Startup-Interview: Stofftiere aus T-Shirts für Trennungskinder

Veröffentlicht am 4. April 2015 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Startup-Interview mit mapapu: Mit etwas komplett Neuem an den Markt!

Ganze sechs Jahre hat es gedauert bis aus der persönlichen Idee der Schritt zum eigenen Unternehmen mapapu gewagt wurde: Hendrik Lind und seine Frau Jennifer Arndt-Lind sind Existenzgründer, die mit einem Nischenprodukt an den Markt gegangen sind. Hendrik erzählt uns im Interview von ihrer Idee, den Schwierigkeiten und positiven Seiten der Gründung und verrät uns, worauf es bei der Selbstständigkeit ankommt.

unternehmer.de: Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Hendrik: Wir, das sind meine Frau Jen und ich, Hendrik. Vor rund 1,5 Jahren haben wir unser Familienunternehmen gegründet.

Ein mapapu ist eine MAma-PApa-Puppe, zusammengenäht aus den Lieblings-T-Shirts der Eltern für deren Kind. Der bekannte Stoff der Eltern sowie der vertraute Geruch schaffen auf Anhieb familiäres Vertrauen und Geborgenheit beim Kind.

Sie finden ihren Einsatz hauptsächlich bei schweren Schicksalsschlägen. Beispielsweise wird er bei einer Trennung der Eltern aus den elterlichen Shirts genäht.

Oder es entsteht ein mapapu für trauernde Kinder (und Erwachsene!) aus Kleidungsstücken der verstorbenen Person – und macht das unfassbare Thema „Verlust eines geliebten Menschen“ greifbar.

Ein Stofftier aus symbolkräftigen, persönlichen Stoffen kann ein Stück weit helfen, eine aus dem Gleichgewicht gekommene Seele ein Stück weit zu stabilisieren.

Durch die persönliche Situation zur Geschäftsidee

unternehmer.de: Wie seid Ihr auf Eure Geschäftsidee gekommen und wann kam es zum Entschluss, tatsächlich ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen?

Hendrik: Die Idee entsprang aus unserer Patchwork-Familiensituation. Jeder von uns hat ein Kind mit in die Familie gebracht, also pendeln zwei von unseren vier Kindern oft zwischen ihren getrennt lebenden Eltern hin und her.

Als dann das erste von zwei gemeinsamen Kindern auf die Welt kam, war es für die beiden großen gefühls­mäßig ganz schön kompliziert. „Wer gehört wohin, wie ist wer mit wem verbunden, wo ist mein Platz und wie kann ich den finden?“

Wir wollten ihnen diese Situation leichter machen und ihnen etwas zur „Eltern-Orientierung“ mitgeben. Aus dem Wunsch nach Klarheit und Halt ist die Idee dann entstanden: ein Kuscheltier sollte es sein, ein Freund und Mitpendler, der sowohl Mama als auch Papa irgendwie gleichermaßen in sich trägt.

Einen kreativen Geist darf man nicht drängen!

unternehmer.de: Was habt Ihr vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

Hendrik: Da wir vier Kinder haben, war Jen einige Jahre vor der Gründung nicht in ihrem gelernten Beruf tätig. Sie hat während dieser Zeit schon etliche mapapus für Freunde und Bekannte genäht – ein unbewusstes Übungsfeld mit viel und sehr gutem Feedback.

Ich habe die 10 Jahre vor der Existenzgründung in den Erneuerbaren Energien gearbeitet. Die letzten 4 Jahre habe ich für eine Firma aus Bayern den Photovoltaik-Vertrieb hier im Norden aufgebaut.

Während dieser Zeit habe ich bestimmt 6 Jahre lang an Jens Tür gekratzt, sie solle sich doch bitte selbstständig machen.

Sechs Jahre lang habe ich nicht begriffen, dass man einer kreativen Kraft nicht mit „mach Dich selbstständig“ kommen darf! Irgendwann ist der Groschen dann auch bei mir gefallen.

Heute haben Jen und ich eine ganz klare Arbeitsaufteilung: sie übernimmt den kreativen Teil, ich alles andere.

unternehmer.de: Was waren denn eure größten Ängste und Bedenken bei dem Gedanken an die Unternehmensgründung?

Hendrik: Bedenken und Ängste gab es natürlich viele. Unser Produkt ist nach wie vor weltweit einzigartig. Wir gingen also mit etwas komplett Neuem an den Markt.

Wie kommen wir an unsere Kunden, wie an Multiplikatoren? Und das alles mit einem absoluten Nischenprodukt... Wie lange würde es also dauern, bis wir von unserer Arbeit leben können? Startup-Interview mit mapapu: Stofftier

Da in einer Puppe rund 12 Stunden Handarbeit stecken, ist der Preis entsprechend. Wir alle haben für ein normales Kuscheltier eine bestimmte Preisvorstellung im Kopf. Meist ist die sehr niedrig – immerhin kommen die meisten Kuscheltiere ja aus China und sind an der Tanke kaufbar.

Es war also unbedingt wichtig, die therapeutische Wirkung zu kommunizieren um klar zu machen: es sind nicht nur Kuscheltiere, sondern auch therapeutische Hilfsmittel!

unternehmer.de: Wie war das Feedback auf eure Gründung?

Hendrik: Oh, das Feedback hatte viele Farben: Von Schnapsidee über „Ihr seid aber mutig“, bis hin zu Begeisterung.

Und das ist es, was ich sehr mag: wer sich einmal wirklich mit der Idee dahinter auseinandersetzt, kann fast gar nicht anders, als den tiefen Sinn darin zu erkennen und begeistert zu sein.

Die mediale Berichterstattung war eine große Hilfe dennoch ist Geduld gefragt!

unternehmer.de: Was für Mittel standen euch zur Verfügung? Wie finanziert Ihr Euch?

Hendrik: Die Firmengründung und rund das erste dreiviertel Jahr haben wir vom Ersparten finanziert. Wir haben das große Glück gehabt, dass bisher fünf TV-Formate sich für unser Produkt und die dahinter steckende Idee interessiert haben und einen Bericht darüber gebracht haben.

Weiter haben in den eineinhalb Jahren, die es unser Unternehmen gibt, rund 30 Zeitschriften und über 50 Tageszeitungen über uns geschrieben! Das hat ordentlich Aufträge gebracht.

Wir haben immer mal wieder bis zu zwei Monaten Wartezeit für unsere Kunden. Und es ist nach wie vor noch nicht so, dass wir allein von unserer Arbeit leben können – doch die Tendenz dorthin ist ganz klar zu sehen.

unternehmer.de: Wenn Ihr heute zurückblickt: Was waren die größten Fehler, die Ihr vor oder während Eurer Gründung begangen habt?

Hendrik: Jen lacht bestimmt gleich, denn ich sehe die Dinge immer schneller wachsen, als sie es tatsächlich tun! So war das auch bei unserer Gründung.

Ein zweiter Punkt war unsere erste Internetseite. Im Nachhinein habe ich den Eindruck, man muss studiert haben, um die zu verstehen.

Viel zu viel Raum für eigene Interpretationen, viel zu wenig ganz klar formuliert. Da wir beide beispielsweise nicht aus dem Bereich der Trauerhilfe kommen, wussten wir nicht, ob wir mit klaren Formulierungen den trauernden Menschen zu nah treten oder gar auf die Füße.

Die beste Werbung sind zufriedene Kunden!

unternehmer.de: Jetzt zum Positiven! Worauf seid Ihr im Rückblick besonders stolz, was waren Eure größten Erfolge?

Startup-Interview mit mapapu: ScheidungskindHendrik: Besonders froh machen uns die etlichen Feedbackmails, die wir bekommen. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass jedes einzelne in die Welt gebrachte Kuscheltier tatsächlich seinen Zweck erfüllt – und Menschen hilft.

Das ist auch an den Empfehlungen zu sehen. Die meisten Kunden rühren ordentlich die Werbetrommel für uns.

Wir sind natürlich auch sehr stolz darauf, dass wir in eineinhalb Jahren dort sind, wo wir heute stehen. Wie oft ist es schon passiert, dass wir mit wildfremden Menschen ins Gespräch kommen – und es stellt sich heraus, dass sie unser Produkt kennen. Ein gutes Stück der Markenbildung haben wir also schon geschafft.

Ein großzügiger Finanzplan, Arbeitsbereitschaft & Kundennähe

unternehmer.de: Welche Tipps würdet Ihr angehenden Existenzgründern geben? Was ist vor allem in der Gründungsphase und kurz danach besonders wichtig?

Hendrik: Glaub an Dich und Deine Idee. Es werden immer wieder dunkle Wolken kommen, die die eigene Überzeugung prüfen. Diese dunklen Wolken sind sehr wichtig. Du kannst ruhig Angst oder Ehrfurcht vor ihnen haben, aber lass sie Dich nicht lähmen. Dann können Dir die Wolken zeigen, wo feinjustiert werden muss.

Und: mach Deine Finanzplanung nicht zu knapp. Das blockiert sonst Kopf und Zeit.

unternehmer.de: Welche Charaktereigenschaften sind ein absolutes Muss für Gründer?

Hendrik: Meine Lieblingsüberzeugung ist, dass es nichts auf dieser Welt gibt, was nicht vorher gedacht wurde.

Anders gesagt: Gedanken schaffen Realität! So finde ich eine der wichtigsten Charaktereigenschaften diese Denkweise – vor allem wenn die dunklen Wolken aufziehen.

Und dann sollte da noch diese Bereitschaft vorhanden sein, immer mal wieder 70 Stunden die Woche zu arbeiten ...

Bei uns ist es speziell wichtig, sich sehr viel Zeit für die Kunden zu nehmen. Jedes Stofftier ist ein Unikat – und so auch die Beziehung zu unseren Kunden.

unternehmer.de: Stichwort Social Media und Web 2.0: Nutzt Ihr soziale Netzwerke für eure Idee? Welche Strategie habt Ihr hier?

Hendrik: Neben unserer Internetseite sind wir im Netz lediglich bei Facebook vertreten. Ich finde diese Plattform für uns sehr interessant, da wir zum einen Eins-zu-eins–Kontakt zu unseren Kunden haben können – und der ist uns sehr wichtig.

Zum anderen ist Facebook ein wichtiger Baustein für die Markenbildung.

unternehmer.de: Was wünscht ihr euch für die Zukunft? Wo wollt ihr euch hin entwickeln?

Neue Ideen führen zu Weiterentwicklung!

Hendrik: Oh, da gibt es so einiges! Ich wünsche mir, dass unser neues Produkt, die mapapu-Seminare für trauernde Menschen, gut angenommen werden.

Im Entstehungsprozess der Kuscheltiere werden viele Stufen der Trauerarbeit vollzogen. Das Aufgeben der alten Form (Zerschneiden der Shirts), eine neue Form geben (Nähen), der neuen Form Inhalt geben (Stopfen), Ordnung schaffen (Kopf oben, Beine unten) und zu guter letzt: dem ganzen ein Gesicht geben und es greifbar machen. Die Seminare werden für uns auch sehr spannend, da es auch für uns wieder viel zu lernen gibt.

Ein zweites Ziel für dieses erste Halbjahr ist ein Patenprojekt. Da beispielsweise bei einem Trauerfall meist eine finanzielle Schieflage mit einher geht, kann eine Stoffpuppe dort, wo sie sehr viel heilen kann, oftmals nicht bezahlt werden.

Mit dem Patenprojekt möchte ich etliche Stiftungen und Unternehmen ansprechen, um darum zu bitten, für genau diese Menschen finanziell einzuspringen.

unternehmer.de bedankt sich für das interessante Interview und wünscht euch weiterhin viel Erfolg!

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(Bilder: © mapapu)