Startup-Interview: Soulfood LowCarberia – Schlemmen ohne Reue!

Veröffentlicht am 27. Oktober 2014 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Startup-Interview: Soulfood LowCarberia - Schlemmen ohne Reue!

Süßes schlemmen und dabei nicht zunehmen - die Gründerin des ersten LowCarb Cafés Deutschlands, Jasmin Mengele, macht diesen Traum wahr! Im Interview mit unternehmer.de verrät sie uns ihre Bedenken hinsichtlich ihrer Unternehmensgründung und gibt Tipps für junge Startups.

Zucker- & glutenfreie Produkte in einem Café - gibt's nicht? Sehr wohl!

unternehmer.de: Hi Jasmin, stell‘ dich und dein Unternehmen doch bitte zunächst kurz vor.

Startup-Interview: Soulfood LowCarberia - Schlemmen ohne Reue!

Gründerin der "Soulfood LowCarberia" Jasmin Mengele

Jasmin Mengele: Ich heiße Jasmin Mengele, bin 27 Jahre alt und gründete 2012 in Nürnberg das erste LowCarb-Café Deutschlands mit angeschlossenem Online-Shop. Ich ernähre mich seit vier Jahren nach der LowCarb-Ernährungsform und es ging meinem Körper und Wohlbefinden nie besser.

Durch die Reduktion des Kohlenhydrat-Anteils und der gleichzeitigen Zufuhr von gesunden hochwertigen Fetten purzelten bei mir die Pfunde und ich kann sowohl genießen als auch meine schlanke Linie halten.

Dieses Lebensgefühl wollte ich durch das Angebot meiner zucker- und glutenfreien Produkte meinen Kunden weitergeben und deshalb biete ich Allergikern und Diabetikern als auch sportlichen und figurbewussten Menschen eine breite Palette an süßen und herzhaften Leckereien an, die schlank und glücklich machen.

Die einzigartige Marktlücke erkannt & genutzt!

unternehmer.de: Wann und wie reifte in dir der Entschluss, ein eigenes Unternehmen auf die Beine stellen zu wollen?

Jasmin Mengele: Schon während meiner Zeit als Angestellte schrieb ich in meiner Freizeit meinen Low Carb Blog  und baute meinen Online-Shop immer weiter aus. Ziemlich schnell erkannte ich die Marktlücke, denn es gibt sehr viele Menschen, die aufgrund einer Krankheit herkömmliche Süßigkeiten und Backwaren nicht essen dürfen oder einfach genussvoll abnehmen wollen.

Da ich leidenschaftlich gern backe und koche, tüftelte ich ein gutes Jahr in der heimischen Küche, bis alle Produkte der gewollten Qualität entsprachen und den Geschmackstest bestanden. Das rundum positive Feedback von meinen Bloglesern, Familie und Freunden bestärkte mich dann, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen und meinen Traum vom eigenen Café zu verwirklichen.

Vom Online-Shop zum originellen Café

unternehmer.de: Wie war die Resonanz auf deine Gründung?

Jasmin Mengele: Sehr gut. Ich hatte ja vor der Eröffnung schon durch den Online-Shop einen kleinen Kundenstamm aufgebaut, der sich durch Mundpropaganda und positive Berichterstattung in der regionalen Presse stets vergrößerte. Die „LowCarb-Gemeinde“ war und ist froh, zuckerfreie und gesunde Köstlichkeiten bestellen zu können oder vor Ort im Café zu genießen.

Erspartes, ein Kredit & Gründungsberatung: So klappt ein Startup!

unternehmer.de: Welche Quellen standen dir bei der Gründung zur Verfügung? Wie hast du deine Existenzgründung finanziert?

Jasmin Mengele: Ich habe in erster Linie auf mein Erspartes zurückgegriffen. Um größere Anschaffungen zu tätigen, habe ich außerdem einen Kredit aufgenommen. Neben kreativen und organisatorischen Fragen stand mir in finanziellen Belangen auch von Beginn an eine Gründungsberatung kompetent zur Seite. Hier wurde stets auf meine Bedürfnisse eingegangen und ich wurde professionell aus neutraler Perspektive unterstützt.

Die Sorgen - ständiger Begleiter eines jeden Gründers

unternehmer.de: Gab es Momente nach der Gründung, in denen existenzielle Unsicherheiten in dir aufkamen?

Jasmin Mengele: Natürlich hatte ich gerade zu Beginn in dieser Hinsicht schon Bedenken.

  • Wieviel Geld benötige ich für die Eröffnung?
  • Welche Maschinen müssen angeschafft werden, welche Kosten verschlingt die Einrichtung?

Zwar kennt man die Fixkosten, aber es kommen immer wieder Unwägbarkeiten hinzu, die so im wahrsten Sinne des Wortes nicht berechnet wurden. Hier ist es mir immer wichtig, einen Puffer als Notgroschen auf der Seite zu haben, um auch alle laufenden Kosten decken zu können.

Die eigene Überzeugung & Begeisterung ist nicht alles!

unternehmer.de: Was waren damals deine größten Ängste und Bedenken bei dem Gedanken an deine Unternehmensgründung?

Jasmin Mengele: Ich war von meinem Konzept von Anfang an überzeugt und konnte mir relativ sicher sein, mit meiner Marke Soulfood LowCarberia eine Nische gefunden zu haben. Aber auch wenn man von seiner Idee begeistert ist, davon leben kann man nicht. Deshalb war es natürlich ein großer Schritt, von einem gesicherten Angestelltenverhältnis den Weg in die Selbständigkeit zu wagen.

Schließlich weiß man nicht, ob seine Idee „draußen“ wirklich ankommt:

  • Besuchen genügend Gäste mein Café?
  • Gibt es ausreichend Bestellungen im Online-Shop?
  • Wie ist die Außendarstellung in den Medien?

Aber letztlich muss man sich diesen Ängsten einfach stellen und eine optimistische Einstellung mitbringen.

Startup-Interview: Soulfood LowCarberia - Schlemmen ohne Reue!

Die Außenterrasse der LowCarberia in Nürnberg

unternehmer.de: Wenn du heute zurückblickst: Was waren die größten Fehler, die du vor oder während deiner Gründung begangen hast? Was würdest du anders machen?

Jasmin Mengele: Eigentlich würde ich nicht viel anders machen. Sicherlich habe auch ich kleinere Anfängerfehler gemacht. Obwohl ich immer nach einem strukturierten Plan gearbeitet habe, würde ich im Nachhinein immer das doppelte Budget veranschlagen. Ansonsten finde ich Fehler auch wichtig, schließlich lernt man daraus. Hier heißt mein Motto: Fehler kann man machen, aber den gleichen nur einmal.

"Das Sprichwort "selbst und ständig" stimmt wirklich"

unternehmer.de: Welche Tipps würdest du Menschen geben, die sich gerade im Moment mit dem Gedanken beschäftigen, ein Unternehmen zu gründen?

Jasmin Mengele: Man muss sich stets bewusst sein, dass das Sprichwort „selbst und ständig“ wirklich stimmt. Es gibt anders als in der Komfortzone „Angestelltenverhältnis“ keine festen Arbeitszeiten, Feierabend hat man eigentlich nie und Urlaube sind selten und kurz.

Deshalb finde ich es ganz wichtig, dass man sich vollends mit seiner Firma identifizieren kann, um immer bestmögliche Leistungen zu bringen und das Potential vollends auszuschöpfen. Ganz wichtig ist natürlich auch, dass man Spaß an seiner Arbeit hat und so jeden Tag motiviert angeht.

Egal welche Wirtschaftslage herrscht: Probleme muss man immer lösen!

unternehmer.de: Angenommen du stündest jetzt kurz vor der Gründung. Wie würde die Wirtschaftslage deine Entscheidung beeinflussen?

Jasmin Mengele: Ich denke, dies hätte keinen Einfluss auf meine Entscheidung, mein Unternehmen ins Leben zu rufen. Es gibt ja fast zu jeder Zeit Unsicherheiten und Risiken, die man eingehen muss. Mit eventuellen Problemen umzugehen und Lösungen zu finden, das ist, denke ich, zu jeder Zeit wichtig, unabhängig von der jeweiligen wirtschaftlichen Situation.

unternehmer.de: Worauf bist du im Rückblick besonders stolz? Was waren deine größten Erfolge?

Jasmin Mengele: Mich freut besonders, dass mein Café und mein LowCarb-Online-Shop in „LowCarb-Insiderkreisen“ mittlerweile deutschlandweit bekannt ist und ich mit meinen Produkten vielen Menschen eine kulinarische Freude bereiten kann. Viele Menschen sind wirklich dankbar und freuen sich, dass Sie trotz Allergie oder Krankheit süße Sachen ohne Reue genießen können.

Stolz machen mich auch die vielen positiven Presseberichte. Meine Teilnahme an der VOX-Sendung „Das perfekte Dinner“ und der TV-Beitrag im ZDF bei „Volle Kanne“ waren besondere Highlights der letzten zwei Jahre. Dass nächstes Jahr sogar mein eigenes Kochbuch erscheint – unglaublich! Hier werde ich sicher ziemlich stolz sein, sobald ich es zum ersten Mal in einer Buchhandlung stehen sehe.

"Ich bin eine Exotin in der Gastronomiebranche"

unternehmer.de: Wie schaffst du es, dich von Konkurrenzunternehmen abzusetzen?

Jasmin Mengele: Bisher gibt es in ganz Deutschland kein anderes LowCarb-Café, daher bin ich in der glücklichen Lage, eine Art „Exotin“ in der hartumkämpften Gastronomie-Branche zu sein. Von „normalen“ Cafés hebe ich mich durch mein Konzept ab, nur hochwertige Lebensmittel zu verwenden und kann durch meine zucker- und kohlenhydratfreien Produkte punkten.

Schlemmen bis die Hosen schlackern – wer möchte das nicht?

Startup-Interview: Soulfood LowCarberia - Schlemmen ohne Reue!

Der Tiramisu Cupcake - Garantiert schlemmen ohne Reue!

Außerdem lege ich Wert auf höchste Qualität bei der Zubereitung, exzellente Beratung und professionellem Kundenservice. Mein Café ist nicht nur zu Nahrungsaufnahme und schnellem Kaffeegenuss gedacht – meine Gäste schätzen die gemütliche Wohlfühlatmosphäre und laden hier mit einem leckeren Törtchen und aromageröstetem Kaffee die Akkus schnell wieder auf.

unternehmer.de: Erzähl' uns doch eine lustige Anekdote oder eine kuriose Begebenheit aus deiner Gründungsgeschichte!

Jasmin Mengele: Am Tag der Eröffnung waren so viele liebe Leute, Kunden, Familie und Freunde bei mir zu Gast, dass mir doch tatsächlich kurzzeitig die Ware ausging. Allen schmeckte es so gut, dass schon nach zwei Stunden nachproduziert werden musste. Aber wenn die Ware gut ankommt, dann ist es ja des Koches größtes Lob und ich freute mich sehr über diesen „Ausverkauf“. Zum Glück hatte ich vorgesorgt und so wurden die Törtchen noch warm vom Blech vernascht. Ein schöner Anblick.

Ein Unternehmer darf kein Angsthase sein!

unternehmer.de: Welche Charaktereigenschaften sind deiner Meinung nach ein absolutes Muss, um sich als selbstständiger Unternehmer behaupten zu können?

Jasmin Mengele: Natürlich darf man kein „Angsthase“ sein, denn zum Sprung in die Selbständigkeit ist Mut und Risikobereitschaft gefragt. Außerdem finde ich Organisationstalent und eine strategische Denkweise wichtig, um die vielfältigen Aufgabenbereiche abdecken zu können. Wer wie ich häufig im Kundenkontakt steht, sollte außerdem kommunikativ, aufgeschlossen und freundlich sein.

Aktuelle Rezepte & neue Entdeckungen per Social Media

unternehmer.de: Stichwort Social Media und Web 2.0: Wie nutzt du soziale Netzwerke für deine Idee? Welche Strategie hast du hier?

Jasmin Mengele: Social Media-Kanäle finde ich unheimlich wichtig. Ich bin auf Facebook mit einer eigenen Seite vertreten, nutze Instagram und bin natürlich weiterhin auf meinem Blog aktiv. Hier sehe ich viel Potential, das ich künftig noch verstärkt ausschöpfen möchte.

Beispielsweise poste ich regelmäßig meine wöchentlich wechselnden Tagesgerichte, halte meine „Fans bzw. Followers“ über aktuelle LowCarb-Rezepte und Entdeckungen auf dem Laufenden oder plaudere auch mal aus dem Nähkästchen, wenn ich einen speziellen Sport- und Ernährungsplan in Angriff nehme.

Über diese Netzwerke bekomme ich viel Zuspruch und bin mit meinen Kunden stets im Kontakt und habe ein offenes Ohr für Fragen und Anregungen. Außerdem setze ich ab sofort auf SEM (Suchmaschinenmarketing), um ein besseres Ranking zu erlangen. Speziell für unsere Kunden im Online-Shop verschicken wir regelmäßg Newsletter: hier weisen wir auf neueste Produkte hin oder bieten saisonale Top-Artikel wie z.B. ein LowCarb-Osternest an.

Viele Ziele: Die Eröffnung weiterer Filialen und ein Kochbuch

unternehmer.de: Wie groß ist dein Team jetzt und was sind deine Pläne für die Zukunft?

Jasmin Mengele: Mein Team besteht momentan aus fünf Leuten, die mich im Service, der Produktion und im Büro unterstützen. Für die Zukunft plane ich die Eröffnung weiterer Filialen, vielleicht auch in anderen Städten, damit möglichst viele Menschen in den Genuss meines Angebots ankommen. Nächstes Jahr wird mein erstes Kochbuch erscheinen, auf das ich schon sehr gespannt bin. Außerdem habe ich viele neue Ideen, um das Sortiment zu erweitern und ich freue mich schon auf die Verwirklichung all meiner Pläne.

"Wer weiß schon, was die Zukunft bringt!"

unternehmer.de: Du bist jetzt dein eigener Chef: Käme ein Dasein als Angestellter überhaupt noch in Frage?

Jasmin Mengele: Ich sehe sowohl im Angestelltenverhältnis als auch in der Selbständigkeit Vor- und Nachteile. Profitiert man als Arbeitnehmer von einem regelmäßigen Gehalt, festen Arbeitszeiten, Urlaubsanspruch und weiteren Vergünstigungen, ist man als Unternehmer sein „eigener Chef“, kann selbständig Entscheidungen treffen und muss niemandem Rechenschaft ablegen.

Ich habe meinen vorigen Beruf sehr gerne ausgeübt, deshalb könnte ich mir vorstellen – vorausgesetzt natürlich meine Selbständigkeit gerät irgendwann einmal in Gefahr – wieder in meine alte Tätigkeit zurückzukehren. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt: momentan bin ich sehr gerne selbständig und hoffe, dass dies auch weiterhin so bleiben wird.

Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und bedanken uns ganz herzlich für das interessante Interview!

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