| 21. November 2011

Gründung & Selbständigkeit

Social Fundraising: Online Spenden sammeln

Social Fundraising – diesen Trend brachte Nicolas Reis aus den USA nach Deutschland.  Das von ihm gegründete Start-up Altruja bietet Software-Lösungen, mit deren Hilfe Unternehmen sowie Vereine, Stiftungen und andere Organisationen Spenden sammeln können. Wie das Spendensammeln im Internet funktioniert und warum dies besonders effizient ist, erklärt der Geschäftsführer im Interview.

Unternehmer.de: Altruja hilft Unternehmen, Vereinen, Stiftungen und anderen Organisationen dabei, im Internet Spendengelder zu sammeln. Wie genau funktioniert „Social Fundraising“?

Nicolas Reis: Social Fundraising bedeutet nichts anderes, als Spenden zu sammeln, mit Menschen die einem nahe stehen. Spendenwerbung im traditionellen Sinne, also auf der Straße, per Telefon oder per Postkarte und Plakat ist ein sehr teurer und ineffizienter Prozess. Dabei gehen jedes Jahr viele Millionen Euro verloren. Das Internet und speziell Social Media hilft Organisationen, neue Spender zu gewinnen, indem bisherige Spender ihr persönliches Umfeld zum Helfen und Spenden aktivieren.

Unternehmer.de: Können Sie ein Beispiel für eine gelungene Fundraising-Aktion nennen?

Nicolas Reis: Ein tolles Beispiel ist die Aktion der José Carreras Stiftung im Rahmen des München Marathons. Eine Läuferin, deren Bruder an Leukämie starb, startete mithilfe unseres Social Fundraising Tools beim München Marathon einen Spendenaufruf gegen diese schlimme Krankheit. Über 55 ihrer Freunde, Verwandten und Arbeitskollegen folgten ihrem Aufruf und spendeten so innerhalb weniger Wochen über 1800 Euro!
Dabei handelte es sich fast ausschließlich um Neuspender, deren Hauptmotivation es war, ihrer Freundin bei ihrem Projekt zu helfen. Social Media, wie zum Beispiel Facebook oder Twitter, helfen dabei natürlich bei einer schnellen Verbreitung der Aktion.

Unternehmer.de: Prüfen Sie im Vorfeld, welche Unternehmen oder Organisationen durch Ihre Unterstützung Geld sammeln können?
Nicolas Reis: Absolut! Bei Altruja und spendet.org dürfen ausschließlich zertifizierte und geprüfte Hilfsorganisationen Geld sammeln. Diese Prüfung übernimmt dabei das jeweilige Finanzamt und entscheidet, ob die Organisation gemeinnützig ist. Firmen werden bei uns dabei als Spendensammler mit ihren Mitarbeitern und Partnern aktiv.

Unternehmer.de: In welcher Form verdienen Sie an den über Sie durchgeführten Spendenaktionen?

Nicolas Reis: Grundsätzlich werden bei unseren Aktionen 100 Prozent, der über unser Tool gesammelten Gelder, an die Organisationen überwiesen, damit diese eine Spendenquittung über den vollen Betrag ausstellen können. Darüber hinaus haben wir Rahmenverträge mit den Organisationen, die wir oft auch in den Bereichen Webdesign, Social Media und Online Marketing beraten. Die anfallenden Transaktionsgebühren der Online-Spendenaktionen, wie zum Beispiel Kreditkarten-, oder PayPal-Gebühren sind auch darin enthalten.

Unternehmer.de: Wie lange hat es von der ersten Idee bis zum Launch des Portals gedauert?

Das Motto von Nicolas Reis: "Wir helfen Helfern"

Nicolas Reis: Ich habe 2006 meinen MBA an der San Diego State University in Kalifornien gemacht. Daraufhin habe ich bei einer großen amerikanischen Technologiefirma gearbeitet, die unter anderem vielen Hilfsorganisationen mit moderner Software beim Spendensammeln half. Als ich Anfang 2009 wieder zurück nach München kam, war diese Idee mit im Gepäck. Mitte 2009 kamen dann Andreas Jagdhuber und Stefan Grothkopp dazu. Gemeinsam haben wir das Konzept verfeinert und die erste Version von Altruja.de erstellt. Seit September 2011 ist unsere neuste Entwicklung spendet.org live. Diese richtet sich speziell an Firmen, die eine Spendenaktion mit ihrer gesamten Belegschaft einfach abwickeln wollen. Auch unser Team ist mittlerweile stark gewachsen. Dies war vor allem auch durch unsere tollen Unterstützer, wie den High-Tech Gründerfonds, Bayern Kapital, amiando und auch die Business Angel Falk Strascheg, Dr. Hellmuth Kirchner und Dr. Manfred Ferber möglich.

Unternehmer.de: Einige Ihrer Mitarbeiter haben bereits berufliche Erfahrung in größeren Industrie- und Beratungsunternehmen gesammelt. Was hat Ihrer Meinung nach den Ausschlag für die Entscheidung für den Charity-Bereich gegeben?

Nicolas Reis: Wichtig dabei ist, das Altruja selbst kein Nonprofit-Unternehmen ist. Wir haben ganz klare Ambition, dass sich das Geschäftsmodell mittelfristig so etabliert, dass der Wachstum aus dem operativen Geschäft möglich ist.
Aber wie Sie richtig sagen, jeder von uns, nicht nur wir Gründer, hat Berufserfahrung in Profit-Unternehmen gesammelt. Und das ist auch gut so, denn die beiden Segmente können viel voneinander lernen, denke ich. NPOs sind gerade dabei, sich immer effizienter aufzustellen, um einen möglichst großen Nutzen zu haben – genauso wie klassische Unternehmen auch. Auf der anderen Seite merkt man, dass bei Unternehmen Themen wie „Corporate Social Responsibility“ immer präsenter werden.
Wenn man nun viele Jahre in Großkonzernen aktiv war und vor allem Strategien und Konzepte entworfen hat, bekommt man vielleicht früher oder später das Bedürfnis an wirklich relevanten Themen für die Welt mitzuarbeiten. Dabei stellt sich die Frage, wie man unsere Erde ein klein wenig besser machen kann. Wir von Altruja freuen uns, dass wir mit unserem Team mittlerweile schon über 150 Hilfsorganisationen genau dabei unterstützen können, getreu unserem Motto „Wir helfen Helfern“.

Unternehmer.de: Blicken wir nach vorne: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Unternehmens?
Nicolas Reis: Ich wünsche vor allem den Nonprofit-Organisationen, dass noch mehr von ihnen die große Chance erkennen, die Social Media und das Internet ihnen bieten kann. In den USA werden mittlerweile über 15 Prozent der Spenden online eingeworben, in Deutschland sind wir da teilweise immer noch bei zwei Prozent. Diese Zahl wächst natürlich auch hier stark. Wenn wir mit Altruja und spendet.org dabei helfen können, dass Hilfsorganisationen moderne Software einsetzen und Unternehmen, die z.B. zu Weihnachten Gutes tun wollen, ihre Spendenaktionen effektiv abwickeln können, freut uns das natürlich sehr!

(Bilder: © Altruja, Fantasista – Fotolia.com)

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