Startup-Interview mit Wordycat: Online-Dating für Übersetzer & Kunden

Veröffentlicht am 14. August 2015 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Startup-Interview mit Wordycat: Online-Dating für Übersetzer & Kunden

Im Interview erzählt das Team von wordycat, wie sie die Übersetzungsbranche revolutionieren wollen, woher der Name "wordycat" stammt und sie verraten ihre persönlichen Tipps zum Thema Gründen:

unternehmer.de: Stellt euch und euer Unternehmen doch bitte kurz vor …

wordycat: wordycat ist ein exklusives Business-Netzwerk, in dem sich Sprachprofis und ihre Kunden auf Augenhöhe begegnen. Ein Kunde, der beispielsweise Forstmaschinen auf dem russischen Markt verkaufen möchte und hierfür Marketingtexte auf Russisch benötigt, empfiehlt wordycat den passenden Übersetzer oder Texter.

Hierzu nutzen wir ein speziell entwickeltes Matchingverfahren, das Netzwerkeffekten basiert und wissenschaftlich fundiert ist. Das funktioniert ein bisschen wie Online-Dating, aber mit inneren Werten!

Hinter wordycat stehen Dr. Marie-Luise Groß, Anja Müller und Stefan Walcz. Marie ist Expertin für Social Collaboration und hat für ihre Promotion Netzwerke von Freiberuflern erforscht, Anja ist freiberufliche Übersetzerin und Stefan unterstützt als Unternehmer und Berater Firmen seit 20 Jahren darin, online erfolgreich zu sein.

unternehmer.de: In welcher Gründungsphase befindet sich euer Unternehmen momentan?

wordycat: Nach vielen Monaten intensiver Vorbereitungszeit haben wir wordycat am 1. April 2015 gegründet. Seitdem konnten wir erste Kunden akquirieren und stecken gerade in einer heißen Phase der Weiterentwicklung unseres Netzwerks.

Mehr Anerkennung für Übersetzer & Dolmetscher

unternehmer.de: Wann und wie reifte in euch der Entschluss, ein eigenes Unternehmen auf die Beine stellen zu wollen?

wordycat: Ende 2013 hatte Marie die Grundidee auf der Falling Walls Konferenz in Berlin als Finalistin für den Titel „Young Innovator of the Year“ gepitcht. Zeitgleich riefen wir die Kampagne „love your translator“ für mehr Anerkennung für Übersetzer und Dolmetscher ins Leben, versendeten über 12.000 Sticker mit dem Motto in die ganze Welt.

Ein Jahr später kam Stefan dazu und hat damit unser Team mit wichtigen Erfahrungen und Fähigkeiten komplettiert und wir konnten mit der Unternehmensgründung beginnen.

unternehmer.de: Wie kam's zu diesem Namen?

wordycat: Wir wenden uns an Firmen, die sich auf dem internationalen Parkett stilsicher bewegen möchten. Sprachprofis wie Übersetzer und Texter helfen ihnen dabei. Es geht also um die Wahrung der Etiquette und den richtigen Umgang mit Worten.

Die englischen Begriffe word und etiquette bilden das Kofferwort „wordiquette“. Wenn Sie dieses Wort laut aussprechen, versteht man „wordycat“. Die Analogie zur „Wortkatze“ gefällt uns sehr gut, da Katzen sich stets trittsicher und elegant bewegen und immer auf ihre Füße fallen.

Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter realisiert

unternehmer.de: Welche Quellen standen euch bei der Gründung zur Verfügung? Wie habt ihr eure Existenzgründung finanziert / Wie finanziert ihr eure Existenzgründung?

wordycat: Bisher haben wir auf die Bootstrapping-Methode gesetzt und eigenes Kapital für die Finanzierung genutzt. Als eines der ersten deutschen Start-ups haben wir vor Kurzem eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter gelauncht, um unsere Idee am Markt zu testen und weiteres Kapital einzusammeln.

unternehmer.de: Hat euch jemand unter die Arme gegriffen bei eurer Gründung? Businessangel o.Ä.?

wordycat: Wir haben uns von einer Gründungsberaterin, unserem Steuerberater und Anwälten zu einzelnen Fragestellungen beraten lassen. Es ist wirklich wichtig, dass man Fachleute zurate zieht, beispielsweise beim Markenschutz. Sollte sich ein Businessangel für unsere Idee begeistern, freuen wir uns natürlich.

"Fail early, fail often" - Gründen als Lernprozess

unternehmer.de: Was waren eure größten Ängste und Bedenken bei dem Gedanken an eure Unternehmensgründung? Und was hat euch dazu veranlasst, es trotzdem zu wagen?

wordycat: Wir haben keine großen Bedenken oder Ängste, da wir von unserer Idee überzeugt sind und den Markt umkrempeln möchten. Im Vorfeld haben wir eine lebendige Community um unsere Idee aufgebaut und viel positives und konstruktives Feedback dazu erhalten. Für uns ist der Aufbau von wordycat auch ein Lernprozess, mit dem wir agil umgehen – frei nach dem Prinzip „fail early, fail often“.

unternehmer.de: Ihr steht zwar noch ziemlich am Anfang eurer Gründung, aber gibt es jetzt schon Sachen, die ihr heute anders machen würdet?

wordycat: Bisher gibt es nichts, was wir grundlegend anders machen würden. Uns ist aber aufgefallen, dass Außenstehende oft sehr schnell damit sind, ihre eigene Meinung zu einer Gründung oder einem neuen Produkt mitzuteilen. Feedback (sowohl positives als auch negatives) ist sehr wichtig. Dennoch sollte man sich als Gründer nicht verunsichern lassen und auf sein eigenes Gefühl vertrauen.

Gründe immer im Team!

unternehmer.de: Welche Tipps würdet ihr Menschen geben, die sich gerade im Moment mit dem Gedanken beschäftigen, ein Unternehmen zu gründen?

wordycat: Immer im Team gründen! Hierbei ist es wichtig, dass es vor allem zwischenmenschlich passt. Natürlich kann man das zu Beginn schwer einschätzen, aber man sollte sich wirklich intensiv miteinander auseinandersetzen und auch mal hart diskutieren können, ohne dass gleich einer beleidigt ist. Wir sind sehr unterschiedlich, ergänzen uns dadurch sehr gut und halten vor allem Ehrlichkeit und Offenheit für sehr wichtig.

unternehmer.de: Hat die Wirtschaftslage bei dem Entschluss, euch selbstständig zu machen, je eine Rolle gespielt?

wordycat: Die Wirtschaftslage nicht, aber die Lage in der Übersetzungsbranche, die mittlerweile erschreckende Züge annimmt. Unternehmen mit einem hohen Qualitätsanspruch an ihre eigenen Produkte suchen händeringend nach guten Freiberuflern. Das Übersetzungsvolumen steigt seit Jahren kontinuierlich.

Da die Berufsbezeichnungen

  • „Übersetzer“,
  • „Dolmetscher“ und
  • „Texter“

nicht geschützt sind, tummeln sich viele schwarze Schafe auf dem Markt. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden.

wordycat-interview-unternehmer-de

Das wordycat-Team: Dr. Marie-Luise Groß, Stefan Walcz und Anja Müller (v. l. n. r)

Erste Erfolge? Start der ersten weltweiten Kampagne!

unternehmer.de: Worauf seid ihr im Rückblick besonders stolz? Was waren eure größten Erfolge?

wordycat: Stolz sind wir auf unsere „love your translator“-Kampagne, die ein weltweiter Erfolg ist. Wir haben Übersetzer und Dolmetscher in jedem Winkel der Erde – sogar nahe des Nordpols – erreicht und erhalten täglich weitere Anfragen nach Stickern. Der Deal ist: Du bekommst Sticker, machst damit Fotos in Deiner Stadt und teilst sie auf Twitter und Facebook.

So können wir zeigen, dass wir Viele sind! Unser erster Erfolg mit wordycat ist, dass wir bereits die ersten Unternehmen davon überzeugen konnten, mit uns zusammenzuarbeiten.

unternehmer.de: Wie schafft ihr es, euch von Konkurrenzunternehmen abzuheben? An wen richtet sich euer Angebot?

wordycat: Da Online-Marktplätze bei vielen Sprachdienstleistern einen schlechten Ruf haben, werden wir immer wieder mit diesen verglichen. Aber wordycat setzt auf vollkommen andere Prinzipien: Der Preis sollte bei einer kreativen Dienstleistung niemals das einzige Auswahlkriterium darstellen. Wichtiger sind die Fähigkeiten der Übersetzerin, ihre Spezialisierung, und ihre Referenzen.

Wir arbeiten mit dem Empfehlungsprinzip, das – wie im wahren Leben auch – auf Vertrauen und Erfahrungen miteinander basiert. So bauen wir nach und nach ein Netzwerk von Geschäftspartnern auf, die sich darauf verlassen können, dass bei wordycat Profis mit Profis zusammenarbeiten. Wir richten uns an Sprachdienstleister und Unternehmen mit einem Fokus auf Qualität.

Nicht nur Arbeit im Kopf: Paläo-Tipps im Büro

unternehmer.de: Erzählt uns doch eine lustige Anekdote oder eine kuriose Begebenheit aus eurer Gründungsgeschichte!

wordycat: In Sachen Ernährung leben wir alle in der Steinzeit. Es hat sich so ergeben, dass wir uns eine zeitlang alle nach dem Paläo-Prinzip ernährt haben. Also unterhalten wir uns nicht nur über die Arbeit, sondern tauschen auch Rezepte und Ernährungstipps untereinander aus.

unternehmer.de: Welche Charaktereigenschaften sind eurer Meinung nach ein absolutes Muss, um sich als selbstständiger Unternehmer behaupten zu können?

wordycat: Mut, Geschäftspartner mit den gleichen Idealen, Durchhaltevermögen, Kritikfähigkeit und immer der Glaube an und Vertrauen in das, was man macht.

unternehmer.de: Hattet ihr schon immer den Wunsch, euch selbstständig zu machen?

Anja: Direkt nach meinem Studium hatte ich eine tolle Stelle an der Universität. Nach einer Weile bin ich jedoch zurück in meine Heimat Dresden gezogen und habe mich mit dem Gründungszuschuss direkt selbstständig gemacht. Ich stamme aus einer Familie, in der es viele Selbstständige gibt und genieße die Freiheit, über meine Zeit und meine Aufgaben selbst zu bestimmen.

unternehmer.de: Stichwort Social Media und Web 2.0: Wie nutzt ihr soziale Netzwerke für eure Idee? Welche Strategie verfolgt ihr hier?

wordycat: Ohne Social Media geht bei uns nichts, denn hier erreichen wir einen Großteil unserer potenziellen Kunden! Vom Blog über Facebook bis Twitter und YouTube nutzen wir sehr viel und bauen diesen Bereich auch kontinuierlich aus.

Die Weltherrschaft an uns reißen: Teamplayer gesucht!

unternehmer.de: Wie groß ist euer Team jetzt und was sind eure Pläne für die Zukunft? Die nächsten Schritte, die vor euch liegen?

wordycat: Wir sind zu dritt, aber wir versuchen aktuell, noch jemanden ins Team zu holen, der weitere wichtige Kompetenzen mitbringt. Und später möchten wir natürlich die Weltherrschaft an uns reißen, dafür brauchen wir auch noch den einen oder anderen Teamplayer, der uns dabei unterstützt.

unternehmer.de: Eine letzte Frage: Ein Abendessen mit einem Begleiter eurer Wahl – egal, ob tot oder lebendig. Wer wäre das und was würdet ihr ihn/sie fragen?

wordycat: Steve Jobs natürlich. Unsere Frage wäre, ob er ganz am Anfang bereits gespürt hat, dass seine Produkte einmal einen solchen Erfolg haben werden. Und wenn nicht, warum er trotzdem so davon überzeugt war.

Wir möchten auch gern Mahatma Ghandi treffen, aber vor allem, um seiner Weisheit zu lauschen und ihm für Worte wie „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt“ zu danken.

unternehmer.de: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

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(Bild: © wordycat)