| 5. November 2008

Gründung & Selbständigkeit

11 Franchise-Fallen, die Gründer kennen sollten

Die Mehrheit der Franchise-Unternehmen verfolgt seriöse Absichten, doch auch im Franchising ist man vor schwarzen Schafen nicht sicher. Angehende Franchise-Nehmer sollten daher Unternehmen, mit denen sie einen Vertrag abschließen möchten, genau prüfen.

Heute nennen wie Ihnen elf mögliche Franchise-Fallen. Wenn auf ein Franchise-Angebot eines oder mehrere der folgenden Merkmale zutreffen, sollten Sie zumindest vorsichtig werden und weitere Nachforschungen über das Unternehmen anstellen. Wer sich die Vorauswahl von Franchise-Angeboten etwas erleichtern will, kann auf Systeme setzen, die den System-Check des Deutschen Franchise-Verbands (DFV) bestanden haben.

Denn so zertifizierte Franchise-Systeme erfüllen unabhängig geprüft wesentliche Grundanforderungen in Sachen Seriosität. Eine Liste mit Franchise-Systemen, die Mitglieder in nationalen Franchiseverbänden sind, findet sich zum Beispiel unter www.franchiseportal.de. Aber natürlich gibt es auch viele seriöse Franchise-Unternehmen, die – aus welchen Gründen auch immer – keine Verbandsmitglieder sind.

1. Chiffre-Anzeigen

Vorsicht ist geboten, wenn Franchise-Geber sich nicht zu erkennen geben. Hinter anonymen Angeboten können sich Unternehmen verbergen, die ein unausgereiftes Konzept anbieten oder nur am Aufbau einer Adressen-Sammlung für Vermittlungsgeschäfte oder zweifelhafte Angebote interessiert sind.

Seriöse Franchise-Geber haben normalerweise kein Interesse daran, sich hinter einer Chiffre-Anzeige zu verstecken, sondern setzen bei der Partnerwerbung auf ihren Markennamen. Darüber hinaus sollten Sie darauf achten, so genannte Struktur- oder Multi-Level-Vertriebe, die teilweise unter der Falschbezeichnung Franchising auf dem Markt auftauchen, von echten Franchise-Systemen zu unterscheiden.

2. Veranstaltungen von Franchise-Gebern

Veranstaltungen von potenziellen Franchise-Gebern sind, vor allem ab einer gewissen Größe und wenn Anmeldegebühren erhoben werden, mit Vorsicht zu genießen.

Denn wirklich informative Einzelgespräche sind in solch einem Rahmen kaum möglich. Seriöse Franchise-Systeme informieren Sie kostenlos und individuell über eine mögliche Franchise-Partnerschaft.

3. Unprofessionelle Selbstdarstellung

Misstrauisch werden sollten Sie, wenn Ihnen bei der Selbstpräsentation des Franchise-Systems auf der Internetseite oder in Broschüren Grammatik- und Rechtschreibfehler, logische Unstimmigkeiten sowie lückenhafte Darstellungen auffallen.

Seriöse Unternehmen legen Wert auf eine professionelle Außenwirkung. Wer dies nicht tut, ist möglicherweise auch in der täglichen Arbeit unprofessionell. Selbstverständlich sollten Sie auch professionell gestalteten Informationsmaterialien nicht blind vertrauen, sondern die Inhalte immer kritisch prüfen.

4. Keine Sprechstunde

Wenn Ihr potenzieller zukünftiger Franchise-Geber Ihnen einen Besuch in der Franchise-Zentrale verweigert, kann das ein Hinweis darauf sein, dass der Standort, das Gebäude oder die Mitarbeiter und Geschäftsführer selbst den Erwartungen an ein modernes Franchise-Unternehmen nicht gerecht werden.

Seriöse Franchise-Geber verstecken sich nicht, sondern haben im Gegenteil selbst ein starkes Interesse an einem gegenseitigen Kennenlernen.

5. Lockangebote

Versprechen von schnellem Reichtum sind in aller Regel nicht ernst zu nehmen, sondern ein klarer Hinweis auf ein unseriöses Franchise-Angebot. Seriöse Franchise-Geber sollten Chancen und Risiken einer Partnerschaft möglichst objektiv darstellen und auch auf mögliche Probleme hinweisen.

Der europäische Verhaltenskodex für Franchising, an den sich auch der Kodex des Deutschen Franchise-Verbands (DFV) orientiert, verlangt von Franchise-Unternehmen ausdrücklich solche  Grundsätze bei der Partnerwerbung einzuhalten. DFV-Mitglieder sind an diese Verhaltensrichtlinien gebunden.

6. Verleugnung eines Risikos

Franchise-Gebern, die mit Slogans wie Selbstständigkeit ohne Risiko oder Verdienstmöglichkeiten ohne Risiko werben, sollten Sie meiden. Selbstständigkeit ohne Risiko gibt es nicht.

7. Keine Referenzen

Der Teufel steckt im Detail. Selbst eine modern wirkende Systemzentrale oder durchgestylte Broschüren beweisen noch nicht, dass ein Franchise-Konzept erfolgreich ist. Seriöse Franchise-Geber können die Rentabilität ihres Systems mit konkreten Fakten belegen oder ermöglichen sogar den Kontakt zu langjährigen Franchise-Nehmern, damit Interessenten dort Infos aus der Praxis bekommen können.

Sollte die Franchise-Zentrale Ihnen solche Informationen verweigern, kontaktieren Sie einfach selbst einen Franchise-Partner des Systems. Eine andere Möglichkeit: Testen Sie als Kunde das System in einer oder mehreren Filialen.

Neu gegründete Franchise-Systeme, die noch keine Erfahrungswerte und konkrete Erfolgszahlen liefern können, bieten künftigen Partnern oft so genannte Pilotvereinbarungen. Auch hier sollten Sie das Risiko möglichst genau einschätzen und einen individuellen Vertrag aushandeln.

8. Persönliche Eignung

Seriöse Franchise-Geber sollten Ihrer persönlichen Eignung als Franchise-Nehmer ebenso viel Bedeutung bemessen wie Ihrer Finanzkraft. Das Franchise-System sollte bei Gesprächen mit Ihnen nicht nur Ihre Vermögenslage ins Zentrum stellen, sondern auch deutliches Interesse an Ihrem beruflichen Werdegang und Ihren fachlichen Fähigkeiten signalisieren.

Auch, wenn ein potenzieller Franchise-Geber Ihnen zu attraktive Finanzierungsangebote macht, könnten Sie das als Alarmsignal werten.

9. Druck beim Vertragsabschluss

Wenn ein Franchise-System Sie zeitlich unter Druck setzt, beispielsweise mit der Behauptung, es stehe nur eine begrenzte Zahl an Gebieten zu Verfügung, ist das ein Grund, misstrauisch zu werden. Seriöse Franchise-Geber lassen Ihnen genügend Zeit für Ihre Entscheidung.

10. Vermittler genau unter die Lupe nehmen

Wachsam sollten Sie auch gegenüber Vermittlern von Franchise-Partnerschaften sein. Solche Franchise-Berater leben meist von den Provisionen, die sie pro abgeschlossenem Franchise-Vertrag kassieren und haben deshalb ein Eigeninteresse, das Ihrem möglicherweise widerspricht. Daher sind solche Beratungen immer zu hinterfragen.

11. Unabhängige Prüfung des Vertrags

Auch bei Franchise-Verträgen gibt es klare Alarmsignale wie beispielsweise hohe und langfristige Verpflichtungen für den Franchise-Nehmer oder ein Gerichtsstand im Ausland. In solchen Fällen ist Skepsis angebracht. Auch einen unverdächtigen Franchise-Vertrag sollten Sie durch einen unabhängigen Spezialisten prüfen lassen.

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