Depression bei Mitarbeitern: Was können Unternehmen tun? (Teil I)

Veröffentlicht am 14. November 2014 in der Kategorie Management & People Skills von

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Psychische Erkrankungen führen immer häufiger zu Fehlzeiten in Betrieben. Dr. Sandra Maxeiner und Dipl.-Psychologin Hedda Rühle vermitteln in einer Artikelserie, welche dieser Leiden besonders verbreitet sind. Die Autorinnen zeigen, wie Führungskräfte und Personaler erkennen, ob Handlungsbedarf besteht, und was Betroffene selbst tun können, um wieder gesund zu werden.Depression bei Mitarbeitern: Was können Unternehmen tun? (Teil I)

Nahezu jede zweite Frühverrentung (42 Prozent) wird durch psychische Erkrankungen verursacht, das ergab eine Studie der Bundestherapeutenkammer zur Arbeits- und Erwerbsfähigkeit aus dem Jahr 2013. Dabei waren Depressionen – auch im Vergleich zu körperlichen Krankheiten – die häufigste Diagnose.

Fast die Hälfte der psychisch bedingten Frühverrentungen sind bei Frauen auf Depressionen zurückzuführen. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn vermutlich ist die Zahl der Erwerbstätigen, die unter einer depressiven Erkrankung leiden und sie vor dem Chef verheimlichen, viel höher.

Doch obwohl immer mehr Arbeitnehmer psychisch erkranken, sind viele Führungskräfte und Personalverantwortliche meist unzureichend informiert. Sie wissen häufig nicht, wie sie mit depressiven Mitarbeitern umgehen sollen und welche Maßnahmen zur Prävention und Wiedereingliederung psychisch kranker Menschen in ihrem Unternehmen notwendig sind.

Das ist umso wichtiger, da Ergebnisse der psychoneurobiologischen Forschung darauf hindeuten, dass besonders Stress und eine stetig steigende Arbeitsbelastung aufgrund des dauerhaft erhöhten Stresshormonspiegels Depressionen auslösen können. Damit Unternehmen zu einem angemessen Umgang mit depressiv Erkrankten am Arbeitsplatz finden, braucht es mehr Information und Aufklärung. Allem voran steht die Frage, woran Depressionen zu erkennen sind.

Die Anzeichen: So sieht Depression aus

Nicht jede Depression verläuft gleich, doch es gibt eine Reihe von Symptomen, die für diese Erkrankung charakteristisch sind. In der international anerkannten, von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) konzipierten Klassifikation psychischer Störungen (ICD 10) werden als Hauptsymptome genannt:Depression bei Mitarbeitern: Was können Unternehmen tun? (Teil I)

  • gedrückte Stimmung,
  • Interessenverlust und
  • Antriebslosigkeit

Als Zusatzsymptome gelten:

  • Konzentrationsprobleme,
  • Selbstwertmangel,
  • Schuldgefühle,
  • pessimistische Zukunftsperspektiven,
  • Suizidideen,
  • Schlafstörungen und
  • verminderter Appetit.

Die Intensität und Dauer, mit denen diese Symptome auftreten, bestimmen letztlich, ob jemand krank ist oder nicht.

Die ersten Anzeichen und Vorboten einer Depression können von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Bei einigen Betroffenen stehen zunächst körperliche Missempfindungen und Beschwerden in Verbindung mit einem Gefühl der Erschöpfung im Vordergrund.

Andere klagen über ein anhaltendes Stimmungstief, das von düsteren und sorgenvollen Gedanken begleitet ist, die sich fortwährend aufdrängen. Das Spektrum ist breit: Es kann von leicht gedrückter und pessimistischer Stimmung über Freudlosigkeit und Hoffnungslosigkeit bis hin zu völliger Verzweiflung und der Unfähigkeit, etwas zu empfinden, reichen.

Häufig leiden Depressive zusätzlich an Denkstörungen. Ihr Denken ist erschwert und verlangsamt, was wie eine Denkhemmung empfunden wird. Komplexe Zusammenhänge können dann nicht mehr erfasst werden. Ihre Gedanken kreisen oft nur um einige wenige Themen, über die sie unentwegt grübeln.

Sie können sich nicht mehr konzentrieren, vergessen Dinge,  auch Entscheidungen zu treffen, fällt ihnen schwer.

Depressive haben auch Probleme mit dem Einschlafen, werden nachts wach, erwachen sehr früh morgens oder haben ein übermäßiges Schlafbedürfnis. Meist geht es ihnen in den Morgenstunden besonders schlecht.

Ein weiteres Problem depressiver Menschen ist ihr vollkommen am Boden liegendes, zerstörtes Selbstwertgefühl: Sie glauben fest daran, nichts wert zu sein, fühlen sich überflüssig, glauben, versagt zu haben und meinen, ihr Leben sei ganz und gar sinnlos. Sie leiden unter quälenden Schuldgefühlen und denken, durch ihren Zustand ihren Angehörigen und Freunden zur Last zu fallen.

Oft sind sie so sehr über ihre eigene Unzulänglichkeit und ihre aussichtslose Lage verzweifelt, dass sie nicht mehr auf eine lebenswerte Zukunft hoffen. Alarmierend: Für viele scheint Selbstmord der letzte Ausweg zu sein, um ihrem Leiden ein Ende zu bereiten.

Die gute Nachricht: Depression ist heilbar

Die gute Nachricht für Betroffene, Führungskräfte und Personalverantwortliche ist: Eine Depression ist heilbar, wenn sie fachgerecht behandelt wird. Eine speziell auf die Erkrankung abgestimmte Psychotherapie in Kombination mit einer medikamentösen Behandlung durch Antidepressiva gilt heutzutage als Standard. Nachdenklich stimmt allerdings die geringe Anzahl therapierter Depressionen.

Etwa die Hälfte aller Depressionen bleibt unbehandelt - entweder weil Betroffene keine Hilfe suchen oder die Erkrankung nicht diagnostiziert wird, wenn sie sich hinter körperlichen Symptomen verbirgt oder als Erschöpfung fehlgedeutet wird. In einigen Fällen wird auch nicht fachgerecht behandelt: Antidepressiva werden etwa zu kurz oder in zu geringer Dosierung verabreicht oder es wird eine unpassende Psychotherapieform angewandt.

Prävention: Das können Unternehmen tun

Um depressiven Erkrankungen ihrer Mitarbeiter vorzubeugen, sollten Unternehmen eine offene, teamorientierte Unternehmenskultur schaffen. Dazu gehört nicht nur, dass Führungskräfte und Personalverantwortliche über Depressionen informieren und über präventive Maßnahmen aufklären, sondern auch in ihrem Verhalten vorleben, was im Unternehmen wichtig ist. Sie sollten als vertrauenswürdige Ansprechpartner für Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Das Motto hierbei sollte sein:

„Hinschauen statt wegsehen und Ansprechen statt Schweigen.“

Zu den präventiven Maßnahmen gehören beispielsweise soziale und körperliche Aktivitäten, ausreichende Möglichkeiten zur Ruhe und Entspannung sowie stabile Tagesstrukturen und ausreichend Schlaf. Weil Depressionen häufig eine Reaktion auf eine starke Überforderung darstellen, ist es im Sinne der Prävention wichtig, dass sich betroffene Mitarbeiter eigene Stärken und Schwächen vor Augen führen.

Menschen, die auf ihre Stärken stolz sind und ihre Schwächen kennen und akzeptieren, sind besser vor Depressionen geschützt, als Menschen, die dazu neigen, zu streng mit sich selbst ins Gericht zu gehen. Dazu gehört natürlich eine Unternehmenskultur, die auch Schwächen ihrer Mitarbeiter zulassen kann. Wichtiger ist allerdings, die Stärken zu fördern.

Ein Zauberwort für die Prävention depressiver Erkrankungen heißt nämlich »Resilienz« (Widerstandsfähigkeit) - die Fähigkeit, die Mitarbeiter in die Lage versetzt, erfolgreich mit belastenden Lebensumständen und Stress umzugehen.

Es gibt verschiedene Wege, Resilienz zu lernen. Dazu gehören vor allem

  • das Trainieren einer optimistischen Lebenshaltung,
  • zu lernen, Schicksalsschläge anzunehmen und zu akzeptieren,
  • lösungsorientiert an Probleme heranzugehen,
  • Verantwortung zu übernehmen,
  • und die Fähigkeit, sich ein funktionierendes soziales Netzwerk aufzubauen
  • sowie die Zukunft zu planen.