Die Qual der Wahl: Krankenversicherung für Selbstständige!

Veröffentlicht am 10. Juni 2011 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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selbständig krankenversicherungSie können nur in die gesetzliche Krankenversicherung eintreten, wenn Sie die Vorversicherungszeit erfüllen. Das bedeutet, dass Sie vor Beginn Ihrer Selbständigkeit mindestens zwölf Monate lang ununterbrochen oder in den letzten fünf Jahren insgesamt mindestens 24 Monate lang gesetzlich krankenversichert waren. Und Sie dürfen noch nicht älter als 55 Jahre sein.

Zu dieser sogenannten Vorversicherungzeit zählen neben Arbeitsverhältnissen auch Zeiten, in denen Sie über die Arbeitsagentur, über die studentische Krankenversicherung oder über die Familienversicherung der Eltern pflichtversichert waren. Dazu müssen Sie die freiwillige Weiterversicherung aber spätestens drei Monate nach Ende der Versicherungspflicht beantragen. Diese Frist dürfen Sie nicht versäumen!

Freie Kassenwahl

Sie haben grundsätzlich die freie Wahl zwischen regionalen Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), Ersatzkassen (etwa Barmer, DAK, Techniker), Betriebskrankenkassen (BKK) und Innungskrankenkassen (IKK). Ein Wechsel der gesetzlichen Kasse ist eigentlich jederzeit mit einer Kündigungsfrist von zwei Monaten möglich. Wenn Sie aber gerade in eine neue Kasse gewechselt haben, müssen Sie mit einen weiteren Wechsel wieder 18 Monate warten.

Beiträge

Die Höhe Ihres monatlichen Beitrags hängt ab von Ihrem Status, dem Beitragssatz und Ihrem Einkommen. Bei Arbeitnehmern und Versicherten übernimmt der Arbeitgeber, bei Mitgliedern der Künstlersozialversicherung diese die Hälfte des Beitrags.

Beitragssätze

Die Beitragssätze für alle gesetzlichen Krankenkassen sind gesetzlich festgeschrieben. Der Beitragssatz beträgt zur Zeit 15,5 %. Daneben gibt es einen ermäßigten Beitragssatz von 14,9 % für alle Versicherten, die keinen Anspruch auf Krankengeld haben. Zu diesen gehören auch Selbstständige. Darin enthalten ist bereits ein Beitragszuschlag von 0,9 %, der von allen Versicherten allein zu tragen ist. (Den restlichen Beitrag zahlen normale Arbeitnehmer sowie Versicherte der Künstlersozialkasse ja nur zur Hälfte, so dass diese am Ende nur 8,2 Prozent des Einkommens zu zahlen sind!)

Neben diesem Einheitsbeitrag dürfen Kassen, die mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen, einen Zusatzbeitrag erheben. Auch diesen Zuschlag müssen alle Versicherten alleine zahlen. Er ist nicht höher als ein Prozent des versicherungspflichtigen Einkommens und darf ohne Einkommensprüfung maximal 8 Euro betragen. Wenn Sie Arbeitslosengeld II bekommen, müssen Sie diesen Zusatzbeitrag nicht zahlen. Krankenkassen dürfen ihren Mitgliedern Beiträge zurückerstatten, falls sie die Überschüsse erwirtschaften. Als Versicherte können Sie darüber hinaus zwischen verschiedenen Wahltarifen mit abweichenden Beitragssätzen wählen.

Berechnung der Beiträge nach Einkommen

Anders als bei Arbeitnehmern wird die Höhe der Beiträge bei Selbständigen leider nicht nach dem tatsächlichen Einkommen berechnet, sondern es gibt ein sogenanntes maßgebliches (Mindest)Einkommen. Dadurch kann die gesetzliche Krankenversicherung für Wenigverdiener recht teuer werden.

Herr B. verdient im Schnitt pro Monat etwa 1.800 Euro. Dennoch nimmt die Krankenversicherung wie bei allen Selbständigen zunächst an, dass er mindestens 3.712 Euro im Monat verdient, woraus sich beim durchschnittlichen Beitragssatz von 14,9 Prozent ein fester Monatsbeitrag von rund 553,09 Euro ergeben würde. Herr B. teilt der Krankenkasse jedoch mit, dass er weniger verdient und weist dies jährlich per Steuerbescheid nach. Nun werden seine Krankenversicherungsbeiträge nach einem maßgeblichen Einkommen von 1.916,25 Euro im Monat berechnet. Bei einem Beitragssatz von 14,9 Prozent zahlt Herr B. also monatlich etwa 285,52 Euro Krankenversicherung.

Es geht aber noch günstiger – wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Beispielsweise können Sie als hauptberuflich Selbstständiger einen ermäßigten Beitrag bekommen. Dabei wird der Beitrag nach einem maßgeblichen Einkommen von 1.277,50 Euro im Monat berechnet – bei einem Beitragssatz von 14,9 Prozent wären also 190,34 Euro zu zahlen. Dieser ermäßigte Beitrag ist aber nur möglich, wenn nicht nur Sie selbst, sondern auch Ihre "Bedarfsgemeinschaft" (etwa Ihre Familie oder Ihr Lebenspartner) bedürftig sind. Daher darf kein Mitglied Ihrer Bedarfsgemeinschaft mehr als 1.916,25 Euro im Monat verdienen, zusätzlich wird ein Freibetrag von 484 Euro für jedes Kind gewährt. Zu den Einkünften gehören dabei auch steuerpflichtige Einnahmen aus Kapitalvermögen oder Mieteinnahmen. Allerdings darf auch niemand in der Familie mehr als 10.220 Euro an Vermögen haben.

Noch billiger können Sie sich als nebenberuflich Selbstständiger versichern, wenn Sie neben einer Aus- oder Weiterbildung oder Kindererziehung weniger als 20 Stunden pro Woche selbständig sind. Wenn Sie hauptberuflich Hausfrau oder Student sind, können Sie sogar in der Familienversicherung oder der studentischen Krankenversicherung bleiben, sofern bestimmte Einkommens- und Altersgrenzen nicht überschritten werden. Als Student dürfen Sie ferner nur eine bestimmte Zeit in der Woche arbeiten. Und wenn Sie hauptberuflich Arbeitnehmer sind, brauchen Sie gar nichts zu ändern, solange Sie nicht mehr Geld als Selbstständiger verdienen. (Bislang lag die entsprechende Grenze bei 18 Stunden, das hat sich nach einer Richtlinie des GKV-Spitzenverbandes Bund nun geändert.)

Achtung! Verdienen Sie mehr als den jeweiligen Bemessungswert, aber weniger als 3.712,50 Euro, so wird der Beitrag nach Ihrem realen Einkommen berechnet. Jede Senkung unter den Regelbeitrag von 553,16 Euro im Monat muss jedoch bei der Kasse beantragt werden und wird in der Regel erst von dem Tag an gewährt, an dem die entsprechenden Nachweise (z.B. Einkommensteuerbescheid) bei der Kasse eingehen.

Die private Krankenversicherung

Wenn Sie als Selbstständiger die Vorversicherungzeit nicht erfüllen, haben Sie keine Wahl: Sie müssen sich in der privaten Krankenkasse versichern. Vielleicht sagt Ihnen die private Krankenversicherung aber auch einfach mehr zu als die gesetzliche, schließlich können die Leistungen hier weitaus umfangreicher und die Tarife preiswerter sein.

Sie können als Selbstständiger jederzeit aus der gesetzlichen in eine private Krankenversicherung wechseln – nur die Rückkehr ist schwieriger, da Sie dazu jünger als 55 Jahre und sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer mit einem bestimmten Jahresverdienst (derzeit liegt die obere Grenze bei 49.500 Euro) sein müssen.

Seit dem Jahr 2009 müssen private Krankenversicherer einen sogenannten "Basistarif" anbieten, der allen offen steht, die nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert sind und die noch nicht länger als sechs Monate freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind. Wenn Sie diese Bedingungen erfüllen, müssen Sie in den Basistarif aufgenommen werden – selbst bei schweren Erkrankungen, wegen der man Sie sonst ablehnen oder teurere Risikozuschläge erheben könnte.

Das gilt auch, wenn Sie als privat oder gar nicht versicherter Selbstständiger arbeitslos werden – allerdings trägt die Arbeitsagentur (anders als in der gesetzlichen Krankenkasse) nur einen Teil der Beiträge, im Fall von Arbeitslosengeld nicht mehr als 131,34 Euro; der Rest geht vom Arbeitslosengeld ab.

Die Höhe der Beiträge, hier Versicherungsprämien genannt, richten sich allerdings auch im Basistarif nach Eintrittsalter und Geschlecht, allerdings nicht nach dem Einkommen. Der der Basistarif darf nicht über dem Höchstbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung (553,16 Euro im Monat) liegen. Bis zu diesem Betrag sind die Versicherungen allerdings frei, eine hohe Prämie auch von Geringverdienern zu verlangen. Auch eine Familienversicherung gibt es nicht, allerdings kann der Partner ein Rabatt von 50 Prozent bekommen. Im Höchstfall kommen damit auf ein Ehepaar schon 829,74 Euro zu.

Tipp: Wenn von Ihrem Einkommen nach Zahlung des Basistarif-Beitrags nur noch so wenig übrig bleibt, dass Sie Anspruch auf Arbeitslosengeld II hätten, muss die Versicherung den Beitrag um die Hälfte senken. Die Leistungen, die Sie für diese Prämien bekommen, sind in der Regel von Versicherung zu Versicherung höchst unterschiedlich. Da hilft nur eines: Preise und Leistungen genauestens vergleichen. Am besten holen Sie sich dazu Vergleichsangebote von verschiedenen Versicherungen ein.

Überlegen Sie dazu zunächst, welche Leistungen Sie benötigen: Reicht Ihnen beispielsweise eine medizinische Grundversorgung zum Basistarif oder wollen Sie eine Chefarztbehandlung im Krankenhaus? Welche Zusatzleistungen möchten Sie beim Zahnersatz? Je mehr Leistungen, desto teurer wird es. Bei bestimmten Leiden und Vorerkrankungen verlangen private Versicherungen außerdem Risikozuschläge, die die schönen Beispielrechnungen aus den Tabellen zunichte machen können. Oder sie verweigern einem Risikofall die Aufnahme ganz. Und: Frauen zahlen bis zu 60 Prozent mehr als Männer, und auch bei älteren Menschen sind die Beiträge höher.