Dresscode im Büro: „Was zieh‘ ich nur an?“

Veröffentlicht am 11. August 2015 in der Kategorie Management & People Skills von

Themen: , ,

Hat Ihre Firma eine Kleiderregelung? Geben Sie doch einen Dresscode vorWir alle wissen, dass es im Geschäftsleben um den ersten Eindruck geht - und dieser ist entscheidend! In den ersten 30 Sekunden wird Ihr Gehirn aufgrund einer Vielzahl von Spontan-Hinweisen bereits Entscheidungen fällen: über die Art und Weise und demzufolge die Wirkung der Kleidung Ihres Gegenübers, in Bezug auf seinen Charakter und seinen Beruf ... Bevor Sie die ersten Worte gesprochen haben, wurde auch schon ein erstes Urteil gefällt.

Die Kleidungsregeln haben sich gelockert

Seit ein paar Jahren werden die Dresscodes lockerer gehandhabt. In vielen Branchen hat sich eine entspannte Kleiderordnung zwischen Business Casual und Smart Casual eingeschlichen, der manchmal jedoch zu entspannt ist. Diese Entspanntheit macht es Mitarbeitern schwerer, sich für eine passende äußere Erscheinung, für das richtige Outfit im Arbeitsalltag zu entscheiden, weil genaue Vorgaben dazu fehlen oder überhaupt nicht existieren. Oder sie sind vorhanden und keiner weiß davon beziehungsweise will niemand davon wissen!

Die Unsicherheit ist groß ...

... wenn Mitarbeiter ohne Vorgaben der Unternehmens-Seite herausfinden müssen, was adäquate Kleidung ist - und was nicht. Manche schaffen es sehr gut, manche liegen total daneben. So kann es passieren, dass eine Bank-Mitarbeiterin Ihnen in Jeggings (das sind Leggings, die aber aussehen, als wäre sie Hosen, Jeans) und modischem, langem Oberteil Anleihen verkaufen möchte.

Sie macht sich offensichtlich keine Gedanken darüber, ob sie in dieser Kleidung kompetent wirkt, ob der Stil dem Image der Bank entspricht und zum Dresscode ihrer männlichen Kollegen passt. Wenn die männlichen Mitarbeiter ihre Geschäfte in Anzug und Krawatte tätigen, sollten die Mitarbeiterinnen einen ähnlichen Dresscode wählen, damit ein stimmiges Gesamtbild der Bank entsteht. Bei unangemessener Kleidung und einem schriftlich verankerten Dresscode, kann der Arbeitgeber die Arbeitnehmerin abmahnen.

Einige wenige spüren in den Blicken der anderen, dass etwas nicht passt an der Art und Weise ihres Kleidungsstils - jedoch nicht jeder kann oder will in den Gesichtern anderer lesen. Eine einfache Möglichkeit wäre, sich an anderen Mitarbeitern zu orientieren. Jedoch, was ist, wenn die anderen ebenso inadäquat gekleidet sind? Dann ist das Outfit zwar in der Gruppe stimmig, passt aber nicht zum Unternehmens-Image. Bei jeder notwendigen Anpassung an andere und dem ausgewiesenen oder unausgewiesenen Berufs-Dresscode allerdings hat aber auch der persönliche Stil seine wichtige Berechtigung.

Kehren Sie das Thema Kleidung nicht unter den Tisch

Viele Führungskräfte scheuen sich, das Kleidungsthema anzusprechen. Einerseits wollen sie sich nicht die Finger verbrennen - es könnte sich ja jemand gekränkt fühlen; andererseits fehlen ihnen oft Argumente, Standfestigkeit und Durchsetzungskraft, einen Dresscode einzufordern und einzuführen - was dann zum Niedergang eines gut gekleideten Mitarbeiters führt, da sich besonders Frauen lieber an einen „sehr“ lockeren Kleiderstil orientieren, der meist nicht dem Firmenimage entspricht. Gerade deshalb gehört das Thema Kleidung auf den Tisch, um für die Zukunft das Bild, das sich Kunden von Ihrem Unternehmen machen, zu stärken. Das erleichtert außerdem allen Führungskräften das Einfordern bestimmter Richtlinien, wenn diese schriftlich festgelegt sind.

Klare Dresscode-Regeln vorgeben

Sprechen Sie mit Ihren Führungskräften, ob die derzeitige Kleiderregelung dem Unternehmensleitbild und dem -Image entspricht. Fragen Sie auch Kunden (eventuell durch eine Kundenbefragung), wie sie die Freundlichkeit und das Outfit der Mitarbeiter beurteilen. Da man selbst leicht betriebsblind wird, bringt eine Befragung eine aussagekräftige Klärung, wie es um das Image Ihrer Firma aus der Sicht Ihrer Kunden steht. Ist dieser erste Schritt getan, kann die Kleidungsempfehlung oder -vorschrift schriftlich festgelegt werden. Hilfreich dafür sind externe Image-Experten, die ein Image- und Dresscode-Konzept erarbeiten und alle Mitarbeiter ausreichend schulen.

Ist der Dresscode erst einmal eingeführt, müssen Führungskräfte diesen auch einfordern. Stellen Sie sich vor, die neue Mitarbeiterin erhält den Leitfaden und bemerkt, die angestammten Mitarbeiter halten sich nicht daran. Sie wird den Leitfaden ebenfalls ignorieren ... Damit werden Sie als Unternehmen in den Augen der Mitarbeiterin unglaubwürdig und signalisieren, dass Sie als Führungskraft Ihre Mannschaft nicht im Griff haben. Denn nur das, was eingefordert und dann von allen gelebt wird, macht Sinn.

Mitarbeiter-Argumentation: Wer zahlt mir das?

Kleiderrichtlinien müssen bereits beim Einstellungsgespräch Thema sein. Wer seine Mitarbeiter mit einer bestimmten Vorgabe des Dresscodes einstellt, kann diesen auch einfordern; ihn hingegen im Nachhinein einzuführen, ist unvergleichbar schwieriger. Ich rate jedem Unternehmen, unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter mit Gutscheinen von Modegeschäften oder mit Zulagen für diese Ausgaben. Dieser Benefit macht es Mitarbeitern leichter, die Kleidungs-Empfehlung umzusetzen, weil nicht nur sie als Mitarbeiter investieren müssen, sondern auch das Unternehmen seinen Teil dazu beiträgt.

Mitarbeiter über den neuen Dresscode informieren

Sie sollten überlegen, wie Ihre Mitarbeiter den Sinn und den Wert eines Dresscodes verstehen am besten verstehen. Was nicht verstanden wird, wird bekämpft. Die Folgen könnten endlose Diskussionen sein, die dem Betriebsklima schaden würden. Ein Seminar ist da vielleicht einer Rundmail vorzuziehen, um auch gleich offene Fragen zu kläen.

Mitarbeiter setzen den Dresscode dann um, wenn sie erkennen, dass Sie mit ihrem Outfit Teil des Unternehmens und der Unternehmens-Kommunikation sind und wesentlich zur Außenwirkung und zum Unternehmens-Image beitragen. Dabei entsteht eine höhere Verbundenheit zum Unternehmen.

Noch mehr Kleidungstipps gibt's hier

Profil mit Stil: Persönlichkeit als Marke - Kleidung als Statement

Der kleine Outfit-Knigge 2100: Business-Leute, Kleidung, Stil und Form