Unternehmensnachfolge im Familienunternehmen: So findet man den passenden externen Geschäftsführer

Veröffentlicht am 14. Januar 2014 in der Kategorie Management & People Skills von

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Unternehmensnachfolge im Familienunternehmen: So findet man den passenden externen GeschäftsführerFamilienunternehmen in der deutschen Wirtschaft zeichnen sich durch eine herausragende wirtschaftliche und auch gesellschaftliche Entwicklung aus. Sie sind stark geprägt durch ihre Inhaber, deren Familie und Gesellschafter.

Die Unternehmenskultur ist bestimmt durch ein langes in der Unternehmerfamilie gewachsenes, gepflegtes und gelebtes Werte- und Zielsystem. Klassische Tugenden und Werte wie Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Vertrauen sowie Qualität und Verantwortungsbewusstsein haben bei Familienunternehmen einen besonderen Stellenwert, der sie maßgeblich von Publikumsunternehmen unterscheidet.

Jeder zweite externe Geschäftsführer scheitert

Welche Führungskraft von außen passt nun in so ein besonderes Unternehmen? Insbesondere wenn Geschäftsführerpositionen von außen besetzt werden sollen, spielen die besonderen Eigenschaften von Familienunternehmen eine große Rolle. Die Gründe, einen externen Geschäftsführer einzustellen sind vielfältig.

Teils ist in den eigenen Reihen der Familie niemand zu finden, teils ist es aber auch eine ganz bewusste Entscheidung um beispielsweise gezielt bestimmte Kompetenzen oder fachliches Know-how in das Unternehmen zu holen. Die Erfolgsquote von externen Geschäftsführern in Familienunternehmen ist jedoch gering. Nahezu jeder zweite Fremdgeschäftsführer scheitert in den ersten beiden Jahren seiner Tätigkeit.

Die aktuelle Studie „Das Verhältnis von familieninternen geschäftsführenden Gesellschaftern und externen Geschäftsführern", setzt sich mit den Ursachen des Scheiterns auseinander.

Konflikte durch unbekannte Vorgehensweisen & Persönlichkeit

Der neue Geschäftsführer ordnet an, sämtliche Fertigungsprozesse umzustellen ohne vorher mit den Produktionsleitern intensive Gespräche geführt zu haben. Über seine Entscheidung informiert er die Gesellschafter erst, nachdem schon fast alles umgesetzt wurde?

Dies ist für einen erfahrenen Geschäftsführer aus einem Konzern meist selbstverständlich, die Gesellschafter im Familienunternehmen erwarten jedoch, dass alle Beteiligten eingebunden und sie regelmäßig über alles informiert werden.

Auch zeigt die Studie, dass keine fachlichen Gründe beim Scheitern vorliegen, sondern vielmehr die Gründe in der Person des Fremdmanagers selber liegen. Die Werte (wie z.B. Loyalität, Ehrlichkeit oder Vertrauen) und Ziele (wie z.B. nachhaltiges Wirtschaften, Generationendenken oder soziale Verantwortung) des Familienunternehmens stimmen oft nicht mit denen des Fremdmanagers überein. Ein Fazit der Studie ist, dass besonders Persönlichkeitsmerkmale innerhalb des Suchprozesses nach einem externen Geschäftsführer zu wenig professionell beleuchtet werden.

Wie findet man die richtige Führungskraft?

Im Vergleich zu Publikumsgesellschaften gibt es bei Familienunternehmen große Unterschiede hinsichtlich der Auswahlkriterien, die bei der Suche nach einem externen Geschäftsführer angesetzt werden. Familienunternehmer sollten neben der fachlichen Kompetenz verstärkt professionelles Augenmerk auf die Persönlichkeit eines potentiellen Geschäftsführers legen.

  • Wie kommuniziert der Fremdgeschäftsführer in Alltags- und Konfliktsituationen, passt dies zu den Erwartungen der Gesellschafter?
  • Welche Kriterien legt er bei Entscheidungen an, die für gravierende Änderungen im Unternehmen sorgen – zählt der Mitarbeiter und die langfristige Sicherung der Wirtschaftlichkeit oder geht es um primäre kurzfristige Kostensenkungen?

Die Sichtung des Lebenslaufs und ein Interview alleine reicht hier nicht aus, um bisheriges und zukünftiges Verhalten bestimmen zu können. Der Einsatz von diagnostischen Verfahren beispielsweise hilft, fundierte Aussagen über Persönlichkeitskriterien wie Loyalität, Anpassungsfähigkeit, Kommunikationsstärke oder Regelbewusstsein zu erhalten. Solide Beurteilungen lassen sich unter anderem aus dem beruflichen und auch familiären Hintergrund des potentiellen Fremdgeschäftsführers gewinnen.

Unternehmensnachfolge: Ein Fremdgeschäftsführer als Lösung!

Entscheidende Kriterien bei der Auswahl eines Fremdgeschäftsführer.

Testverfahren, Interviews & Probe-Diskussionen

Hierzu können bewährte Testverfahren eingesetzt werden, aber auch die strukturierte Analyse des Lebenslaufs und der Zeugnisse trägt zu einer soliden Entscheidung bei. Ergänzt wird die Analyse durch strukturierte Interviews in der sich beide Seiten besser kennen lernen können. Lassen Sie den zukünftigen Geschäftsführer eine Präsentation erstellen und halten und steigen in intensive Diskussionen zu konkreten Fällen und Ihrer Unternehmensstrategie ein. Nur so können Sie hinter die Fassade von Bewerbern blicken und die richtige Entscheidung für Ihr Unternehmen treffen.

Die Studie zeigte deutlich, dass Fremdgeschäftsführer, die bereits in Familienunternehmen tätig waren, das Zusammenspiel zwischen Gesellschafter und Fremdmanager besser kennen und damit erfolgreicher mit Familienunternehmern zusammenarbeiten.

Gemeinsame Ziele: Gleiches Wertesystem & langfristige Steigerung

Gesucht wird meist kein Manager, der sich ausschließlich auf einen erfolgreichen Quartalsabschluss konzentriert. Dass der Geschäftsführer von außen die gleiche Vision wie die Inhaberfamilie teilt und deren Wertesystem antizipiert, ist mindestens genau so von Bedeutung wie die Ausrichtung des Unternehmens auf langfristige Steigerung des Unternehmenswertes und organisches Wachstum. Nur wenn diese Parameter vom externen Geschäftsführer erfüllt werden, kann dieser langfristig erfolgreich das Unternehmen leiten und einen reibungslosen Übergang auch in die nächste Generation vorbereiten.

(Bild: © Gabriela Jaecker)