SOA Retrospektive – Hype oder Flop?

Veröffentlicht am 14. Januar 2009 in der Kategorie IT & Technik von

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SOA Retrospektive - Hype oder Flop?

Das Austreiben der bösen Geister durch Feuerwerk ist ein fester Bestandteil unserer Kultur. Genauso ist es etabliert, am Anfang des Jahres Voraussagen zu treffen, welche Technologien zum Hype werden und welche Begriffe definitiv tot sind. Bei den Hypes gibt es in der Blogsphere eine große Anzahl von Kandidaten. Ganz vorne mit dabei sind Social Networks, Mobile Integration, Cloud Computing, SaaS (Software as a Service) und Virtualisierung.

SOA als Verlierer

Zu den Verlierern bei der Aufmerksamkeit des Marktes soll SOA (Service Oriented Architecture) gehören. Überhaupt wurde die Idee dahinter falsch verstanden. Es geht nicht um die Service Oriented Integration (SOI) von Anwendungen, sondern um ein Bauplan für die IT Architektur des Unternehmens.

Die anhaltende Wirtschaftslage wird dazu führen, dass immer weniger Unternehmen strategische Investitionen in den Umbau der Unternehmensarchitektur tätigen.

Einige provokante Artikel haben zu durchaus ausgewogenen Diskussionen geführt. Dabei ist man sich einig, dass der Umbau einer Unternehmensarchitektur langwierig ist, dass es darum geht, die Agilität zu steigern, und dass die meisten Erfolgsgeschichten (durch Anwender und vor allem Hersteller) von Integrationsprojekten erzählen, und nicht vom Umbau der Unternehmen.

SOA: Kein Zugzwang

Auf jeden Fall wird es nicht mehr zwingend notwendig werden, allen Produkten den SOA Stempel aufzudrücken. Ebenso wird niemand mehr den Versprechen der Tools Hersteller glauben, dass SOA mit Software umgesetzt wird. Die letzten Anbieter, die hoffentlich noch diese Einsicht bekommen werden, sind die Anbieter von SOA Governance Lösungen.

Welche Konsequenzen haben die Diskussionen auf die Position der KMUs gegenüber SOA? Welche Gründe gibt es, eventuell die IT Architektur umzustellen, welche SOA Tools sollen eingesetzt werden oder soll SOA doch komplett ignoriert werden?

Die Antwort ist nicht für jedes Unternehmen gleich, lässt sich aber einfach aus den folgenden Fragen ableiten:

  • Ist die IT in Ihrem Unternehmen ein wesentlicher Kostenfaktor und sehen sie Einsparungspotential im Betrieb? (Integration)
  • Haben Sie eine Heterogene Systemlandschaft? (Integration)
  • Ist die IT ein wesentlicher Faktor für den Unternehmenserfolg?
  • Erwarten Sie regelmäßige Anpassungen an der Architektur, um auf die Kundenbedürfnisse einzugehen? (Architektur)
  • Haben Sie bei der Bereitstellung von Diensten (eCommerce, CRM, Kontaktcenter) für Kunden Probleme, auf Daten von mehreren IT Systeme zuzugreifen? (Architektur/Integration)
  • Setzen Sie Anwendungen ein, die Sie selbst entwickelt haben, oder für Sie erstellt wurden? (Architektur)
  • Haben Sie eine eigene IT Abteilung, die Ihre Systeme betreibt und konzeptioniert? (Architektur)

Wenn keiner der Punkte für Sie zutrifft, so können Sie ruhigen Gewissens dem abgefahrenen Zug SOA nachschauen.

Klassische homogene Lösungen (integrierte Pakete wie sie im PC oder Midrange Bereich üblich sind) benötigen keine verteilte Webservice Architektur mit Governance Lösungen und Integrationstools. Allerdings sollte man regelmäßigen den Status hinterfragen. IT Wildwuchs kann schnell einsetzen und SOA sollte bei Investitionsentscheidungen immer im Hinterkopf behalten werden:

  • Haben neue Anwendungen Schnittstellen, werden Lösungen entwickelt, die modular aufgebaut werden?
  • Ist die IT auf Flexibilität hin ausgerichtet?

Weiterführende Artikel zum Thema SOA

Weil ich hier keinen SOA-im-Mittelstand Einführungsartikel schreibe, verweise ich für alle Unternehmen, die auf einen Großteil obiger Fragen mit Ja geantwortet haben, auf das Artikelserie im T-Systems MMS SOA Blog von 2007:

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