Belastungen am Arbeitsplatz: Die eigene Wahrnehmung zählt!

Veröffentlicht am 7. August 2014 in der Kategorie Management & People Skills von

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Wenn ich Sie heute fragen würde wie sich die Welt der Arbeit verändert hat – was würde Ihnen einfallen? Tendenziell eher die Erleichterungen und neuen Möglichkeiten, oder die Belastungen und Unsicherheiten? Bei allen bedenklichen Nachrichten aus der Welt der Arbeit gilt es, bewusst zu relativieren.

Belastungen am Arbeitsplatz: Die eigene Wahrnehmung zählt!Wer Gutes sucht - der findet es!

Bedenken wir immer, dass unsere Wahrnehmung von unseren Gedanken, Erfahrungen, Erwartungen und Gefühlen geprägt ist und von dem, was wir in unserem Alltag gewohnt sind. Dazu gehört eine tendenziell eher negative Berichterstattung unserer Medien auch über die Arbeit und diesbezügliche Umfragen und Analysen.

Die Unternehmensberatung Towers Watson hat in der Global Workforce Studie 2010 20.000 Mitarbeiter in 27 Ländern befragt und 67 % hoch und moderat motivierte und nur 6 % nicht motivierte Menschen gefunden. Haben Sie davon gelesen? Wahrscheinlich nicht. Viel lieber werden die Ergebnisse der Gallup Studien aufgegriffen, die schlechte Motivation und innere Kündigung berichtet.

In der TK Stressstudie 2013 sagten 48 % der Befragten, dass Stress anspornend sei. Auch wenn man sich die Handlungshilfe für die Praxis der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin näher betrachtet relativiert sich die Einordnung.

Arbeitsbedingter Stress: positiv oder negativ?

Arbeitsbedingter Stress wird verstanden als „emotionale und psychophysiologische Reaktion auf ungünstige und schädliche Aspekte der Arbeit, des Arbeitsumfeldes und der Arbeitsorganisation. Stress ist ein Zustand, der durch hohe Aktivierungs- und Belastungsniveaus gekennzeichnet ist und oft mit dem Gefühl verbunden ist, man könne die Situation nicht bewältigen“ (Europäische Kommission, Generaldirektion V, 1997).

Der Begriff „Belastung“ ist in unserem Sprachgebrauch eher negativ belegt. Wird aber zunächst als Anforderungen von außen aus Arbeitsumfeld, der Arbeitssituation oder Arbeitsumgebung sowie organisatorischen Rahmenbedingungen verstanden.

Es kommt zu einer „Beanspruchung“ der Person mit Reaktionen auf körperlicher und psychischer Ebene. Und diese können negativ genauso gut aber auch positiv sein!

Positiv wäre der Erhalt und Ausbau der Leistungsfähigkeit, Erweiterung von Fähigkeiten und Fertigkeiten, Steigerung von Motivation, Arbeitszufriedenheit und Gesundheit.

Dem stehen negative Gefühle gegenüber - das Gefühl der Überforderung, Fehler, Minderleistung, Beeinträchtigung der Fertigkeiten, Fähigkeiten und Gesundheit.

Das Zusammenspiel von äußeren Umständen und eigener Wahrnehmung

Belastungen am Arbeitsplatz: Die eigene Wahrnehmung zählt!Externe Anforderungen am Arbeitsplatz treffen immer auf interne Leistungsvoraussetzungen. Dies wird bei der Betrachtung der Veränderungen in der Arbeitswelt gern außer Acht gelassen. In der Regel werden ja nicht objektiv negative Belastungen wie fehlendes Licht oder Lärm beklagt, sondern subjektiv als negativ erlebte Belastungen.

Ist eine größere Arbeitsmenge an sich ein Problem? Nur in einem bestimmten Ausmaß. Oft geht es aber eher darum, dass die Arbeitsorganisation nicht angepasst wird, Perfektionismus zu viel Zeit kostet oder die betreffende Person nicht „nein“ sagt, wenn ihr zu viel Arbeit angetragen wird.

Eine negative Summe beider Seiten, also zum Beispiel zu hohe Anforderungen bei nicht angemessenen Fähigkeiten oder Führungsaufgaben ohne Vorbereitung darauf, erleben wir als negativen Stress. Wenn wir uns nicht weiter bilden, körperliche nicht fit sind oder schlecht geschlafen haben, können sogar geringste Anforderungen eine Überforderung für uns darstellen.

Erholung und Engagement gehen Hand in Hand

Mit der Frage des Zusammenhangs von Erholung und Arbeitsengagement beschäftige sich eine Arbeitsgruppe um Evangelia Demerouti. Das Arbeitsengagement einer Person ist relativ stabil mit Variationen an verschiedenen Tagen. Eine hoch engagierte Person hat also auch einmal Tage mit wenig Engagement und umgekehrt. Dies hängt mit aktuellen Ereignissen zusammen. Der Arbeitsalltag ist ein Zyklus von Arbeit und Erholung. Morgens ist man am fittesten, dann kommt die Anstrengung bei der Arbeit. Während der Arbeit wird Kraft verbraucht, die durch Pausen oder den Feierabend wieder aufgefüllt wird.

Die Studie zeigte, dass das Erholungsniveau am Morgen das Arbeitsengagement vorhersagt und das Arbeitsengagement zu einem besseren Erholungsniveau führt. Das Engagement wird dabei von situativen Komponenten beeinflusst und zwar negativ durch Einflüsse, die Ärger oder negative Emotionen auslösen und die Aufmerksamkeit von der Arbeit lenken.

Mehr aber noch von z.B. einem Mangel an Informationen oder fehlenden Mitteln, die verhindern, dass die Arbeit einfach getan werden kann und extra Anstrengung benötigen.

Bemerkenswert war auch das Ergebnis, dass hohes Arbeitsengagement nicht zu emotionaler oder physischer Erschöpfung führt die das Privatleben negativ beeinflusst. Vielmehr gingen Menschen nach einem engagierten Tag mit einem besseren Erholungsniveau nach Hause als nach einem wenig engagierten.