Soft Skills: Nur was für Weicheier?

Veröffentlicht am 16. August 2011 in der Kategorie Management & People Skills von

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Soft Skills: Nur was für Weicheier?„Indianer kennen keinen Schmerz“ oder „Nur die Harten kommen in den Garten“ – diese Sprüche kennt jeder. Die Redensarten dienen meist im Sport als Ansporn zur Höchstleistung gegen die eigenen Körpersignale und für Unternehmer als Rechtfertigung für einen autoritären Führungsstil sowie Raubbau am eigenen Leben zum Wohle der Firma.

Kurzfristig mag diese Haltung Sinn machen und Erfolg bringen. Langfristig gefährdet man damit sein eigenes Werk – egal ob Körper oder Unternehmen. Wir sind nicht nur Unternehmer sondern immer auch individuelle Menschen. Je mehr es gelingt, das eigene Unternehmertum mit der Persönlichkeit in Einklang zu bringen, umso nachhaltiger wird das Tun. Persönliche und soziale Kompetenzen (Soft Skills) als Bindeglied zwischen unternehmerischer Idee und menschlicher Umsetzung finden sich in drei Feldern wieder:

  • Im Umgang mit sich selbst
  • Im Umgang mit anderen
  • In Führungsstil und Zusammenarbeit

Umgang mit sich selbst

Streichen Sie aus dem modischen Begriff „Work and Life-Balance“ das erste Wort. Es geht um „Life-Balance“ – egal ob in der Arbeit oder im Privaten. Als Führungskraft und Unternehmer haben Sie wenig Zeit, sich mit Ihren Befindlichkeiten zu beschäftigen. Und so ist es dann häufig ein körperliches Stoppsignal wie chronische Magenschmerzen, welches einen zwingt, sich mit dem zu befassen, was man lange nicht sehen wollte oder konnte.

Die grundlegende Basis für einen kompetenten Umgang mit sich selbst ist ein entwickeltes und gesundes Selbstwertgefühl. Das sollte nicht verwechselt werden mit Selbstvertrauen. Was ist der Unterschied? Selbstvertrauen bezieht sich auf unsere Fähigkeiten, wie zum Beispiel als Ingenieur technisch herausfordernde Projekte stemmen zu können. Ein entsprechendes Studium und erlebte Praxis bauen dieses Vertrauen auf. Nur manchmal erleben wir, dass Einser-Absolventen schüchtern und ängstlich reagieren. Dann heißt es schnell, Ihnen fehle Selbstvertrauen. Das stimmt nicht! Was Ihnen fehlt, ist ein stabiles Selbstwertgefühl.

Das Selbstwertgefühl hat nichts damit zu tun, welche Fähigkeiten jemand besitzt, wie gut jemand in bestimmten Bereichen ist, oder was er alles unternehmerisch erreichen kann. Das Selbstwertgefühl hängt mit dem Bewusstsein davon zusammen, wer Sie sind und wie Sie sich selber darauf beziehen, wer Sie sind. Hier stellen sich grundlegende Fragen wie:

  • Wer bin ich?
  • Was ist der Sinn meines Tuns?
  • Was sind meine Werte?

Einfache Fragen, die häufig nicht einfach zu beantworten sind. Je fester Sie in Ihrem Selbstwertgefühl verankert sind, umso mehr werden Sie Ihr Selbstvertrauen in Ihre Fähigkeiten nutzen können. Ihr unternehmerisches Wirken steht dann auf einem festen persönlichen Fundament. Ein schwieriges Gespräch mit der Hausbank lässt sich mit einem guten Selbstwertgefühl ganz anders angehen, als wenn die Kreditabsage zugleich als Absage an die eigene Person gewertet wird.

Umgang mit anderen

Wie Sie mit Ihren Mitarbeitern, Kollegen und Kunden umgehen, hängt von Ihrem Selbstwertgefühl ab. Ist dieses gut ausgebildet, dann werden Sie es schaffen, achtsam und respektvoll anderen Menschen zu begegnen. Sie müssen ihnen und sich nichts beweisen. Aus unternehmerischer Perspektive ist dies ein sehr wertvoller Aspekt. Mit dieser Haltung wird es Ihnen gelingen, in einen konstruktiven und werthaltigen Dialog mit Ihrer Umwelt zu treten.

Dialogfähigkeit zeichnet aus, dass nicht auf reinen Positionen und Sachargumenten beharrt wird. Wer dies tut, der diskutiert. In der Diskussion bleiben persönliche Beweggründe außen vor. Das macht Sinn, wenn es um die Lösung eines technischen Problems geht. Im Umgang mit Menschen kann man sich viel verbauen mit einer reinen Diskussion. Wer mit seinem Kunden über einen Vertrag diskutiert, wird als typisches Ergebnis einen vorhersagbaren Kompromiss, mit dem jeder leben kann, ernten. Häufig ist dies nicht das Beste für das Unternehmen oder für das Produkt. Ein schaler Beigeschmack bleibt hängen. Einer fühlt sich eventuell trotzdem als Gewinner oder Verlierer.

Im Dialog hört man einander bis zum Ende an. Es gilt, gegenseitig zu ergründen und zu verstehen, wieso und wozu der Gesprächspartner das, was er sagt, ausspricht. Gemeinsam im Dialog entwickelte Lösungen sind tragfähiger und nachhaltiger, da es keinen Gewinner oder Verlierer gibt. Die für einen Dialog aufgewendete Zeit und Kraft ist gut investiert in die Zukunft Ihres Unternehmens. Ein im Dialog verhandelter Vertrag führt zu einer Wertsteigerung für beide Partner. Je stärker Sie als Unternehmer aus Ihrem Selbstwertgefühl und -vertrauen schöpfen, umso weniger Energie kostet Sie ein Dialog. Es ist einfach Bestandteil Ihres Führungs- und Kommunikationsstils.

Stil der Führung und Zusammenarbeit

Als Unternehmer stehen Sie in einer Wechselwirkung mit vielen Faktoren, die das System eines Betriebes bilden.

  • Ihre Mitarbeiter
  • Ihre Kollegen
  • Ihre Kunden
  • Ihre Gesellschafter

Neben diesem inneren Kreis, mit dem Sie tagtäglich kommunizieren und umgehen müssen, kommt noch ein äußerer Kreis dazu, der Ihre Aufmerksamkeit verlangt:

  • Der Markt für Ihre Produkte
  • Die gesellschaftliche Verantwortung als Unternehmer
  • Die ökologische Verantwortung als Unternehmer
  • Ihr persönliches Leben

Alle acht Faktoren haben eigene Anforderungen und Wünsche an Sie. Das Gemeine daran ist, dass diese Faktoren ohne Rücksicht auf Verluste versuchen, sich bei Ihnen Gehör zu verschaffen. Entweder Sie schaffen es, wie ein Dirigent die Vielstimmigkeit in den Griff zu bekommen, oder das Musikprogramm entgleitet Ihnen. Als Arbeitgeber und als zu beauftragendes Unternehmen aus Kundenperspektive gewinnen Sie an Attraktivität, je ausgeglichener Sie Ihr Unternehmen managen.

Neben den fachlichen Kompetenzen wie betriebswirtschaftlichem und produktbezogenem handwerklichem Know-How brauchen Sie soziale Kompetenzen, um in der Zusammenarbeit und Führung das Beste herauszuholen. Fachliche Kompetenzen können Sie lernen und sich anlesen. Soziale Kompetenzen gehen tiefer. Diese können Sie sich nur durch Erfahren und Erleben aneignen. Innerhalb von Führungs- und Kommunikationsseminaren werden leider häufig nur Werkzeuge und Tricks für diese „weichen“ Kompetenzen vermittelt. Das kann nicht fruchten, wenn der Boden nicht dazu bereitet ist. Im Idealfall haben Sie ein gutes Selbstwertgefühl, auf dem Sie Ihr Selbstvertrauen in Ihre fachlichen und sozialen Kompetenzen aufbauen. Wenn nicht, dann fangen Sie mit dem Selbstwertgefühl an, der Rest kommt dann spielend von alleine hinzu.

Anregungen zur Selbstreflexion

  • Wer bin ich?
  • Was ist der Sinn meines Unternehmertums?
  • Wann habe ich das letzte Mal diskutiert? Was war das Ergebnis?
  • Wann habe ich das letzte Mal einen Dialog geführt? Was war das Ergebnis?
  • Wie ist meine Wahrnehmung von mir als Führungskraft?
  • Wie nehmen mich meine Mitarbeiter als Führungskraft war?
  • Welche sozialen Kompetenzen habe ich? Wo wende ich sie gut an und wo nicht?

(Bild: © medien|design)