„Regalbrett zu vermieten“: Interview mit Marc Raschke von myregalbrett

Veröffentlicht am 6. Mai 2013 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

Themen: , ,

StartUp Interview mit myregalbrettViele kleine "Läden" in einem großen Laden - das ist grob die Geschäftsidee, die hinter myregalbrett steckt. Das Unternehmen vermietet Regalbretter an jeden, der etwas verkaufen möchte. Wir von unternehmer.de haben Marc Raschke, einen der beiden Gründer von myregalbrett, interviewt.

unternehmer.de: Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Marc Raschke: Wir sind zwei Freunde, Oli und Marc, die einen Laden in Münster eröffnet haben, in dem jedermann eine Regalfläche mieten kann, um dort dann z.B. Dinge drauf zu stellen, die er verkaufen möchte. Quasi ein Shop-in-Shop-System für jedermann, eine Ideen-WG. Ein Sprungbrett für Selbstständige, die erst mal im Kleinen anfangen und nicht gleich einen ganzen Laden mieten wollen.

Von der Idee zum StartUp

unternehmer.de: Wie seid Ihr auf Eure Geschäftsidee gekommen und wann kam es zum Entschluss, tatsächlich ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen?

Marc Raschke: Ich habe vor vielen Jahren mal für ein Zukunftsmagazin einen fiktiven Beitrag über einen Laden aus der Zukunft geschrieben, der viermal am Tag sein Gesicht wechselt. Die Idee dahinter: Die Ladenmieten werden in den Innenstädten immer teurer und eine Geschäftsidee allein kann das kaum noch tragen. Zudem haben viele Geschäftsideen das Problem, dass ihr Geschäft am Tag nur in bestimmten Zeitfenstern brummt. Deshalb teilten sich in diesem wie gesagt fiktiven Beitrag vier Ideen den Tag und ein Ladenlokal. Mit technischen Veränderungen des Ladens auf Knopfdruck ließ sich dann viermal am Tag die Deko, das Licht, das Türschild etc. ändern. Letztlich dachte ich dann: Das muss auch einfacher möglich sein, dass ein Laden ständig sein Gesicht wandelt. Und so kam die Idee mit myregalbrett.

unternehmer.de: Was war das ausgefallenste, was je auf einem eurer Regalbretter verkauft wurde?

Marc Raschke: Da gab es schon so einiges. Angefangen von Penis-Schnecken, die eine Frau als "Kunst" ins Regal legte (Schneckenhaus samt Geschlechtsteil statt Schnecke als Gipsabdruck) bis hin zu Menschen, die ihr Leben ins Regal legten, um quasi mit einer 3-D-Singleanzeige einen Partner fürs Leben zu finden.

unternehmer.de: Was habt Ihr vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

Marc Raschke: Wir gehen auch weiterhin unseren Hauptjobs nach, Oli im Großhandel, ich im PR-Bereich. Der Laden war anfangs nur ein Projekt, das wir mal ausprobieren wollten. Wir sind befreundet - und das soll auch so bleiben, deshalb betreiben wir den Laden weiterhin nebenher.

unternehmer.de: Wie schafft Ihr es, Euch von der Konkurrenz abzuheben? Was macht Ihr anders?

Marc Raschke: Uns sagen viele Kunden, dass die Atmosphäre unseres Ladens einfach sehr angenehm ist. Alles wirkt ansprechender und einladender als bei Mitbewerbern. Zudem legen wir großen Wert auf den persönlichen Kontakt zu unseren Regalbrettmietern.

unternehmer.de: Wie finanziert Ihr Euch?

Marc Raschke: Die Startfinanzierung haben wir aus eigener Tasche bezahlt. Und jetzt trägt sich der Laden mit seinen derzeit fünf Aushilfen ganz gut.

Fehler und Erfolge bei der Gründung

unternehmer.de: Wenn Ihr heute zurückblickt: Was waren die größten Fehler, die Ihr vor oder während Eurer Gründung begangen habt?

Marc Raschke: Ein Fehler war sicherlich, zur Wirtschaftsförderung zu gehen. Der Begriff ist nämlich irreführend. Selten so unflexible und trantütige Berater erlebt. Da merkte man schnell, dass die nicht wirklich wissen, was es heißt, selbstständig zu sein. Zudem ist von der anfänglichen Euphorie vieler Menschen, die von unser Idee hören, nachher nicht mehr viel übrig, wenn sie nämlich sehen, dass das Regalvermieten, Kundengewinnen etc. auch viel Arbeit ist.

unternehmer.de: Jetzt zum Positiven! Worauf seid Ihr im Rückblick besonders stolz, was waren Eure größten Erfolge?

Marc Raschke: Ach, da gibt es vieles. Wir freuen uns, wenn wir sehen, wie Menschen unseren Laden wirklich nutzen, um ihre Selbstständigkeit aufzubauen. Ein paar Mal ist das auch schon richtig gut gegangen. Zudem sind wir immer überrascht, auf was für Ideen die Leute teilweise kommen. Sicherlich war aber auch die Kür bei "Galileo" auf Pro7 zur außergewöhnlichsten Geschäftsidee Deutschlands ein Meilenstein.

unternehmer.de: Welche Tipps würdet Ihr angehenden Existenzgründern geben? Was ist vor allem in der Gründungsphase und kurz danach besonders wichtig?

Marc Raschke ist einer der Gründer von myregalbrett

Marc Raschke ist einer der Gründer von myregalbrett

Marc Raschke: Haltet die Balance zwischen der Euphorie für Eure Idee, die Euch antreibt, und der nötigen Distanz, um die Idee immer wieder hinsichtlich der Realisierungsmöglichkeiten kritisch zu bewerten. Denn wenn sich innerhalb der Ideenumsetzung Zweifel ergeben, sollten diese ernst genommen werden. Zudem denkt daran, dass ihr nicht nur Geld für den Start braucht, sondern auch Geld für den einen oder anderen Monat, wo es mal nicht so gut läuft.

Wünsche und Pläne für die Zukunft

unternehmer.de: Was fehlt Euch noch zum Glück (ein Mitarbeiter, ein Investor, ...)?

Marc Raschke: Regalbrettmieter mit guten, markttauglichen Ideen kann man nie genug haben. Zudem würden wir gern unsere Idee mit größeren Handelsunternehmen umsetzen.

unternehmer.de: Wo steht Ihr heute in einem Jahr?

Marc Raschke: Ich denke, dass wir bis dahin noch ein paar mehr Franchise-Shops haben. Einen haben wir ja bereits in Aurich, weitere sind in Planung bzw. kurz vor der Eröffnung. In Münster müssen Oli und ich schauen, dass wir den Laden neben unserer Arbeit weiter führen können. Das ist zeitlich teilweise eine große Herausforderung, um nicht zu sagen: Stress.

unternehmer.de: Gibt es irgendeine lustige Anekdote oder kuriose Begebenheit aus Eurer Geschichte zu erzählen?

Marc Raschke: Naja, das mit den Penis-Schnecken ist schon ein Hammer gewesen. Generell ergibt sich im Laden aber täglich irgendeine Anekdote. Vielleicht eine davon: Neulich kam eine Frau in den Laden, wollte etwas anprobieren. Im Keller haben wir dazu eine kleine Möglichkeit, die an die Toilette des Ladens anschließt. Die Frau kam und kam nicht wieder hoch. Die Aushilfe an der Kasse machte sich schon Sorgen und ging nachschauen. Da sah sie, wie die Kundin das Waschbecken mit Schwamm und Putzmittel säuberte. Sie meinte, sie wolle den Laden ein wenig unterstützen und deshalb mache sie mal eben schnell den Waschraum sauber. Und bevor die falschen Gedanken kommen: Nein, die Toilette sah davor nicht schlimm aus.

unternehmer.de: Kurze Frage - kurze Antwort: Der Exit als Ziel. Ja? Nein? Vielleicht?

Marc Raschke: Da wir myregalbrett in Münster weiterhin als Projekt sehen, ist ein Exit irgendwann eventuell denkbar. Dazu lieben wir unsere anderen Jobs zu sehr. Aber wir wollen weitermachen, so lange es Spaß macht. Zudem sammeln wir auch jeden Tag wertvolle Erfahrungen im Laden, die uns in anderen Bereichen des beruflichen Lebens extrem weiterbringen.

unternehmer.de: Wenn Ihr Euch für ein Geschäftsessen einen Gesprächspartner aussuchen könntet, egal ob real oder fiktional, lebend oder tot. Wen würdet Ihr wählen? Worüber würdet Ihr reden?

Marc Raschke: Ein myregalbrett-Geschäftsessen? Vielleicht mit Brett Pit. Scherz beiseite: Ich denke, ich würde gern mal mit irgendeinem Handelsboss essen wollen und ihm die Möglichkeiten aufzeigen, die sich für den klassischen Handel durch unsere Idee ergeben.

(Bild: © tang90246 - Fotolia.de)