Was ist Systemisches Coaching und wo liegen die Grenzen?

Veröffentlicht am 4. November 2011 in der Kategorie Management & People Skills von

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Alles in einem Topf? Coaching ist weder Training noch Beratung!Coaching schafft Freiheit zum Denken, Fühlen und Handeln. Im Coaching können Einstellungen, Perspektiven, Pläne und Ziele, sowie nächste Schritte reflektiert oder auch neu gedacht werden. Coaching ermöglicht bedeutsame Schritte und das persönliche Arbeiten am eigenen Leben. Coaching fragt nach dem WIE! Es fokussiert auf die Handlungsoptionen und Möglichkeiten ohne persönliche Grenzen zu vernachlässigen.

Coaching, so wie wir es heute verstehen, hat eine tiefe Reife erreicht. Es ist nicht mehr vergleichbar mit der „Werkzeugkistenartigen“ Technik von früher, deren Zugang das „Reparieren“ war. Repariert wurde mit Coaching immer dort, wo ein Defizit entstanden war und an Stellen, an denen jemand Fehler gemacht oder versagt hatte.

Der systemische Coach stellt den Coaching-Klienten voll und ganz in den Mittelpunkt, unterstützt und wertschätzt ihn 100%-ig. Der Klient arbeitet selbstverantwortlich an seiner eigenen Lösung. Coaching befähigt den Klienten, selbst die Richtung und Wegänderung zu definieren. Die Lösungen kommen im Coaching von demjenigen, der das Problem hat.

Dies ist auch der größte Unterschied zu anderen Beratungsformen. Die Unterstützung liegt in der Hilfe, die Lösung in und durch sich selbst zu suchen und zu finden. Und nur so passt dann auch das Ergebnis optimal zur Person, zur Situation und dessen Umgebung. Gleichzeitig nimmt es den Hilfesuchenden wertschätzend ernst. Systemisches Coaching geht davon aus, dass nur der Klient die am besten passende (Problem-) Lösung finden kann – und niemand anders.

Was ist Coaching NICHT?

Systemisches Coaching ist kein Navigationsgerät, das Richtungen und Wege vorgibt. Ein gelungenes Coaching-Gespräch ist keine Beratschlagung oder Suggestion (etwas so oder anders zu tun), sondern es ist genau das Gegenteil davon.

Wo sind die Grenzen des Coachings?

Die Chemie und Beziehung zwischen Coach bzw. Berater und Klient muss stimmen. Es ist kein Geheimnis, dass die Beziehung zwischen zwei Personen ein zentrales Element in der Begleitung von Menschen ist. Gegenseitiges Vertrauen ist unerlässlich. Ohne Vertrauen ist eine Coaching-Arbeit und ihr Ergebnis immer eingeschränkt. Zentrale Frage ist hier: Kann ich als Coaching-Klient bei meinem Gegenüber darauf vertrauen, dass ich von ihm angenommen und wertgeschätzt werde? Vertraue ich meinem Coach und kann ich mich in der Arbeit ganz und gar auf mich konzentrieren?

Für Klienten in Unternehmen stellt sich die Frage nach einem internen oder externen Coach. Interne Coaches haben folgende Vorteile:

  • Sie haben Verständnis für die unternehmerischen Zusammenhänge und Zugang zu Führungskräften und Mitarbeitern in Schlüsselpositionen.
  • Sie können kurzfristig agieren.
  • Sie sind ideale Unterstützer für zeitlich oder inhaltlich klar abgrenzbare Anliegen.

Externe Coaches haben folgende Vorteile:

  • Sie können längere und (zeitlich) intensive Beratungsprozesse begleiten.
  • Sie haben mit Top-Level-Führungskräften kein Problem mit dem Thema „gleiche Augenhöhe“.
  • Sie können bei „politisch“ heiklen Anliegen durch „Neutralität“ punkten und effektiver sein.

Wo beginnt Therapie?

Coaching ist eine Methode, die es dem „Probleminhaber“ ermöglicht, dieses selbst und selbstverantwortlich zu lösen, zügig und zielorientiert. Im Gegensatz zu Coaching-Klienten erwarten Menschen in einer Therapie Heilung; und benötigen häufig – sicher nicht immer – weiterführende Unterstützung und Hilfe.

Die Frage nach „Wo beginnt eine Therapie?“ hängt eng zusammen mit der Frage nach „Wo liegt die Grenze zwischen gesund und krank?“. „Gesund“ zu „krank“ bewegt sich auf einer kontinuierlichen Achse und es gibt vielfältige Ursachen und Auslöser. Der Weg eine Erkrankung festzustellen, ist hoch komplex und bedarf therapeutischer Ausbildung und Erfahrung. Eine behandlungsbedürftige Erkrankung zu diagnostizieren, sollte deshalb in jedem Fall in den Händen von dafür ausgebildeten Experten und Therapeuten liegen.

Tipp für Coaching-Klienten

Sprechen Sie den Coach offen an, ob er bei Ihrer Problematik eine Therapie geeignet fände. Oder Sie suchen sich, sollten Sie sich nicht sicher sein, ob das Thema auf eine psychische Erkrankung hinweist, einen Coach, der auch eine (klinische) Psychotherapieausbildung abgeschlossen hat (z.B. bei der der Ärzte- oder Psychotherapeutenkammer). Dieser kann sicherlich eine fundierte Antwort und Einschätzung abgeben.

(Bild: © shoot4u – Fotolia.de)