Mehr Liquidität beim Unternehmensstart: Ganz einfach mit diesen 8 Tipps

Veröffentlicht am 30. März 2016 in der Kategorie Finanzen & Steuern von

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Mehr Liquidität beim Unternehmensstart: Ganz einfach mit diesen 8 TippsDer Weg in die Selbstständigkeit ist kein einzelner Schritt, sondern eine lange Strecke, deren Route genau geplant werden muss. Und die Entscheidung, künftig der Herr über ein eigenes Unternehmen zu sein, verlangt vor der Firmengründung eine differenzierte Planung, die in erster Linie die finanziellen Aspekte berücksichtigt.

Eine der Hauptursachen für das Scheitern vieler Existenzgründer ist eine fehlende oder unzureichende Liquiditätsplanung beim Unternehmensstart. Der unternehmerische Erfolg steht und fällt mit der Liquidität, der Fähigkeit, Ausgaben jederzeit begleichen zu können.

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Die Liquidität eines Unternehmens hängt nicht nur davon ab, dass die Kunden die Rechnungen bezahlen. Sie resultiert auch daraus, ob Zahlungsströme gesteuert und gegebenenfalls Rücklagen gebildet werden.

Wer sich über den ersten Rechnungseingang von 1.190 Euro freut, sollte schnellstens 190 Euro zur Seite legen. Die nächste Umsatzsteuervorauszahlung kommt garantiert.

Gerne übersehen Existenzgründer, dass die eingenommene Mehrwertsteuer nur ein durchlaufender Posten ist, die in der Höhe abhängig von der selbst gezahlten Mehrwertsteuer ist. Erst im Laufe der Zeit entwickelt ein Jungunternehmer ein Gefühl dafür, wie hoch die Differenz im Durchschnitt ausfallen wird, und kann dann die Rücklagen entsprechend steuern.

Der Businessplan als Steuerungsinstrument

Wie aber wird schon vor der Aufnahme des Geschäftsbetriebes die Liquidität gesteuert? Die Antwort auf diese Frage lautet, dass sich der Unternehmensgründer bereits beim Erstellen des Businessplans darüber Gedanken macht, welche Ausgaben auf ihn zu kommen und wie er diese so gering wie möglich halten kann.

Es gibt Positionen, die dringend beachtet werden müssen. Das beginnt mit der Miete für die Geschäftsräume und endet bei der Auswahl des Personals. Hier acht Punkte, wie sich die Liquidität erhöhen lässt:

1. Kreditraten

Wird für die Aufnahme des Geschäftsbetriebes ein Darlehen benötigt, ist die Hausbank oft nur die zweitbeste Adresse. Bei bestehenden Krediten liegt eine Konditionsverhandlung mit der Bank nahe. Gegebenenfalls macht es Sinn, die Laufzeit zu verlängern, um so die Ratenhöhe zu senken.

2. Skonto

Räumen die Lieferanten Skonto ein, führt dies zu einer Ersparnis von in der Regel drei Prozent. Eine sofortige Begleichung der Rechnung erhöht die Liquidität folglich um drei Prozent gegenüber der Ausnutzung des Zahlungsziels. Im Umkehrschluss zahlen nicht alle Kunden innerhalb von 14 Tagen, sondern lassen sich gerne länger Zeit. Dieser Umstand muss bei den eigenen Verpflichtungen berücksichtigt werden.

3. Miete, Strom- und Telefonkosten

Natürlich ist die Idee verlockend, das eigene Unternehmen in einer 1A-Innenstadtlage zu eröffnen. Abhängig vom Geschäftsgegenstand mag eine Randlage aber durchaus ebenso ihren Zweck erfüllen und senkt auch die Mietkosten signifikant. Neben dem Vergleich der Mietpreise helfen zwei weitere Vergleiche, die Liquidität zu erhöhen. Die Rede ist von Telefon- und Stromanbietervergleichen. Gerade im Bereich Gewerbestrom bieten sich Potentiale zur Erhöhung der Liquidität.

4. Versicherungen

Eine der beliebtesten Zielgruppen für den Versicherungsaußendienst sind Existenzgründer. Bei der Auswahl der notwendigen Verträge sollte beim Unternehmensstart aber genau darauf geachtet werden, welche Verträge notwendig sind. Dazu zählen

  • Krankenversicherung;
  • Betriebshaftpflichtversicherung;
  • Geschäftsinhaltsversicherung.

Andere Policen mögen sinnvoll sein, sind aber zunächst nicht zwingend. Die Kosten für eine kaputte Glasscheibe sind ärgerlich, aber nicht existenzgefährdend. Berufsunfähigkeitsversicherungen sind nicht uninteressant, beeinträchtigen aber zum Unternehmensstart die Liquidität erheblich, weil sie sehr teuer sind.

5. Risikofaktor Kleinbetrag

Eine genaue Buchführung schreibt schon der Gesetzgeber vor. Diese erfasst aber nicht die privaten Ausgaben wie die Kosten für den Firmenkaffee. Kleinbeträge in der Summe können am Ende des Monats ebenfalls zu einer Schmälerung der Liquidität führen, sollten also auf jeden Fall in der Planung berücksichtigt werden.

Der kalkulierte Einsparung von 30 Euro beim Strom durch einen Wechsel des Anbieters stehen unberücksichtigt 60 Euro für die tägliche Tasse Milchkaffee im Bistro um die Ecke gegenüber.

6. Umsatzsteuer

Eingangs bereits angesprochen, führt die Umsatzsteuer immer wieder dazu, dass ein Existenzgründer unversehens einen Liquiditätsengpass hat. Die Ursache hierfür liegt darin, dass sie bei der Liquiditätsplanung aus den Einnahmen nicht herausgerechnet wurde, respektive als Einnahme auf dem Firmenkonto verbleibt und wieder für weitere Ausgaben verwendet wird.

Werden nach der ersten Umsatzsteuervoranmeldung plötzlich 5.000 Euro vom Finanzamt eingefordert, stellt dies manchen Existenzgründer vor ein echtes Problem.

7. Personal

Der Gedanke, der eigene Chef zu sein, hat seinen Reiz. Es ist aber fraglich, ob gleich von Beginn an mit fest angestelltem Personal gearbeitet werden muss. Neben der verbindlichen Lohnzahlung kommen beispielsweise noch die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung oder der bezahlte Urlaub der Mitarbeiter auf den Arbeitgeber zu. Dies gilt auch für Beschäftigungsverhältnisse auf 450-Euro Basis.

Im Fall einer Existenzgründung ist es zu Beginn möglicherweise sinnvoller, auf die Unterstützung freier Mitarbeiter zurückzugreifen, als ein Beschäftigungsverhältnis zu begründen und durch feste Lohnkosten die Liquidität zu schmälern, auch wenn kein Gegenwert in Form erbrachter Arbeit dagegen steht.

8. Partnerschaft

Ein stiller Teilhaber kann ebenfalls ein probates Mittel sein, um zum Unternehmensstart über ausreichende Liquidität zu verfügen. Die Partnerschaft kann durchaus so ausgelegt sein, dass sie mit Erreichen eines kontinuierlichen Ertrages beendet wird, muss also nicht für die Ewigkeit sein.

ACHTUNG: Permanentes Controlling ist zwingend

Führt der eine oder andere hier genannte Punkt zum Erfolg und steigert die monatliche Liquidität, darf eine kontinuierliche Liquiditätskontrolle deshalb nicht vernachlässigt werden. Fast jede Art von Unternehmen verzeichnet im Laufe eines Jahres saisonal bedingt Spitzenumsätze und Umsatzeinbußen. Ziel der Liquiditätsplanung muss es auch sein,

in den Monaten mit geringerem Umsatz die notwendige Liquidität sicherzustellen.

Auch wenn die Umsatzsteuer geringer ausfällt, bleiben die Kosten für Miete und Krankenversicherung bestehen. In bestimmten Branchen lässt sich bereits vor Unternehmensstart prognostizieren, wann die Umsätze rückläufig sein werden, in anderen Branchen sind es die Erfahrungen, die ein Unternehmer nach einem Jahr gesammelt hat.

Rücklagenbildung verhindert Engpässe

Auch wenn es mit Aufnahme der Selbstständigkeit zunächst schwierig ist, Rücklagen zu bilden, ist dies zwingend und sollte im Businessplan berücksichtigt werden. Früher oder später wird die Einkommenssteuer fällig. Einige Positionen, beispielsweise Versicherungsbeiträge, werden günstiger, wenn die Abbuchung nur einmal im Jahr erfolgt.

Rücklagen helfen auch, das Skonto auszunutzen, wenn die eigenen Kunden noch nicht bezahlt haben. Wenn von Beginn an Rücklagen gebildet werden, zahlt sich dies bereits mittelfristig aus, auch wenn diese anfänglich den finanziellen Spielraum einschränken.

Tagesgeldkonten, getrennt nach Verwendungszweck, sind für die Anlage solcher Gelder hervorragend geeignet. Dem Gründer sollte dabei allerdings bewusst sein, dass die Zinsen solcher Konten zum steuerpflichtigen Ertrag der Firma gehören.

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(Einzelbildnachweis: geldbeutel © shutterstock.com)