach geeigneten Kandidaten

Zum einen ist es riskant, langwierig und teuer, einen scheinbar perfekten Kandidaten von außen zu holen, der zunächst mühsam eingearbeitet werden muss und am Ende den Erwartungen vielleicht doch nicht entspricht. Zum anderen haben Ihre Mitarbeiter in den vergangenen Monaten diverse Bewährungsproben bestanden – und die Chance verdient, im Unternehmen aufzusteigen.

In Teil 5 der Serie lesen Sie, welche Maßnahmen Sie ergreifen sollten, damit das stabilisierte Unternehmen in bestehenden und neuen Marktsegmenten wachsen kann.

Weitere Artikel dieser Serie

Turnaround statt Pleite: Das Problem identifizieren (Schritt I)

Turnaround statt Pleite: Maßnahmen ergreifen (Schritt II)

Turnaround statt Pleite: Liquidität wiederherstellen (Schritt III)