SEO auf Russisch: Backlinks sind kein Rankingfaktor mehr!

Veröffentlicht am 3. Juli 2015 in der Kategorie IT & Technik von

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Gutes Suchmaschinenraking ohne Backlinks? Geht das?Der russische Suchmaschinenprovider Yandex hat seinen Kampf gegen Webspam deutlich verschärft. Das Unternehmen hat Ende 2013 mit der Ankündigung auf sich aufmerksam gemacht, auf Backlinks als Rankingkriterium für kommerzielle Suchanfragen in der Metropolregion Moskau verzichten zu wollen. Dass Backlinks nun doch wieder berücksichtigt werden, ist kein Rückschritt wie zunächst vermutet, sondern eine weitere Maßnahme gegen manipulative SEO-Techniken.

Das Vorspiel: Kampf gegen Spam

Suchmaschinenprovider gingen von Beginn an gegen die Manipulation ihrer Suchergebnisse vor und werden in diesem Kampf gegen Spam immer besser. Dabei ist der russische Suchmarkt insbesondere von Spam betroffen. So bestätigte Alexander Sadowsky, Head of Web Search bei Yandex, dass 98 Prozent aller eingehenden Verlinkungen auf kommerzielle Websites nur Spam bzw. gekaufte Links seien.

Die logische Konsequenz für Yandex war es deshalb, Ende 2013 Backlinks nicht mehr als Rankingfaktoren bei der Bewertung einer Webseite heranzuziehen. Diese Maßnahme beschränkte man bei Yandex vorerst auf die Metropolregion um Moskau und nur auf Suchanfragen mit Kaufabsicht (kommerzielle Suchanfragen).

Um den Wegfall von Backlinks als Rankingfaktoren zu kompensieren, nutzt der Suchalgorithmus verstärkt OnPage-Faktoren, um die Relevanz einer Website zu einer Query zu bestimmen.

Dabei kommen Techniken wie Machine Learning oder Predictive Modelling zum Einsatz. Sie helfen der Suchmaschine anhand von über 800 verschiedenen Faktoren dabei, eine Vorhersage zu treffen, wie wahrscheinlich eine (frisch) indexierte Webseite die Erwartungen der User erfüllt.

Großes Aufsehen in der SEO-Branche

Der Verzicht auf Backlinks, in einem vorerst beschränkten Suchbereich, sorgte in der SEO-Branche für große Aufmerksamkeit. Es wurde in diesem Zusammenhang erstmals von „Linkless Ranking“ gesprochen, der Möglichkeit, gute Positionen in den SERPs auch ohne Backlinks zu erzielen. Auch Google setzt seit einiger Zeit verstärkt auf Nutzersignale wie Verweildauer und Bounce Rates, um zu prüfen und vorauszusagen, ob eine Webseite den Nutzererwartungen entsprechen kann.

Yandex geht bei dieser Methode noch einen Schritt weiter. Die Suchmaschine vergleicht zwar auch Nutzersignale von ähnlichen Webseiten, doch stellt darüber hinaus zunächst eine Hypothese auf, ob eine Seite eine bestimmte Nutzeranfrage befriedigen wird, um diese im nächsten Schritt zu belegen oder zu falsifizieren.

Ohne die Berücksichtigung von Backlinks nähern sich Suchmaschinen dem Ziel an, das Ranking von Websites ermitteln zu können, ohne dass manipulative Offpage-Faktoren Einfluss darauf haben. Langfristig gute Rankings können in diesem Fall nur noch diejenigen Webseiten erhalten, die das bestmögliche Ergebnis für die Suchenden bereitstellen.

Konsequenzen für Webmaster

Diese Herangehensweise soll in der Theorie dafür sorgen, dass auch schlecht verlinkte Webseiten gute Rankings erzielen können. Wenn sie bereits im Longtail durch positive Nutzersignale und weitere OnPage-Faktoren, wie kurze Ladezeiten und hochwertigem Content, überzeugen bzw. die durch die Suchmaschine aufgestellte Hypothese zur voraussichtlich guten User Experience bestätigen konnten.

In Folge dessen müsste sich die gute Nutzererfahrung dann positiv auf die gesamte Performance der Webseite in den SERPs auswirken. Folglich müsste die Seite auch bei Shorttail-Anfragen Top-Positionen erreichen können.

Webmaster sollten deshalb die meiste Energie auf eine gute OnPage-Optimierung legen und ihr Webdesign möglichst nutzerfreundlich gestalten. Optimierung mit gekauften Links darf keine Rolle mehr spielen. Vielmehr ist bei gutem Content und einer positiven UX davon auszugehen, dass Backlinks von Usern freiwillig gesetzt werden.

2015 – die Links kommen zurück

Laut Firmenaussagen ist man bei Yandex mit den Ergebnissen der bisherigen Strategie, auf Backlinks als Rankingfaktoren bei kommerziellen Suchanfragen im Raum Moskau zu verzichten, zufrieden. Allerdings bestätigte Alexander Sadovsky auf der Bynet Konferenz in Minsk, dass immer noch massiv Backlinks gekauft würden und sich die Menge an Kauf-Links nur um 16 Prozent verringert habe. Man gehe bei gleichbleibender Strategie davon aus, dass sich das Webspam-Problem erst in mehreren Jahren vollständig beheben ließe.

Deshalb hat man bei Yandex 2015 nun eine drastische Konsequenz gezogen, um BlackHat-SEOs in die Knie zu zwingen: Backlinks werden wieder für die Bewertung von Webseiten herangezogen. Allerdings können sie sich negativ auf das Ranking einer Website auswirken. Es soll sogar möglich sein, dass Webseiten mit zu vielen gekauften Backlinks nahezu ganz aus Yandex verschwinden. Wer Backlinks kauft, läuft bei Yandex folglich Gefahr, mit seiner Webseite digitales Harakiri zu begehen.

Um den Druck auf alle Webmaster in Russland und der ganzen Welt zu steigern, gelten die Anpassungen bei Yandex nun nicht mehr nur für kommerzielle Suchanfragen im Raum Moskau, sondern global.

Mögliche Konsequenzen wie z.B. Negative SEO fürchtet man bei Yandex nicht, da die Suchmaschine spezielle Algorithmen verwendet, die derartige Aktionen erkennen sollen. Man kann davon ausgehen, dass Yandex hier z.B. den Zeitpunkt der jeweils gesetzten Links oder die Menge der Links innerhalb eines bestimmten Zeitraums berücksichtigt.

Die Rückkehr der Links sollte alle BlackHat-SEOs weltweit aufhorchen lassen und dazu bringen, schnellstmöglich auf Linkkauf zu verzichten. Stattdessen sollten von nun an die gesamte Energie sowie das gesamte Linkkaufbudget umgehend in gut funktionierende Webseiten mit hochwertigen Inhalten zu stecken. So wird Nutzerzufriedenheit zur neuen SEO!