PKV oder GKV: Wie teuer wird die Gesundheitsvorsorge?

Veröffentlicht am 17. September 2015 in der Kategorie Finanzen & Steuern von

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PKV oder GKV: Wie teuer wird die Gesundheitsvorsorge?

Die anhaltende Niedrigzinsphase könnte langfristig die Tarifkalkulationen privater Krankenversicherer beeinflussen, und auch gesetzlich Krankenversicherte müssen kurzfristig mit Beitragserhöhungen rechnen. Was bedeutet das für Verbraucher? Und was ist angesichts dieser Meldungen besser – privater Schutz (PKV) oder eine gesetzliche Krankenkasse (GKV)?

Finanzielle Engpässe gibt's bei beiden Modellen

GKV-Versicherte müssen sich eventuell schon kommendes Jahr auf erhöhte Beiträge einstellen:

„Die Ausgaben der Kassen steigen stärker als die Einnahmen“,

erklärte Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, in einem Interview mit nwzonline.de,

„unter dem Strich rechnen wir im Durchschnitt aller Krankenkassen damit, dass die Zusatzbeiträge Anfang 2016 um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte angehoben werden müssen“.

Langfristig könnten weitere Verteuerungen nötig werden: „Für 2019 rechnen wir mit einer Erhöhung des Durchschnitts auf insgesamt 1,4 bis 1,9 Prozent“, erläuterte Pfeiffer auf dem Newsportal.
Werden GKV-Leistungen von Beitragseinnahmen finanziert, so bilden PKV durch Altersrückstellungen Kapital: bereits jüngere Versicherte zahlen höhere Beiträge, damit diese langfristig stabil bleiben können.

Steigende Lebenserwartungen in Kombination mit der Niedrigzinsphase machen den Kalkulationen nun jedoch einen Strich durch die Rechnung: „Durch die niedrigen Zinsen wird es für die Versicherer immer schwerer, mit den von den Kunden angesparten Alterungsrückstellungen den veranschlagten Rechnungszins von 3,5 Prozent zu erwirtschaften“, kommentierte aerztezeitung.de, dies könne langfristig zu stark erhöhten Beiträgen im Alter führen.

Privat versichert – besser versichert?

Private Leistungen sind bei dem richtigen Tarif sicherlich erstrebenswert: Sie verheißen

  • freie Arzt-, Facharzt- und Krankenhauswahl,
  • bessere stationäre Unterbringung,
  • kürzere Wartezeiten,
  • Auslandsschutz,
  • Recht auf Erstattung von Vorsorgeuntersuchungen, alternativen Behandlungsmethoden, Medikamenten oder Hilfsmitteln.

Und vor allem: Einmal vereinbarte PKV-Leistungen dürfen nicht gekürzt werden. Das ist bei GKV anders, denn Heilleistungen müssen entsprechend § 12 des Fünften Sozialgesetzbuches

„ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten.“.

Übernahmen von Leistungen können folglich an die wirtschaftliche Situation angepasst werden. Angesichts einer alternden Gesellschaft, die erwartungsgemäß immer mehr und teurere Leistungen in Anspruch nehmen wird und dabei niedrige GK-Versicherungsbeiträge entsprechend sinkender Renten zahlt, sind weitere Kürzungen vorhersehbar.

Nicht jeder darf sich privat versichern!

Doch nicht jeder ist zum PKV-Beitritt berechtigt: Die Wahl haben Freiberufler, Selbstständige, sowie Arbeitnehmer mit einem Bruttoeinkommen von mehr als 54.900 €; außerdem Studenten, die binnen der ersten drei Studienmonate den Wechsel beantragen oder mindestens 30 Jahre alt sind.

Besonders sinnvoll ist der PKV-Beitritt für Beamte, denn der Arbeitgeber trägt bis zu 80 % der Heilkosten, sogar für nicht-selbstständige Angehörige.

Letzteres ist nicht selbstverständlich: In Deutschland besteht Krankenversicherungspflicht. In der GKV werden nicht-selbstständige Angehörige und Kinder so noch kostenfrei mitversichert, bei der privaten Variante muss für jedes Individuum ein separater Vertrag abgeschlossen werden.

Wieso müssen PKV und GKV verschiedene Beiträge zahlen?

Womit man wieder bei den Kosten wäre. GKV-Beiträge sind trotz gleichbleibender Leistungen gehaltsabhängig: Der Satz beträgt 14,6 % des Bruttogehalts, davon tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils 7,3 %; zudem können die GKV einen individuellen Zusatzbetrag erheben, der vom Arbeitnehmer allein erbracht werden muss. Tendenziell bleiben die Beiträge für Versicherte so auch langfristig grob kalkulierbar.

PKV-Beiträge hingegen sind gehaltsunabhängig – obwohl der Arbeitgeber sich gegebenenfalls an den Kosten beteiligt, er zahlt so die Hälfte der PKV-Kosten bis zu einem bestimmten Höchstbetrag entsprechend dem der GKV. PKV-Beiträge werden aufgrund von Alter, Gesundheitszustand und Tarifwünschen des potentiellen Versicherungsnehmers berechnet.

Dabei gilt: Je jünger und gesünder ein Kunde, desto günstiger die Beiträge – selbst im Alter, wenn wahrscheinlich mehr kostenintensive Leistungen in Anspruch genommen werden. Zumindest solange, wie Altersrückstellungen diese Leistungen decken können.

Und hier gibt es durchaus Unterschiede zwischen einzelnen PKV: „Die meisten Versicherer liegen tatsächlich noch über dem erforderlichen Zinsniveau. 15 von 34 Unternehmen erwirtschafteten im vergangenen Jahr noch eine Nettoverzinsung von mehr als 4 Prozent, ergab eine Bilanzuntersuchung des Branchendienstes KVpro“, so faz.net.

Nicht nur aus diesen Grund sollte man sich vorab gegebenenfalls genauestens über einzelne PKV-Anbieter informieren: Auch im Preis-Leistungs-Verhältnis gibt es große Unterschiede. Idealerweise hat man bereits eine Vorstellung darüber, was der Gesundheitsschutz beinhalten soll, denn nachträgliche Änderungen kosten verhältnismäßig mehr. Altersrückstellungen bleiben bei einem PKV-Wechsel beim alten Versicherer, und eine Rückkehr zu GKV ist nicht in allen Fällen möglich.

Fazit: besserer Gesundheitsschutz ist nicht immer möglich

Eins ist sicher: Eine pauschale Antwort auf die Frage des richtigen Gesundheitsschutzes gibt es nicht – und häufig ist es eine Frage des Geldes und individuellen Anbieters. Eine Option ist die PKV jedoch sicherlich für Beamte und jüngere Gutverdiener, die langfristig in der PKV bleiben möchten. Wenn eine PKV nicht in Frage kommt, besteht zumindest die Option, einen privaten Krankenzusatzversicherungsvertrag abzuschließen.