Schritt für Schritt: Anmeldung beim Finanzamt für kleine Unternehmen

Veröffentlicht am 17. November 2008 in der Kategorie Finanzen & Steuern von

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Schritt für Schritt: Anmeldung beim Finanzamt für kleine UnternehmenDie meisten denken bei Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit vor allem an die Gewerbeanmeldung. Doch damit ist die Bürokratie nicht erledigt: Was folgt, ist die wesentlich kompliziertere Anmeldung beim Finanzamt. Wir zeigen Schritt für Schritt, wie das für kleine Unternehmen geht.

Nachdem Sie ein Gewerbe angemeldet haben, kontaktiert die Gemeinde automatisch das zuständige Finanzamt, und Sie bekommen das Formular zur Anmeldung beim Finanzamt automatisch zugeschickt.

Wenn Sie freiberuflich sind und deshalb kein Gewerbe angemeldet haben, müssen Sie sich eigenständig an das Finanzamt wenden: Der Beginn Ihrer selbständigen Tätigkeit ist dann der Tag, an dem Sie sich beim Finanzamt anmelden und Ihre Steuernummer erhalten.

Um diese Steuernummer zu erhalten, müssen Sie in jedem Fall den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen. Davon gibt es mehrere Exemplare:

  • Den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung zur Aufnahme einer gewerblichen, selbständigen (freiberuflichen) oder land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit füllen Sie aus, wenn Sie ganz alleine als Einzelunternehmer eine Personengesellschaft gründen wollen.
  • Wollen Sie sich hingegen an einer Personengesellschaft beteiligen, füllen Sie das entsprechende Formular darunter aus. Und auch zur Gründung einer Personengesellschaft/-gemeinschaft gibt es ein eigenes Forumular.
  • Wenn Sie hingegen die Gründung einer Kapitalgesellschaft, etwa einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, einer Limited oder einer Aktiengesellschaft planen, gibt es dafür einen eigenen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung bei Gründung einer Kapitalgesellschaft / Genossenschaft.

Zusammen mit dem Fragebogen müssen Sie eine Teilnahmeerklärung am Lastschrifteneinzugsverfahren und eine Empfangsvollmacht abgeben. Wenn Sie ein anderes Unternehmen umwandeln, bzw. übernehmen, sollten Sie auch die Verträge beilegen. Kaufleute geben auch eine Eröffnungsbilanz und den Handelsregisterauszug mit ab. Wenn Sie eine  GbR, OHG, Partnergesellschaft oder Kapitalgesellschaft  gründen, legen Sie auch den Gesellschaftsvertrag mit bei.

So füllen Sie den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus

Sie können alle Formulare unter www.bundesfinanzministerium.de herunterladen. Klicken Sie dazu links auf Formulare A-Z und dann auf den Buchstaben F wie Fragebogen zur steuerlichen Erfassung.

  • Unter den Punkten 1. Allgemeine Angaben werden die persönlichen Daten des Unternehmers/der Unternehmerin abgefragt.
  • Punkt 1.1 erfragt die Unternehmerdaten, Punkt 1.2 die Angaben zu dem Ehegatten und Punkt 1.3 die Angaben zu den Kindern, 1.4 die Bankverbindung (erleichtert die Zusammenarbeit mit dem Finanzamt).
  • Unter Punkt 1.5 geben Sie an, ob Sie steuerlich beraten werden und wenn ja von wem, unter 1.6 nennen Sie, wer der Empfangsbevollmächtigte Ihres Steuerbescheides ist, unter 1.7 nennen Sie die bisherigen persönlichen Verhältnisse.
  • Unter Punkt 2 werden »Angaben zur gewerblichen, selbständigen (freiberuflichen) oder land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit« verlangt.
  • Punkt 2.1 erfragt die Art des ausgeübten Gewerbes/der Tätigkeit – geben Sie hier also an, dass Sie einen Onlineshop betreiben und was Sie verkaufen.
  • Unter Punkt 2.2 nennen Sie die Anschrift des Unternehmens.
  • Unter Punkt 2.3 nennen Sie die Anschriften der Betriebsstätten (denn diese kann ja vom Hauptsitz abweichen).
  • Unter 2.4 tragen Sie ein, ob eine Kammerzugehörigkeit gegeben ist – als Onlineshopbetreiber nennen Sie hier die IHK.
  • Unter  2.5 vermerken Sie, ob das Unternehmen bereits in das Handelsregister eingetragen wurde (wenn ja, ist ein Handelsregisterauszug beizufügen). Bei 2.6 tragen Sie den Ort der Geschäftsleitung ein (dieser kann ja vom Sitz des Unternehmens abweichen).
  • Bei 2.7 nennen Sie die Gründungsform (Neugründung oder Übernahme).
  • Unter 2.8 nennen Sie die bisherigen betrieblichen Verhältnisse.
  • Unter Punkt 3 werden die Einkünfte, Sonderausgaben und Steuerabzugsbeträge des Unternehmensgründers und seiner Ehefrau erfragt. Hierbei sollten Sie realistische Schätzungen oder leicht zu niedrige Schätzungen abgeben, da nach dieser Angabe die Steuervorauszahlungen bis zur ersten Steuererklärung als Selbständiger berechnet werden. Vielleicht lassen sich Zahlen vergleichbarer Unternehmen (gleiche Branche oder Gründungsjahr) ermitteln. Je niedriger Sie Ihr Einkommen ansetzen, desto weniger Vorauszahlungen müssen Sie leisten. Zu hoch geleistete Vorauszahlungen liegen dagegen bis zur Jahreserklärung unverzinst beim Finanzamt.
  • Unter Punkt 4 sind Angaben über die Gewinnermittlungsart zu machen, die abhängig ist von der geplanten Tätigkeit und dem zu erwartenden Umsatz. So können Sie als Kleingewerbetreibender vom Umsatz regelmäßig eine Einnahmenüberschussrechnung aufstellen. Wenn Sie von der Möglichkeit Gebrauch machen wollen, das Wirtschaftsjahr vom Kalenderjahr abweichen zu lassen, sollten Sie das hier angeben. Diese Abweichung macht beispielsweise Sinn, wenn es in Ihrer Branche regelmäßig Saisonabhängigkeiten gibt. Beispielsweise beginnt in der Landwirtschaft das Wirtschaftsjahr regelmäßig mit dem 1. Juli. Das Finanzamt muss bei Gewerbetreibenden dem abweichenden Kalenderjahr zustimmen. Gewerbetreibende, die in das Handelsregister eingetragen sind, können bei Betriebseröffnung das Wirtschaftsjahr frei wählen.
  • Die Angaben unter Punkt 5 ermöglichen Ihnen die Beantragung einer Freistellungsbescheinigung für Bauleistungen nach § 48 b EStG. Informationen zu diesem Thema finden Sie unter folgender Adresse: www.bzst.bund.de
  • Die Angaben unter Punkt 6 dienen der Festlegung des Lohnsteueranmeldezeitraums für die Anmeldung der abzuführenden Lohnsteuer (§ 41 a EStG). Bei abzuführender Lohnsteuer von mehr als 3.000 Euro wird der Monat, bei mehr als 800 Euro das Vierteljahr und bei nicht mehr als 800 Euro das Kalenderjahr als Anmeldungszeitraum festgelegt. Das Finanzamt will auch wissen, wie viele Arbeitnehmer Sie in Ihrem Unternehmen beschäftigen (oder zukünftig beschäftigen wollen) und welchen Status (Familienangehörige, geringfügig Beschäftigte) diese haben.
  • Unter Punkt 7.1 sollen Sie Ihren Gesamtumsatz im Jahr der Gründung und im Folgejahr schätzen. Der Voranmeldungszeitraum ist bei neu gegründeten Unternehmen (§ 18 Abs. 2 Nr. 4 UStG) für das laufende und das folgende Jahr der Kalendermonat.
  • Punkt 7.2 regelt, ob Sie als Unternehmensgründer unter die Kleinunternehmer-Regelung fallen. Als Kleinunternehmer werden Unternehmer bezeichnet, die nur geringe Umsätze tätigen. Dabei darf der Umsatz im vorangegangenen Jahr einen Betrag von 17.500 Euro nicht überstiegen haben und der Umsatz im laufenden Jahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen. Beide Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit Sie sich von der Umsatzsteuerzahlung befreien lassen können. Sie können sich natürlich auch für die Umsatzsteuerzahlung entscheiden – an diese Entscheidung sind Sie aber für fünf Jahre gebunden. Um zu entscheiden, ob das für Sie sinnvoll ist oder nicht, und herauszufinden, welche Verpflichtungen damit auf Sie zukommen, sollten Sie den entsprechenden Abschnitt zur Umsatzsteuer genau lesen.
  • Wenn Sie nicht unter die Kleinunternehmerregelung fallen, können Sie unter Punkt 7.3 angeben, ob Sie Ihre Umsatzsteuer nach der Soll-Versteuerung oder nach der Ist-Versteuerung berechnen wollen. Bei der Soll-Versteuerung zahlen Sie Ihre Umsatzsteuer dann, wenn Sie Ihre Leistung erbracht haben. Bei der Ist-Versteuerung wird die Umsatzsteuer fällig, wenn die Einnahme auf Ihrem Konto eingegangen ist. Diese Regelung ist gerade in der Anfangsphase immer sinnvoller. Das Finanzamt erteilt eine Genehmigung zur Ist-Versteuerung nur unter dem Vorbehalt des Widerrufs, dabei erstreckt sich die Genehmigung auf das volle Kalenderjahr. Eine Rückkehr zur Soll-Versteuerung ist jederzeit möglich. Eine Rückkehr bewirkt aber immer, dass bereits am Anfang des Kalenderjahres die Soll-Versteuerung erfolgen muss. Das Finanzamt kann seine Genehmigung nur zu Beginn des Kalenderjahres widerrufen. Die günstigere Ist-Versteuerung kommt zur Anwendung bei Kleinunternehmern, die einen Gesamtumsatz von 125.000 Euro im Jahr nicht übersteigen und bei Unternehmern, die nicht zur Buchführung verpflichtet sind.
  • Unter Punkt 7.4 geben Sie an, ob Sie für die Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldungen von Beginn an eine Dauerfristverlängerung wünschen. Diese ermöglicht es, die Umsatzsteuervoranmeldungen regelmäßig einen Monat später abgeben zu können. Der Nachteil besteht darin, dass für diesen Aufschub eine Sondervorauszahlung zu leisten ist.
  • Punkt 7.5 erfragt, ob Sie eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer benötigt wird. Diese ist immer dann erforderlich, wenn der Steuerpflichtige am Handel im EU-Ausland teilnehmen möchte.
  • Unter Punkt 8 sind Angaben zu machen, ob der Steuerpflichtige noch an anderen Personengesellschaften beteiligt ist. Die meisten Kleinunternehmer haben ja nur ein Unternehmen.

Zum Schluss müssen Sie das Formular eigenhändig unterschreiben. Hiermit versichert der Gründer, dass er die Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht hat.

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